Stuck in Love

Um Liebeswirren und Beziehungsstress geht es in dieser intelligenten, unterhaltsamen Independent-Komödie. Im Zentrum der Handlung steht eine Künstlerfamilie bzw. das bisschen, was davon übrig ist, seit sich der Schriftsteller William Borgens und seine Frau Erica getrennt haben. William hat’s nicht leicht: Er muss sich nicht nur mit den eigenen Macken und Verfehlungen herumärgern, sondern auch mit den Problemen seiner Kinder, die in seine literarischen Fußstapfen treten wollen.
Die Dialoge sind passgenau, die Charaktere interessant, und die Komik kommt eher auf leisen Samtpfötchen daher als mit krachender Brachialgewalt. All das macht den Film sympathisch. Hier geht es nicht so sehr um eine spannende Handlung als um die spielerische, aber keineswegs verspielte Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe. Glücklicherweise ist dabei trotz des kleinen Schwerpunkts auf die Freuden und Leiden von Autoren kein Insiderfilm entstanden, sondern das Kinodebüt des jungen Regisseurs Josh Boone ist eine sehenswerte, heiter melancholische Familiengeschichte, die gelegentlich einen angenehm kratzigen Charme verbreitet.

Webseite: www.senator.de

USA 2012
Regie und Buch: Josh Boone
Darsteller: Greg Kinnear, Jennifer Connelly, Lily Collins, Logan lerman, Kristen Bell, Nat Wolff
Originalmusik: Mike Mogis, Nate Walcott
97 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 29. August 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ein ziemlich ereignisreiches Jahr steht dem Schriftsteller Bill Borgens bevor. Es wird sich einiges ändern für diesen König des Selbstmitleids, der sich einfach nicht daran gewöhnen kann, dass seine Frau ihn wegen eines Jüngeren verlassen hat. Seitdem hat Bill nichts mehr geschrieben, sondern sich seiner Schreibblockade und einem milden Sarkasmus ergeben. An Thanksgiving trifft er sich mit seinen Kindern zum traditionellen Truthahnessen. Die beiden haben wenig miteinander gemeinsam: Sohn Rusty, der bei Bill wohnt, ist sogar für Vaters Geschmack viel zu brav, ein schüchterner, noch ziemlich kindlicher Junge. Tochter Sam hingegen schmeißt sich an jeden Kerl ran und hasst ihre Mutter aus vollem Herzen. Bill versucht zwischen den beiden zu vermitteln, scheitert aber krachend.

Die beiden Sprösslinge sind ebenfalls hoffnungsvolle Autoren, wobei Sam ganz ohne Bills Hilfe einen angesehenen Verlag für ihren pornografisch angehauchten Erstling findet. Der sanftmütige Rusty kann ebenfalls bald einen Erfolg melden, wenn auch (zunächst) nicht als Autor. Er gewinnt seine heimliche Liebe Kate für sich, aber ziemlich schnell entdeckt er, dass das engelsgleiche Wesen trinkt, kokst und Tabletten nimmt. Sam – nach außen ein eiskaltes Luder – findet tatsächlich einen Freund, der eher an einem guten Gespräch als an einem One-Night-Stand interessiert ist. Doch wie Sam nun mal ist, kann sie mit allem umgehen, nur nicht mit echter Zuneigung.

Und William? Der wartet immer noch darauf, dass Erica zu ihm zurückkehrt. Er beobachtet sie heimlich mit ihrem Neuen, ergeht sich in Selbstzweifeln, und zwischendurch schiebt er ein paar Nummern mit der verheirateten Nachbarin (toll: Kristen Bell). Vielleicht glaubt er wirklich, dass Erica eines Tages wieder vor seiner Tür stehen wird, vielleicht ist Bill auch einfach nur zu träge, selbst etwas zu wagen.

Eine Alltagsgeschichte also, über eine leicht verkorkste Familie mit Ecken und Kanten, manches erscheint etwas bemüht gegen den Strich gebürstet, manches ist vorhersehbar, funktioniert aber trotzdem. So ist Nat Wolff, der artige Rusty, einfach glaubwürdig als schüchterner Junge auf der Suche nach dem ersten Mal, ein tollpatschiger, lieber Kerl voller Hoffnungen und Ängste. Das Schwesterchen hingegen, die schöne, wilde Sam (Lily Collins), ist eine sehr zornige junge Dame, die ihre verletzte Seele hinter einem Eispanzer versteckt. Bill ist, was Tapsigkeit betrifft, seinem Sohn absolut ebenbürtig. Greg Kinnear spielt ihn sensibel und komisch mit dem ungelenken Charme eines jungen Bernhardiners. Er stolpert offensiv durch sein eigenes Leben, das ihn immer wieder zu überraschen scheint, redet viel, sagt wenig und wirkt dabei geradezu zauberhaft hilflos. Ein Besserwisser, der nichts besser weiß, aber immer einen klugen Spruch parat hat. Doch in ihm tobt, wie bei seiner Tochter, ein gefährlicher Zynismus, die Folge tiefer und nicht verarbeiteter Verletzungen, die er in diesem Jahr, zwischen zwei Thanksgiving-Truthähnen, vielleicht überwinden wird. Es wird ein Jahr, in dem die drei Schriftsteller etwas dazulernen. Über die Liebe, über das Leben miteinander und über das Schreiben.

Wer schreiben will, sollte selbst etwas erlebt haben, heißt es. Und so ist es auch hier. Das Leben schreibt die besten Geschichten, und wenn das Leben mal nicht so will, dann ist es keine gute Idee, sich hinzusetzen und abzuwarten. Vielmehr sollte man sich mutig und entschlossen den Problemen stellen. Oder wenigstens darüber schreiben. Dann könnte eine hübsche, junge Komödie wie diese daraus entstehen, die von der Suche nach dem Glück handelt und von den vielen Fehlern, die wir machen, wenn wir lieben und geliebt werden wollen.

Gaby Sikorski