The Cut

Nach "Gegen die Wand" und "Auf der anderen Seite" der letzte Teil von Fatih Akins Trilogie "Liebe, Tod und Teufel". „The Cut“ traut sich, ein wichtiges Kapitel der europäischen Geschichte zu erzählen, das mit seiner Thematik von Völkerhass, Vertreibung und religiösem Wahn mehr als aktuell ist: Ein junger Armenier überlebt den Völkermord durch die türkische Armee während des Ersten Weltkrieges und begibt sich auf eine lange Odyssee, um seine Familie wieder zu finden – inszeniert als gleichnishafter Kreuzweg, auf dessen Stationen er alle Formen von Leid und Unmenschlichkeit, aber auch von Hoffnung, Freundschaft und Mitmenschlichkeit erlebt. Ein engagiertes, sehr berührendes Filmepos.

Webseite: www.LiebeTodTeufel.de

Deutschland, Frankreich, Polen, Türkei, Kanada, Russland, Italien 2014
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Mardik Martin
Darsteller: Tahar Rahim, Simon Abkarian, Makram Khoury
Länge: 138 Minuten
Verleih: Pandora
Kinostart: 16. Oktober 2014
 

Pressestimmen:

"Dies ist keine Geschichtslektion, keine Schuldaufarbeitung. Dies ist die pure Lust am Kino.
„'The Cut' ist, verglichen mit 'Gegen die Wand' oder 'Auf der anderen Seite', die einen mit ihrer komplexen Struktur immer auf Distanz hielten, geradezu eine Einladung, sich in diesen Film fallen zu lassen, ein altmodisches Stationen-Epos. Dass dieses Rezept immer noch aufgeht, merkt man am Schluss, wenn einem Tränen in den Augen stehen.“
Die Welt

"Ein modernes Märchen von tiefer Menschlichkeit, das den Glauben an das Gute nicht aufgeben will."
Cinema

FILMKRITIK:

Mit „The Cut“ vollendet Fatih Akin seine „Liebe, Tod und Teufel“ Trilogie auf unerwartete Weise. Im Gegensatz zu „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ ist das dritte Werk der Reihe in einem historischen Kontext angesiedelt und erzählt eine epische Geschichte auf drei Kontinenten. Nazaret wird als Angehöriger der armenischen Minderheit in Mesopotamien während des Ersten Weltkriegs von seiner Familie getrennt und als Zwangsarbeiter in die Wüste verschleppt. Nur knapp kann er schließlich einer Hinrichtung entgehen, trägt jedoch eine schwere Verletzung der Stimmbänder davon, die ihn fortan der Fähigkeit zu Sprechen beraubt. Die gefährliche Suche nach seiner Frau und den beiden Töchtern führt ihn schließlich über Cuba bis in die Vereinigten Staaten, und wo immer er hinkommt, trifft er nicht nur auf helfende Hände, sondern auch auf erhobene Fäuste.
 
Obwohl mit der Suche nach Nazarets Familie ein klares Ziel der Reise gegeben ist, wirkt die Dramaturgie eher episodisch. Der Held schleppt sich von einer Station zur nächsten und muss sich immer neuen Herausforderungen stellen. Ist ein Problem gelöst, tut sich schnell das nächste auf, das ihn wieder auf die nächste Reise schickt. Diese Aneinanderreihung von Unwägbarkeiten wirkt zunehmend konstruiert, als diene der Lauf der Dinge vornehmlich dazu, es dem Helden so schwer wie möglich zu machen.
 
Der im Titel der Trilogie angedeutete Teufel tritt hier nicht figürlich auf und doch ist er in den menschlichen Abgründen der Geschichte omnipräsent. Fatih Akin zeigt die Brutalität des Völkermords an den Armeniern in aller Deutlichkeit. Vergewaltigungen, Massenhinrichtungen und ein Lager langsam verendender Frauen und Kinder mitten in der Wüste veranschaulichen die Unmenschlichkeit dieser historischen Epoche.
 
Das historische Setting, die epische Handlung und die handwerklich zwar einwandfreie, aber doch recht glatte visuelle Inszenierung schaffen eine große Distanz zwischen Publikum und Geschichte. Es fällt schwer, „The Cut“ mit seinem Regisseur und der „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie in Einklang zu bringen, die doch vor allem durch ihre Unmittelbarkeit bestochen hat. „The Cut“ ist ein epischer Abenteuerfilm, dessen historische Bezüge weniger Realitätsnähe erschaffen als vielmehr moralisierend wirken.
Die traurigen Augen von Hauptdarsteller Tahar Rahim tragen zu dieser Wirkung erheblich bei. Hauptfigur Nazaret erscheint zu sehr als Opfer. Während er zunächst noch als Held auftritt, der sich für die Rechte der Schwachen einsetzt, verliert er mit seiner Stimme auch seinen Mut, schließlich gar seine moralische Integrität. Nazaret bleibt eine abstrakte Figur, ein Typus. Eine kleine Portion Kitsch und wegweisende Visionen, die den Zuschauer vorübergehend in eine übernatürliche Sphäre entführen, verwandeln die harte historische Realität in ein Märchen.
 
„The Cut“ ist für sein Thema und die „Liebe, Tod und Teufel“ Trilogie schlicht zu „schön“ anzusehen, zu makellos und zu verträumt. Damit ist der Film aber einem breiteren Publikum zugänglich als seine Vorgänger.
 
Sophie Charlotte Rieger