Staatsschutz

Der Staat soll seine Bürger schützen – und zwar alle. Doch immer häufiger macht sich das Gefühl breit, dass der Staat dieser Pflicht nicht gerecht wird und auf einem, dem Gefühl nach meist dem rechten, blind sei. Aus dieser Haltung heraus entwickelt Faraz Shariat sein Drama „Staatsschutz“, das auf bisweilen fragwürdige Weise agitiert, auch wenn dies im Dienste einer guten Sache geschieht.

 

Über den Film

Originaltitel

Staatsschutz

Deutscher Titel

Staatsschutz

Produktionsland

DEU

Filmdauer

113 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Shariat, Faraz

Verleih

PLAION PICTURES GmbH

Starttermin

01.01.1970

 

Irgendwo in Deutschland arbeitet Seyo Kim (Chen Emilie Yan) seit kurzem als Staatsanwältin. Sie glaubt an den Rechtsstaat, spricht sich in Fällen gegen Rechtsextreme mal für einen Freispruch aus, mal für eine Gefängnisstrafe, je nach Beweislage. Trotz dieser neutralen Haltung hat sie sich Feinde gemacht und wird eines Tages beim Weg zur Arbeit vom Fahrrad gedrängt und mit einem Molotowcocktail beworfen.

Die äußerlichen Verletzungen verheilen schnell, doch in ihrem inneren hadert Seyo mit ihrer Behörde, die in ihren Augen nicht aktiv genug gegen die mutmaßlichen Täter vorgeht. Der steht ihrer Meinung nach fest: Ein in der Stadt bekannter Rechtsextremist, der offenbar auch nicht zum ersten Mal Deutsche mit Migrationshintergrund bzw. Asylbewerber angegriffen hat.

Da ihre Behörde selbst nichts tut, beginnt Seyo auf eigene Faust zu ermitteln, verschafft sich Zugang zu den Archiven des Gerichts und stößt in den Akten auf zahlreiche Fälle, in denen die Ermittlung bei offenbar von rechts verübten Taten sehr schnell eingestellt wurden.

Mit seinem Debütfilm „Futur Drei“ hatte der iranischstämmige deutsche Regisseur Faraz Shariat vor einigen Jahren einigen Erfolg, für den Nachfolger „Staatsschutz“ verfilmt er nun ein Drehbuch, das die deutsche Autorin Claudia Schäfer, zusammen mit den Korea-Deutschen Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim geschrieben hat. Letztere engagieren sich in Initiativen gegen Rassismus, bei einer Organisation „korientation“, einer „(post)migrantischen Selbstorganisation.“

Dass auch Shariat als Deutscher mit Migrationshintergrund Rassismus erlebt hat, davon muss man ausgehen, die Filmemacher schöpfen also aus eigener Erfahrung, verarbeiten in „Staatsschutz“ auch ihre Wut über ein System, dem oft vorgehalten wird, auf dem rechten Auge blind zu sein. Aus dieser Wut entstand nun ein agitatorischer Film, der sich ein wenig zu viele erzählerische Freiheiten nimmt, der etwas zu ungenau erzählt, um über sein hehres Anliegen hinaus zu überzeugen.

Allzu schlicht wirken die Gegensätze, wie sie in „Staatsschutz“ gezeigt werden: Hier eine junge Staatsanwältin, die für Gerechtigkeit kämpft, dort eine Behörde, in der teilweise offener Rassismus herrscht und eine Mordserie, deren Ausmaße an die NSU-Morde heranreicht, einfach so unter den Tisch gekehrt wird. Hier engagierte linke Anwälte, dort rechte Polizisten, die Seyo ohne Grund festnehmen und sie in einer Zelle zumindest psychisch foltern.

Bei allem Verständnis für die Wut auf Teile der Behörden, angesichts der schleppenden Ermittlungen im NSU-Komplex oder Taten wie dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh, der in Polizeigewahrsam verbrannte, angeblich ein Selbstmord: so pauschalisierend zu erzählen wie hier wirkt eher kontraproduktiv.

Zumal sich nach und nach ein etwas seltsames Rechtsverständnis offenbart. Als Staatsanwältin gibt Seyo immer wieder vor, an das Recht zu Glauben, agiert jedoch zunehmend wie eine Art Dirty Harry-Figur, wie eine Frau, die rot sieht, mit einem schweren amerikanischen Sportwagen durch die ländliche Provinz rast und mehr und mehr die Dinge in die eigene Hand nimmt.

Gilt das Recht nur dann, wenn es im eigenen Sinne agiert? Ist es legitim, vielleicht sogar notwendig, gegen das Recht zu verstoßen, wenn man glaubt, dass einem Unrecht geschieht? Das sind spannende Fragen, die es wert wären, kontrovers diskutiert zu werden. Doch der Beantwortung weicht Faraz Shariat aus und begnügt sich stattdessen damit, auf emotionale Weise zu agitieren. Das mag zwar nachvollziehbar erscheinen, macht „Staatsschutz“ aber zu einem etwas schlichten Film über eine komplexe Thematik.

 

Michael Meyns

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