Stromberg – Der Film

Mehrere Anläufe waren notwendig, dann stand die Finanzierung auch dank der Unterstützung der Fans und die Dreharbeiten zum ersten „Stromberg“-Kinofilm konnten endlich beginnen. Das Erfolgsteam aus Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst, Regisseur Arne Feldhusen und Autor Ralf Husmann schicken Bernd Stromberg, Leiter Schadensregulierung der CAPITOL Versicherung, und seine Abteilung anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums in ein idyllisches Landhotel. Das Ergebnis ist überaus unterhaltsam und weit mehr als eine Aneinanderreihung von vier TV-Folgen. Wieder tasten sich Husmann und Herbst an die Grenzen des guten Geschmacks heran. Politisch wunderbar unkorrekt, die Absurditäten des Büroalltags genau im Blick und mit durchaus kritischen Untertönen zur schönen, neuen Wirtschaftswelt, gelingt dem „Kino-Stromberg“ ein seltenes, deutsches Comedy-Highlight.

Webseite: www.stromberg-der-film.de

D 2013
Regie: Arne Feldhusen
Drehbuch & Produzent: Ralf Husmann
Darsteller: Christoph Maria Herbst, Bjarne I. Mädel, Oliver K. Wnuk, Diana Staehly, Milena Dreißig, Michael Wittenborn
Laufzeit: ca. 118 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Warner
Kinostart: 20.2.14

FILMKRITIK:

„Man denkt immer, im Büro passiert nie was, und dann passiert da das ganze Leben.“ Das Büro als Keimzelle des alltäglichen Wahnsinns hat bislang kaum eine Serie derart pointiert und unterhaltsam eingefangen wie die Pro-Sieben-Produktion „Stromberg“, der inoffizielle deutsche Ableger des britischen Comedy-Erfolgs „The Office“. Vor allem dank des zwischen Fremdschämen, brachialer Komik und Sarkasmus meisterlich ausbalancierten Drehbuchs von „Stromberg“-Mastermind Ralf Husmann und der preisgekrönten Darstellung Christoph Maria Herbsts erlangte das Format rasch Kultstatus. Die immer wieder kolportierten Planungen für einen „Stromberg“-Film scheiterten mehrfach an der Finanzierung. Erst nach Abschluss der fünften Staffel und mit Hilfe der Fans, die mittels Crowd-Funding 1 Million Euro in das Projekt investierten, konnten die Dreharbeiten für Strombergs Kinodebüt beginnen.
 
Dieses beginnt zunächst im vertrauten Umfeld. Möchtegern-Alphatier Bernd Stromberg (Herbst) versucht weiterhin als Leiter der Schadensregulierung der CAPITOL Versicherung mit einem eher unkonventionellen Führungsstil seine eigene Inkompetenz zu vertuschen – meist erfolglos. Als das 50-jährige Firmenjubiläum ansteht, zu dem der Vorstand die Mitarbeiter in ein Landhotel eingeladen hat, beschließt Stromberg, der Feier fernzubleiben. Doch Mobbingopfer und Stromberg-Stellvertreter Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne I. Mädel) hat da längst andere Pläne. Aufgepusht durch einen Motivationskurs setzt er alles daran, sich auf das Event vorzubereiten und mit seinem Engagement beim Vorstand den bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen. Eher beiläufig erfährt derweil Stromberg, dass seine gesamte Abteilung schon bald aufgelöst werden soll. Nur ein Wechsel in die Zentrale kann den „Papa“ jetzt noch retten. Die dafür nötigen Kontakte hofft er, auf der Jubiläumsfeier knüpfen zu können. Also sammelt er seine ahnungslosen Schäfchen kurzerhand ein, wobei schon die Fahrt zum Hotel nicht wirklich nach Plan verläuft.
 
Stromberg ist zurück und – das zeigen Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst und Autor Ralf Husmann – auch außerhalb des gewohnten Büro-Habitats ein Chef, dessen Selbstbewusstsein trotz aller Rück- und Nackenschläge nahezu unerschütterlich scheint. Noch immer hält er zu jedem Thema eine (un-)passende Lebensweisheit bereit. Sowohl von garantiert politisch unkorrekten Sprüchen als auch von Momenten allergrößter Peinlichkeit, hinter denen sich so manche Absurdität des modernen Arbeitsalltags versteckt, besitzt „Stromberg – Der Film“ mehr als genug. Husmann und Herbst laufen unter der versierten Regie von Arne Feldhusen erneut zur Hochform auf und so ist die Befürchtung, das Format könne womöglich nicht als knapp zweistündiger Kinofilm reüssieren, bereits nach kürzester Zeit verflogen. Gerade mit dem Schlussakt nimmt die Geschichte noch einmal eine unerwartete Wendung. Plötzlich entpuppt sich der bissige Büroklamauk, der immer auch die Eigenarten eines sehr deutschen Ordnungswahnsinns und Pflichtgefühls karikiert, als ein satirisches Meisterstück.
 
Dazu dürfen Fans der ersten Stunde auf ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten hoffen. Schon dafür lohnt ein Kinobesuch. Anders als „Die Simpsons“ und „Sex in the City“, denen zuvor der Wechsel vom TV auf die große Leinwand nur bedingt glückte, erweist sich unser Bernd als der geborene Kinoheld mit der hierfür notwendigen Ausdauer. Da passt es, wenn er sich selbst als John McClane der CAPITOL sieht. Am Ende tritt er sogar in die Fußstapfen Che Guevaras, was – so absurd es klingt –, durchaus Sinn ergibt. Für Christoph Maria Herbst ist dieser Bernd Stromberg mehr als nur eine Rolle. Er wird diese Figur, die ihm längst mit jeder Geste in Fleisch und Blut übergegangen ist, vermutlich nie mehr los. Dabei erscheint weder die Serie noch der Film ohne seine geniale Interpretation des Büro-Egomanen in der Rückschau vorstellbar. Gleiches gilt für das restliche Ensemble, aus dem besonders Bjarne I. Mädel als „Ernie“ erneut herausragt. Alle zusammen sind sie längst Deutschlands schrecklich netteste Bürofamilie.
 
Marcus Wessel