The Choral

Es ist ein wirklich unaufgeregter Film, der mit „The Choral“ geboten ist. Über einen Chormeister und seinen Chor zu Zeiten des Ersten Weltkriegs, der damit zu kämpfen hat, dass es nur noch wenige Männer gibt, die mitsingen können, weil alle in den Krieg gezogen sind. In der Rolle des Chormeisters: Ralph Fiennes.

 

Über den Film

Originaltitel

The Choral

Deutscher Titel

The Choral

Produktionsland

GBR, USA

Filmdauer

113 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Hytner, Nicholas

Verleih

Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Starttermin

09.04.2026

 

Im Jahr 1916 geht es dem örtlichen Chor nicht gut, da kaum noch Männer dabei sind. Als der Chormeister auch noch in den Krieg zieht, sucht der Vorstand Ersatz und findet ihn in Dr. Henry Guthrie, der nicht unumstritten ist. Er lebte einige Jahre in Deutschland, liebt – natürlich – die deutschen Komponisten und streut in seine Rede immer gerne mal deutsche Wörter ein. In Kriegszeiten macht ihn das nicht unbedingt beliebt, aber er ist der richtige Mann, um den Chor auf Vordermann zu bringen, soll er doch in Kürze vor großem Publikum auftreten.

Alleine das klingt nach Konflikten, nach Drama, nach purer Emotion, aber „The Choral“ macht erstaunlicherweise wenig bis gar nichts daraus. Und das gilt nicht nur für die Figur des Henry Guthrie, sondern generell. Denn der Film reißt immer wieder brisante Themen an, seien es Rassismus oder Homophobie, aber das geschieht praktisch en passant. So subtil, dass man es leicht übersehen kann, während die Haupthandlung plätschert und fast nur von den musikalischen Einlagen getragen wird, die aber sicherlich auch nicht jedermanns Geschmack sind.

Technisch ist der Film sehr schön umgesetzt, die Schauspieler sind auch durchweg gut, aber ihre Rollen sind so zurückhaltend. Da gibt es ein paar junge Männer, die noch nicht alt genug sind, um eingezogen zu werden, es aber bald sein werden. Von der Angst, in den Krieg ziehen zu müssen, ist hier nichts spürbar, und das obwohl der Briefträger praktisch jeden Tag die Nachricht über gefallene Ehemänner ihren Witwen überbringt.

Überhaupt wird gefühlt gar keine Geschichte erzählt, sondern nur porträtiert, wie dieser Chor sich auf den großen Auftritt vorbereitet. Alles drumherum, das eigentlich Interessante, geht völlig unter, sodass am Ende das Gefühl bleibt, zwar einen hübschen Film gesehen zu haben, aber auch einen, der nichts zu sagen hat. Entweder, weil seine Macher glaubten, das Anschneiden gewichtiger Themen auf die größtmöglich subtile Art und Weise sei ausreichend, oder weil sie den Fokus tatsächlich nur auf die Musik des Chors legen wollten. Was auch immer es ist, unterm Strich bleibt „The Choral“ dabei sträflich unter seinen Möglichkeiten und ist ein exzellentes Beispiel für verschenktes Potenzial.

 

Peter Osteried

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