Super 8

Im Wust an Fortsetzungen, Comicverfilmungen und Superheldenfilmen ist J.J. Abrams „Super 8“ nicht gerade ein Wunder, aber eine mehr als willkommene Abwechslung. In einer Hommage an die Filme von Steven Spielberg (der auch als Produzent agierte) erzählt Abrams vom Leben einer Gruppe Jugendlicher in einer typischen amerikanischen Kleinstadt, die durch die Invasion eines Aliens und der Armee zusammengeschweißt wird.

Webseite: www.super8-derfilm.de

USA 2011
Regie, Buch: J.J. Abrams
Darsteller: Joel Courtney, Elle Fanning, Kyle Chandler, Ryan Lee, Riley Griffiths, Gabriel Basso
Länge: 112 Minuten
Verleih: Paramount
Kinostart: 4. August 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wie so viele Regisseure und Autoren seiner Generation wuchs auch der 1966 geborene J.J. Abrams mit den Filmen und Produktionen von Steven Spielbergs auf. Filme wie „E.T.“, „Die Goonies“ oder die „Indiana Jones“ Serie beeinflussten mit ihrer Mischung aus Familienfilm und Abenteuer, Historie und Mystik ganze Generationen von Filmemachern, die inzwischen allerdings größtenteils vergessen haben, dass Spielbergs Filme in erster Linie von ihrem Charme lebten und erst in zweiter Linie von ihren Actionszenen und Spezialeffekten. Und immer dann wenn sich Abrams auf die eigentliche Geschichte seines Films besinnt und nicht bombastischen Effekten traut, ist „Super 8“ eine sehr sehenswerte Hommage an eben jene Filme der 80er Jahre.

Schauplatz ist auch hier eine Kleinstadt in Amerika, eine jener typischen kleinen Siedlungen mit Einfamilienhäusern, einer Bahnstrecke, die den Ort durchteilt, einem Diner und all den anderen Merkmalen, die das amerikanische Kino immer wieder thematisiert hat. Man schreibt das Jahr 1979, die ersten Spielberg-Filme haben ihren Einfluss hinterlassen und so versucht sich eine Gruppe 13- und 14jähriger an ihrem eigenen Super 8-Film. Auf eben jenem Kleinbildformat, das mit drei Minuten Rollen ohne Ton einfache Filmaufnahmen ermöglicht, hatte auch J.J. Abrams seine ersten Gehversuche gemacht. Angeführt wird die Gruppe vom etwas grobschlächtigen Charles, der seine Freunde zur Mitarbeit an seinem Zombie-Film animiert. Besonders sein bester Freund Joe ist ihm zu Diensten, als Miniaturbauer und Make Up Künstler. Nach dem Tod der Mutter lebt Joe allein mit seinem Vater, dem Sheriff der Stadt zusammen, eine der vielen Variationen typischer Spielberg-Motive, wobei dort meist die Vaterfigur abwesend war. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, sowie zwischen den beiden Freunden, ist das emotionale Zentrum des Films. Das Abenteuer, die Bedrohung, die von außen in die Kleinstadt und das Leben der Kinder einbricht, zeigt dann, wie sehr sich das Kino in den letzten 30 Jahren verändert hat, wie schwer es ist, eine Geschichte wie diese einfach zu halten.

Bei den nächtlichen Dreharbeiten zu ihrem Super 8-Film geraten die Jugendlichen in ein Zugunglück, das eine Kette von Ereignissen in Bewegung setzt. Bald fällt die Armee mit fadenscheinigen Gründen ein, denn ein außerirdisches Wesen scheint sich in der Kanalisation zu verstecken. Und auch wenn die Geschichte, die sich aus der Konfrontation der kindlichen, fast verspielten Ebene und der Bedrohung durch Militär und Alien entwickelt, einerseits sehr nah entlang der durch die Spielbergschen Vorbilder etablierten Muster bewegt, ist sie dann doch ein Beispiel für das auf Computereffekten basierende zeitgenössische Kino. In diesen Szenen überwältigt die offensichtliche Notwendigkeit für gigantische Effekte den Charme der Geschichte, doch zum Glück sind diese Momente nicht der Schwerpunkt des Films. Meist stellt Abrams das Zusammenspiel der Jugendlichen in den Mittelpunkt, thematisiert ihre Sorgen und Nöte und weniger das große Ganze. Und so schafft es „Super 8“ mit viel Charme ein sehr schöner, nicht zu nostalgischer Film über Freundschaft und den schwierigen Prozess des Aufwachsens zu sein und nicht zuletzt eine willkommene Abwechslung in diesem Kinosommer.

Michael Meyns