Sunshine Cleaning

Das Produzententeam von „Little Miss Sunshine“ versucht sich an einer stilverwandten Zweitverwertung: Zwei finanziell klamme Frauen arbeiten als Putzfrauen an den Orten, wo andere Menschen ihr Leben gelassen haben. Amy Adams und Emily Blunt laufen in der Indie-Comedy zu Hochform auf, die den Vergleich zum berühmten Vorgänger allerdings nicht immer gerecht werden kann.

Webseite: www.sunshinecleaning-film.de

USA 2008
Regie: Christine Jeffs
Buch: Megan Holley
Darsteller: Amy Adams, Emily Blunt, Alan Arkin, Steve Zahn, Clifton Collins Jr., Eric Christian Olsen, Kevin Chapman, Mary Lynn Rajskub, Jason Spevack
Länge: 94 Minuten
Verleih: Central
Filmstart: 21.5.2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ähnlich wie in anderen Filmen des „New Sincerity“-Genres (etwa „Little Miss Sunshine“, „Junebug“ oder „The Royal Tenenbaums“) geht es auch in Christine Jeffs Tragikomödie um die brisante Kombination aus amerikanischem Traum, Tod und den eigenwilligen inneren Mechanismen des familiären Miteinanders.  

Schauplatz ist einmal mehr der amerikanische Südwesten im wüstenhaften Grenzland zu Mexiko. In Albuquerque verdingt sich Rose (Amy Adams) als Putzfrau. Die Zeiten, als sie noch beliebte Cheerleader-Queen in der Highschool war, scheinen aus einem anderen Leben zu stammen. Finanziell chronisch klamm, glänzt ihr 7-jähriger Sohn zudem mit auffälligem Klassenverhalten  – der Wechsel zu einer Privatschule scheint beschlossene Sache. Wären da nur nicht der enorme finanzielle Aufwand und die kruden sowie erfolglosen Geschäftsexperimente von Großvater Joe (Alan Arkin), die vorerst für weiteres Stirnrunzeln sorgen. Die Lösung scheint makaber: Rose und ihre Schwester Norah (Emily Blunt) gründen fortan ein Reinigungsteam der besonderen Art. Die beiden fahren zu blutigen Tatorten und sorgen für Sauberkeit, wenn die Polizei die Leichen entsorgt hat.

It’s a dirty job, but someone’s got to do it – die scheinbar menschenunwürdige Arbeit dient als Sinnbild für ein Schwesterteam, das am unteren Ende der Nahrungskette angekommen zu sein scheint. Drehbuchautorin Megan Holley verdichtet dabei die bescheidenen Wünsche ihrer Protagonistinnen (denen es eigentlich nur darum geht, ihre Rechnungen und die Privatschule bezahlen zu können) mit den materiell abgesicherten Neureichen aus der Vorstadt, die Rose noch aus Schulzeiten kennt. Das jene in ihrer falschen Freundlichkeit und Oberflächlichkeit entlarvt werden, dient einmal mehr der These, dass Geld nicht glücklich macht – in „Little Miss Sunshine“ war es das fragwürdige amerikanische Faible für Schönheitswettbewerbe, hier gipfelt sich die Geschmacklosigkeit auf einer „Baby Shower“-Party, bei der geschmolzene Schokolade in Windeln serviert wird. 

Auch wenn Ähnlichkeiten zu „Little Miss Sunshine“ zu erkennen sind (und vielleicht auch bewusst gewählt wurden), kann „Sunshine Cleaning“ den Vergleich nicht immer standhalten. Alan Arkin als grantelnder Großvater, der seinem Enkelkind mit eigenwilligen Lebensweisheiten den Weg weisen will, scheint nur eine halb motivierte seiner einstigen Rolle zu sein. Ohnehin ist das Familienensemble übersichtlich und damit auch etwas durchsichtig, die verschiedenen Charaktere bleiben in ihrer Entwicklung ein wenig träge, und so überzeugt der Film eher als kurzweilige sowie schwarzhumorige Tragikomödie, die aus klassischen Verlierern für einen kurzen Moment Gewinner macht und ein weiteres Mal die naive Interpretation des amerikanischen Traums infrage stellt. 

Wahrlich großartig sind dafür die beiden Hauptdarstellerinnen Amy Adams und Emily Blunt: Ein oszillierendes Geschwisterpaar, das zeigt, Zusammenhalt ist in der Familie das Wichtigste, vor allem in vermeintlichen Krisenzeiten.

David Siems

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