The Black Power Mixtape 1967-1975

„Black Power“ ist einer dieser Begriffe, die man zu kennen scheint, solange man nicht genau hinschaut. Gerade das tut der Film von Göran Hugo Olsson, indem er die Geschichte der afroamerikanischen Bewegung chronologisch aus der Sicht schwedischer Reporter nacherzählt. Dieser ungewöhnliche Ansatz liefert überraschende Einsichten und Erkenntnisse. Eine historische Lehrstunde in interessanter Doku-Remix-Form.

Webseite: http://blackpowermixtape.de

Schweden, USA 2011
Regie: Göran Hugo Olsson
Darsteller: Stokely Carmichael, Angela Davis, Erykah Badu, Harry Belafonte
Länge: 94 Min.
Verleih: Mouna, Vertrieb: Barnsteiner Film
Kinostart: 14.12.2011

PRESSESTIMMEN:

"Black Power Mixtape" dokumentiert die Entwicklung der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Es werden Parallelen zu den gesellschaftlichen Umbrüchen heute sichtbar.
DIE ZEIT

Von 1967 bis 1975 dokumentierten schwedische Journalisten die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA – danach verschwanden die Filmaufnahmen in den Archiven. Jetzt wurde der Schatz gehoben – und erlaubt grandiose Einblicke in den damaligen Zeitgeist.
ARD

FILMKRITIK:

Das Land der Freiheit wird in der Strandbar gepriesen – der Gegenschnitt zeigt bedrohlich einen Polizisten mit Gewehr. Im Gegensatz zwischen weißem Strandvergnügen und den Armen-Siedlungen der Schwarzen – unter ihnen viele traumatisierte, drogenabhängige Vietnam-Veteranen – setzt gleich zu Beginn ein Statement über das Jahr 1967 und über die Haltung der schwedischen TV-Journalisten damals. So kritisch berichteten sie über die sozialen und menschrechtlichen Missstände der USA, dass selbstverständlich der Vorwurf des Anti-Amerikanismus aufkam. Ein TV-Blättchen startete eine Mediendiskussion und erfüllte damit brav die Funktion des Verblödungs-Medium, wie Fox News heutzutage. (Hier wäre ein länderübergreifender Blick auf die BRD interessant, inwiefern die Linientreue zum Bündnispartner damals den Blick zensierte.)

Doch die Hauptlinie des „Black Power Mixtape“-Regisseurs oder -Monteurs Göran Hugo Olsson bleibt die Entwicklung des afroamerikanischen Widerstandes, beginnend mit den friedlichen Protesten Martin Luther Kings beim blutig niedergeschossenen Boykott der rassistischen Busse. Die Kommentare des in seiner intelligenten Besonnenheit faszinierenden Aktivisten und Autoren Stokely Carmichael beeindrucken, indem sie Black Power und Martin Luther King als zusammengehörige Antagonisten analysieren. Auf einer weiteren Ebene heutiger Kommentatoren (u.a. Eryka Badu, Melvin van Peebles, Harry Belafonte, diverse Dichter und Musiker) hören wir, dass Carmichaels Reden das FBI noch nach 40 Jahren beunruhigen: Auch wer sie heute hört, wird verhört….

Dabei liefert „The Black Power Mixtape 1967 -1975“ nicht nur eine Geschichtsstunde, die ihr Thema auf mehreren Ebenen mit viel Erkenntnisgewinn verfolgt, immer wieder schaffen es auch die Originalaufnahmen, menschlich zu berühren. Wenn beispielsweise Carmichael seine eigene Mutter über die rassistischen Zustände im Arbeitsleben interviewt. Oder – ein Höhepunkt – bei einem langen Gespräch mit der Legende Angela Davis (eine Art Sahra Wagenknecht von damals) im Gefängnis zum Thema Gewalt. Sehr persönlich schildert sie ihre seit früher Kindheit erlebte Gewalt detailliert mit den Bombenattentaten in der Nachbarschaft, den abgerissenen Gliedmaßen auf den Straßen, den ermordeten Freundinnen. Diese Aufnahmen entstanden während des Prozesses gegen Angela Davies unter einem Gouverneur Reagan und einem Präsidenten Nixon. In einer Zeit nach der Militarisierung der Bewegung, als ein veritabler Bürgerkrieg mit politischem Unrecht, politischer Justiz und Polizeigewalt losbrach. Die noch nicht verhafteten Führer von Black Power und der Black Panther-Partei flohen ins Exil. Ein Aufstand im Gefängnis von Attica, New York, wurde 1971 im Stile einer Bananenrepublik mit 39 Toten niedergeschlagen. Olsson spannt den Bogen über die – angeblich vom FBI eingeschleusten – Drogen in schwarzen Stadtteilen bis zum Erstarken der „Nation of Islam“ unter Louis Farrakhan.

„The Black Power Mixtape 1967 -1975“, die Dokumentation, genauer eine Doku-Kompilation aus alten schwedischen TV-Beiträgen, ist in ihren Originalreportagen schockierend und berührend. Die Kommentare von aktuell engagierten Künstlern legen Verbindungen zur heutigen Situation, nicht nur in den USA. Vergleiche lassen sich etwa zu den ungleichen Rechten von Israelis und Palästinensern in den besetzen Gebieten ziehen. So führt auch dieser sehr aufschlussreiche Blick zurück zu neuen Erkenntnissen über das hier und heute.

Günter H. Jekubzik

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