Tage am Strand

Eine traumhaft schöne Bucht in Australien, ein einsamer Strand, ein Badeponton im kristallklaren Wasser. Hier leben Lil (Naomi Watts) und Roz (Robin Wright), Freundinnen aus Kindertagen, mit ihren erwachsenen Söhnen. Eines lauen Abends dann fängt Lils Sohn Ian eine Affäre mit Roz an und Roz‘ Sohn Tom und Lil werden Geliebte … Nach einer Novelle von Doris Lessing erzählt Anne Fontaine (NATHALIE, COCO CHANEL) feinfühlig und verführerisch eine komplexe Liebesgeschichte.

Webseite: www.tageamstrand-derfilm.de

Originaltitel: Two Mothers
Frankreich/Australien 2012
Regie: Anne Fontaine
Drehbuch: Christopher Hampton
Darsteller: Robin Wright, Naomi Watts, Ben Mendelsohn, Xavier Samuel, James Frecheville, Sophie Lowe
Länge: 100 Minuten
Verleih: Concorde Filmverleih
Starttermin neu: 28.11.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Seit ihrer Kindheit sind Lil (Naomi Watts) und Roz (Robin Wright) beste Freundinnen. Sie sind zusammen aufgewachsen, haben im gleichen Alter geheiratet und Söhne bekommen und wohnen immer noch nebeneinander in der kleinen australischen Hafenstadt. Eines Tages liegen die beiden Frauen am Strand und sehen ihren mittlerweile erwachsenen Söhnen Tom (Ben Mendelsohn) und Ian (Xavier Samuel) beim Surfen in den türkisgrünen Wellen zu. „Sieh dir das an, sie sehen aus wie junge Götter“, sagt Roz zu Lil „Ja, das haben wir gut gemacht.“ antwortet Lil und blickt aufs Meer. Vielleicht ist das der Moment, in dem der Blick sich wandelt und aus den Kindern auf einmal begehrenswerte junge Männer werden, der Moment, in dem die ungewöhnliche Vierecksgeschichte zwischen zwei Müttern und zwei Söhnen ihren Anfang nimmt. Wenn man allerdings sieht, wie Lils Sohn Ian Roz anschaut, dann ahnt man, dass zumindest für ihn die Geschichte vermutlich viel früher angefangen hat.

Ohne Umschweife inszeniert Anne Fontaine, wie die Blicke ihre Unschuld verlieren, wie aus freundschaftlicher Nähe auf einmal Erotik wird. Mit langen Versteckspielen und Kennenlerngeplänkel hält sie sich nicht auf. Noch am Abend als Ian und Roz zum ersten Mal Sex haben, werden die beiden von Tom entdeckt und auch Lil und Tom ein Paar. Nach der ersten Abwehr beschließen die Frauen, das körperliche Glück zu genießen, so lange es dauert. Doch die Gefühle sind dauerhafter als alle Beteiligten ahnen können. Auch als Ian und Tom längst gleichaltrige Frauen geheiratet haben, hat das Begehren seine Sprengkraft noch nicht verloren.

TAGE AM STRAND erzählt – nach einer Novelle von Doris Lessing – mit großer Klarheit und Souveränität von außerordentlich komplexen Gefühlen. Gefühle von denen keiner der Beteiligten weiß, wo sie hinführen und die nicht ins alltägliche Schema gesellschaftlich sanktionierter Empfindungen passen, aber denen sie dennoch nachgehen. Kummer und Glück, Genuss und Verzweiflung halten sich in TAGE AM STRAND fein die Waage, doch wo bei den meisten Regisseuren der Kummer und das Drama überwiegen würden, hat bei Fontaine das Glück die Oberhand. Die Bucht am Meer mit ihrem weitläufigen Strand und dem glasklaren Wasser wird so – bei allem Realismus der Darstellung – zu einem utopischen Raum, in der eine kleine Gemeinschaft ihre eigenen Regeln findet und in der sowohl Begehren, als auch Freundschaft ihren Platz haben. Die Zukunft ist ungewiss, aber das Jetzt ist gut.

Hendrike Bake