Sommer in Orange

Nach seiner großen Erfolgskomödie „Wer früher stirbt ist länger Tod“ legt Marcus H. Rosenmüller mit „Sommer in Orange“ eine weitere rasante Komödie mit bayrischem Einschlag vor. Dabei fällt eine Sannyasin-Kommune aus Berlin in das kleine verträumte bayrische Dorf Talbichl ein und so treffen Urschrei-Therapie und Vollkornschrot auf Schützenverein und Leberkäs.

Webseite: www.sommerinorange.de

Deutschland 2010
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Darsteller: Petra Schmidt-Schaller, Amber Bongard, Béla Baumann, Georg Friedrich, Oliver Korittke, Brigitte Hobmeier u.a.
Länge: 110 Min.
Verleih: Majestic / FOX
Kinostart 18. August 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Marcus H. Rosenmüller verwendet einen alten Trick und erzählt die Geschichte aus der Sicht eines Kindes, in diesem Falle der 12-jährigen Lili, die zusammen mit ihrem kleinen Bruder Fabian und ihrer Mutter Amrita von Berlin nach Bayern ziehen muss, nur weil der derzeitige Freund ihrer Mutter in Talbichl einen Bauernhof geerbt hat. So nimmt die ganze Kommune den neuen Besitz schnell in Beschlag, erfreut sich der Großzügigkeit des Anwesens und versucht alles im Einklang mit der Natur einzurichten. Während sich die Erwachsenen kaum um das Dorfleben kümmern, schießen dort bereits die Vorurteile und Mutmaßungen gegen die so merkwürdig in orange gekleideten Hippies ins Kraut. Spätestens in der Schule geraten die Kinder zwischen die Fronten, wo sie mit dem ‚Vater unser’ und Schulaufgaben nur wenig anfangen können, andererseits aber die geordneten Verhältnisse, in denen ihre Mitschüler aufwachsen verlockend finden. Da ist nach der Schule der Mittagstisch immer reich gedeckt, während Lili für sich und Fabian immer selbst etwas organisieren muss und dabei als überzeugte Vegetarierin mit dem hiesigen Würstl-Angebot nur schwer zu recht kommt. Am Ende entscheidet sich Lili für eine Art Doppelleben. Zuhause trägt sie orange und reißt linke Sprüche, während sie in der Schule den Faltenrock anlegt und mit den anderen das ‚Vater unser’ betet. Doch dieser Spagat zwischen Om und Amen kann nicht gut gehen.

Rosenmüller inszeniert hier eine Culture-Clash-Komödie aus einer Zeit, als Selbsterfahrung noch kein Mainstream und die bayerische "Seele" noch nicht lässig war, und er benutzt dafür die Sicht der Kinder. So bringt er eine kritische Note in eine ansonsten recht unbeschwerte Komödie, denn Lilis Versuche sich der neuen Umgebung anzupassen und neue Freunde zu finden, scheitern immer wieder am eigensinnigen Verhalten der erwachsenen Kommunarden, die den ganzen Tag mit sich selbst beschäftigt sind. Das gilt auch für ihre Mutter Amrita, die vor lauter Selbstfindungsstress das Wohl ihrer Kinder vergisst. So kommt es, dass Lili sich nach einer neuen Familie sehnt und dem Bürgermeister Lügen von Drogen, Diebstahl und Verbindungen zu RAF auftischt, die dessen Vorurteile trefflich bestätigen.

Das Drehbuch zum Film schrieb Ursula Gruber und beruht auf ihren Kindheitserinnerungen und denen ihres Bruders Georg, die in einer Bhagwan-Kommune südlich von München aufwuchsen. Mit einer Fülle an amüsanten Details liefern sie eine Authentizität, die es Rosenmüller erlaubt, dieser höchst unterhaltenden Komödie einen leicht kritischen Unterton mit auf den Weg zu geben.

Kalle Somnitz