Märchen oder Legenden enden in der Regel mit dem Sieg des Helden, versprechen eine rosige Zukunft, doch was kommt danach? Auch Helden werden alt, reflektieren möglicherweise ihr Tun und stellen fest, dass auch sie Fehler gemacht haben. In diesem, sehr zeitgemäßen Sinne, imaginiert Michael Sarnoski in „The Death of Robin Hood“ die letzten Tage im Leben des Outlaws, mit einem Hugh Jackman in der Hauptrolle, der selten so düster und depressiv agierte.
Über den Film
Originaltitel
The Death of Robin Hood
Deutscher Titel
The Death of Robin Hood
Produktionsland
USA
Filmdauer
123 min
Produktionsjahr
2026
Produzent
Aaron Ryder, Andrew Swett, Alexander Black
Regisseur
Michael Sarnoski
Verleih
DCM Film Distribution GmbH
Starttermin
18.06.2026
Einsam lebt Robin Hood (Hugh Jackman) in den Weiten der britischen Berge, wild wuchernde Haare und ein wirrer Bart machen ihn praktisch unkenntlich, lassen ihn eher wie einen etwas wirren alten Eremiten wirken, denn wie den heroischen Held, der von den Reichen nahm und den Armen gab, der er einst war.
Aber war er das wirklich? Die Härte und Brutalität mit der dieser Robin Hood gleich zu Beginn einen Angriff abwehrt, der Angreiferin zum Schluss ein Messer in den Kopf jagt und ihre Leiche neben der vieler Anderer begräbt, deutet an, dass es viele Menschen gibt, die Rache an Robin Hood nehmen wollen, die ihn nicht als Held, sondern als Mörder sehen.
Lust aufs Leben hat Robin Hood nicht mehr, im Gegenteil: Er wartet auf den Tod, auf einen guten Tod was in seiner Weltanschauung nur bedeutet im Kampf zu sterben. Und so nimmt er den Vorschlag seines alten Freundes Edward (Bill Skarsgard) an, ihm dabei zu helfen, Haus und Hof zurückzugewinnen, der ihm weggenommen wurde. Im Kampf wird jedoch nicht nur Edwards Frau getötet, auch einer der jungen Angreifer wird schwer verwundet, was im ewigen Kreislauf der Gewalt dessen Vater dazu bringt, blutige Rache zu schwören.
Rache, die Robin Hood nur schwer verwundet überlebt. Edward bringt ihn zu einem Kloster, das auf einer abgelegenen Insel liegt und von der Nonne Brigid (Jodie Comer) geleitet wird, die den Prinzipien der christlichen Nächstenliebe folgt. Langsam pflegt sie Robin Hood gesund, der sich im Klostergarten nützlich macht, den ein mysteriöser Leprakranker (Murray Bartlett) angelegt hat. Und dieser Mann weiß viel über Robin Hoods Vergangenheit und seine Verbindung zu Schwester Brigid.
Ob es tatsächliche einen Mann namens Robin Hood gegeben hat ist umstritten, Beweise für die Existenz eines Diebes, der von den Reichen nahm und den Armen gab, gibt es nicht, dafür zahlreiche Legenden und Balladen. Zu den frühesten dieser Schriften zählt die Ballade „Robin Hood’s Death“ aus dem 17. Jahrhundert, in der beschrieben wird, wie Robin Hood in ein Nonnenkloster kommt, wo er von seiner dort lebenden Cousine verraten wird. Ein Stoff, der schon den 1976 entstandenen Film „Robin und Marian“ mit Sean Connery als Robin Hood inspirierte und nun von Michael Sarnoski zu einer düsteren Abrechnung mit dem Mythos verarbeitet wurde.
Um anzudeuten, mit welcher Brutalität das Leben im frühen Mittelalter ablief, suhlt sich Sarnoski zu Beginn in schwer zu ertragenden Gewaltdarstellungen, zeigt, wie Robin Hood und Edward ihre Gegner nicht nur töten, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auseinandernehmen. Weniger hätte auch gereicht, um anzudeuten, dass Töten für diesen Robin Hood nicht nur eine Notwendigkeit darstellt, sondern ein Vergnügen.
Mit Betreten des Nonnenklosters ändert sich jedoch die Tonart deutlich, entwickelt sich aus der Gewaltphantasie eine erstaunlich nachdenkliche Reflexion über das Leben in einer gewalttätigen Welt, über Reue und Rache, über den schwer zu durchbrechenden Kreislauf der Gewalt und schließlich den Wunsch, diese Welt auf friedliche Weise hinter sich zu lassen.
Die Parallelen zu Hugh Jackmans letztem Auftritt als Superheld Wolverine, den er in „Logan“ als des Kämpfens und Tötens müden, gebrochene Figur gespielt hatte, sind dabei unübersehbar. Hier wie da passt es in die Zeit, wie der Machismo dieser Figuren dekonstruiert wird, wie das selbstverständliche der Gewalt hinterfragt, von toxischer Männlichkeit erzählt wird. Eine ungewöhnliche Variation der Legende von Robin Hood, mit einem hervorragenden Hugh Jackman in der Titelrolle.
Michael Meyns







