Starlet

Mit STARLET kommt ein Kleinod des amerikanischen Independent Kinos nach Deutschland. Der Film erzählt – lakonisch und zugleich sehr sensibel – die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen der 21-jährigen Pornodarstellerin Jane (Dree Hemingway) und Sadie (Besedka Johnson), einer älteren Dame aus der Nachbarschaft. Stimmig bis ins kleinste Detail und großartig gespielt, wird aus der schlichten Story die komplexe Geschichte zweier komplizierter Menschen. Fernab jeder Klischees, charmant, ehrlich und rührend.

Webseite: www.rapideyemovies.de

Regie: Sean S. Baker
Buch: Sean Baker, Chris Bergoch
Schnitt: Sean Baker
Darsteller: Dree Hemingway, Besedka Johnson, Stella Maeve, James Ransone, Karren Karagulian
Länge: 103 min
Verleih: Rapid Eye Movies
Starttermin: 9.5.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Jane – blond, langbeinig und 21 Jahre alt – arbeitet im kalifornischen San Fernando Valley als Pornodarstellerin. Sie wohnt zur Untermiete bei der labilen Melissa und deren Macho-Zuhälter-Freund Mikey. Irgendwie sind alle befreundet, spielen zusammen Playstation, bekiffen sich und leihen sich Geld, aber so richtig herzlich ist das nicht. Eher funktional, wie die Rauhfasertapete in Janes seelenlosem Zimmer. Die einzig wichtige Beziehung in Janes Leben scheint ihr Chihuahua Starlet, den sie liebevoll umhegt.

Eines Tages beschließt Jane, wenigstens ihr Zimmer etwas gemütlicher zu gestalten und klappert die „yard sales“, die Hinterhofflohmärkte, der Umgebung ab. Am Stand der alten Sadie ersteht sie eine alte Thermoskanne in der sie später einen Haufen Geldbündel entdeckt. In der vagen Absicht, das Geld zurück zu geben, oder wenigstens heraus zu finden, ob die alte Frau es braucht, sucht sie nach einem Vorwand, Sadie besser kennen zu lernen.

Geduldig verfolgt STARLET die holprige Annäherung zwischen Jane und Sadie. Beide sind ruppig, misstrauisch und zu Smalltalk und Freundschaft wenig begabt. Ihre Gespräche rumpeln unbeholfen dahin, immer wieder will Sadie „aussteigen“ und Jane ist genervt. Und doch gewöhnen sie sich langsam aneinander. Vielleicht vor allem deshalb, weil sie eine interessante Abwechslung füreinander darstellen, eine Alternative zu dem drögen Alltagseinerlei, das für Sadie aus Einkaufen und Bingo, für Jane aus Ausschlafen und Sex-Jobs zu bestehen scheint.

Dree Hemingway und Besedka Johnson (in ihrer ersten Rolle!) spielen die abgebrühte junge und die misstrauische alte Frau mit einer Glaubwürdigkeit, die so nur selten auf der Leinwand zu sehen ist. Aus kleinsten Gesten und fantastischen Dialogen, unterstützt von einer zurückhaltenden und kongenialen Ausstattung, entsteht eine fast dokumentarisch anmutende Welt in der jedes Detail stimmig ist. Umso rührender und fernab von jedem Kitsch ist es dann, wenn sich aus dieser Zweckgemeinschaft eine Freundschaft entwickelt, die eine eher kalte und sinnlose Welt ein kleines bisschen verbindlicher macht.

Hendrike Bake