Fünf Jahre nach ihrer mehrfach oscarnominierten Netflix-Produktion „Frau im Dunkeln“ kehrt Maggie Gyllenhaal auf den Regiestuhl zurück. Mit ihrer mutigen, freien Interpretation des Kultfilms „Frankensteins Braut“ gelingt der Regisseurin ein wahnwitziger, anspielungsreicher Genre-Mix irgendwo zwischen Roadmovie, Horror-Drama und Arthouse-Romanze. „The Bride!“ nimmt sich viel vor und ist nicht befreit von Schwächen. In all seiner Exzentrik und (bewussten) Ziellosigkeit ist der Film aber ein wunderbares Beispiel für Popcorn-Kino abseits üblicher Muster und gängiger Umsetzung.
Über den Film
Originaltitel
The Bride!
Deutscher Titel
The Bride! – Es lebe die Braut
Produktionsland
USA
Filmdauer
127 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Gyllenhaal, Maggie
Verleih
Warner Bros. Entertainment GmbH
Starttermin
05.03.2026
Chicago, 1935: Der von Doktor Frankenstein erschaffene Frank (Christian Bale) sucht Hilfe bei der exzentrischen Dr. Euphronius (Annette Bening), um sich eine Gefährtin erschaffen zu lassen. Gemeinsam erwecken sie eine ermordete junge Frau (Jessie Buckley) zum Leben. In der Folge entwickelt sich eine besondere Liebesbeziehung zwischen ihm und seiner „Braut“. Nach der ersten gemeinsamen Nacht werden die Außenseiter jedoch unfreiwillig zu einer schweren Straftat „gezwungen“ – mit der Folge, dass sich schon bald die Polizei an ihre Fersen heftet.
„The Bride!“ ist der zweite Spielfilm von Maggie Gyllenhaal, die als Schauspielerin vor allem in den 2000ern etliche Erfolge in Blockbustern („The Dark Knight“), aber ebenso in Arthouse-Produktionen („Crazy Heart“, „Paris, je t’aime“) feierte. Irgendwo zwischen Mainstream und experimentellem Kunstkino mit Arthouse-Touch reiht sich auch „The Bride!“ ein.
Inspiration für ihre ganz eigene Interpretation der Geschichte rund um Frankensteins Gefährtin fand Gyllenhaal bei Mary Shelleys weltberühmtem „Frankenstein“-Roman von 1818. Gleichzeitig stand, der Filmtitel „The Bride!“ deutet es bereits an, natürlich auch der Horror-Klassiker „Frankensteins Braut“ Pate. Gyllenhaal lässt ihr Werk, das mit einem gewaltigen Budget von 80 Millionen Dollar gedreht wurde, 1935 spielen. Mit der Jahreszahl bezieht sie sich ganz direkt auf die filmische „Vorlage“. Der von James Whale inszenierte „Frankensteins Braut“ entstand nämlich ebenfalls 1935.
Darüber hinaus ist „The Bride!“ gespickt mit gekonnten Verweisen auf viele weitere Klassiker, allen voran aus den 20er- und 30er-Jahren. Und weit darüber hinaus. Von „Frankensteins Braut“ und der Horror-Parodie „Frankenstein junior“ über den expressionistischen Meilenstein „Metropolis“ bis hin zu traditionellen Gangster- und Mafia-Filmen: Kino-Liebhaber und an der Filmgeschichte interessierte Zuschauer werden ihre helle Freude haben, all die Referenzen und Anspielungen in „The Bride!“ aufzudecken. Und wenn die Braut und Frank quer durch die USA fliehen und sich wilde Schießereien mit ihren Verfolgern leisten, dann werden Erinnerungen an Arthur Penns legendäres Gangster-Drama „Bonnie und Clyde“ geweckt.
Nicht allen Figuren schenkt Gyllenhaal dieselbe Aufmerksamkeit. So bleiben etwa die Ermittler Jake Wiles (Peter Sarsgaard, Gyllenhaals Ehemann) und seine Partnerin Myrna Mallow (Penélope Cruz) eher blass. Spannender hingegen ist die Figur des fiktiven Musical-Stars Ronnie Reed (gespielt von Gyllenhaals Bruder Jake), der nicht zufällig an zwei der großen Stars und Tänzer aus der goldenen Ära der Hollywood-Musicals erinnert: Fred Astaire und Gene Kelly.
Doch unabhängig davon, wie stark und tiefgründig die einzelnen Charaktere gezeichnet sind, füllen alle Darsteller ihre Rollen glaubwürdig und mit Hingabe aus. Am besten gefallen Christian Bale als – gar nicht mal so gruseliges – Monster, das sich, nachdem es über 100 Jahre allein durch die Welt gezogen ist, nach Zweisamkeit und Nähe sehnt. Und dann ist da Jessie Buckley, die als selbstbewusste Braut eine absolute Idealbesetzung ist. Frankensteins Gefährtin entscheidet selbst, wie sie leben will und was für sie das Beste ist. Sie macht sich frei von der Kontrolle anderer (Männer) und dem Willen ihrer Schöpfer. Die Braut erscheint hier nicht als stummes Opfer oder passives Monster, sondern als ambivalente, starke und rebellische Frauenfigur mit Punk-Attitüde – ein klares feministisches Statement.
„The Bride!“ hat jedoch ein Hauptproblem: Der Film will Horror-Romanze, Komödie, Roadmovie, feministisches Drama, Musical und Gangsterfilm zugleich sein. Bei diesem Unterfangen verhebt sich Gyllenhaal leider. Denn der Versuch, all diese Genres (und mit ihnen die gängigen Kernelemente und Versatzstücke) abzudecken, sorgt dafür, dass „The Bride!“ in seiner Gesamttonalität stellenweise ziemlich unausgegoren und wenig stimmig erscheint. Gerade in Sachen Handlungsverlauf und Dramaturgie wirkt er infolgedessen arg sprunghaft und fahrig.
Björn Schneider







