The Fighter

Ein Boxer-Drama von David O. Russell, das vor wegen der darstellerischen Leistung von Christian Bale als Drogensüchtiger Ex-Boxer sehenswert ist. Über weite Strecken allerdings folgt die Geschichte eines Bruderpaares – Bale und Mark Wahlberg – die sie von den Slums Amerikas in den Ring führt, etwas zu sehr den Klischees des Genres und bleibt trotz seiner Qualitäten deutlich hinter den Klassikern des Boxfilms zurück.

Webseite: www.senator.de

USA 2010
Regie: David O. Russell
Darsteller: Mark Wahlberg, Christian Bale, Amy Adams, Melissa Leo, Mickey O’Keafe, Jack McGee
Länge: 115 Min.
Verleih: Senator/ Central
Kinostart: 7. April
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Von allen Sportarten hat sich im Laufe der Filmgeschichte vor allem das Boxen als kinotauglich erwiesen. Vielleicht, weil die Regeln so einfach sind, ein guter Boxkampf einer nachgerade filmischen Narration folgt, sicherlich aber auch, weil der Kampf Mann gegen Mann sich wie wenig anderes als Metapher für das Überwinden von Hindernissen im wirklichen Leben anbietet. Und stets werden Hindernisse überwunden, ein Scheitern, eine Niederlage im letzten Kampf, ist erst recht im amerikanischen Kino nicht vorgesehen. Außer man wagt etwas, wie es Martin Scorsese und Robert de Niro in „Wie ein wilder Stier“ versuchten, der seit 1980 der Maßstab ist, an dem sich alle folgenden Boxfilme messen wollen und müssen.

Auch David O. Russell und sein Hauptdarsteller Mark Wahlberg (der auch als Produzent fungierte und jahrelang daran arbeitete, den Film zu finanzieren) erzählen von zerrissenen Charakteren aus der Unterschicht Amerikas, die im Erfolg im Boxring den Weg aus ihrem alltäglichen Elend sehen. Wahlberg spielt Mickey Ward, einen leidlich talentierten Kämpfer, der seit Jahren auf seinen Durchbruch wartet, für den ihm langsam die Zeit davon läuft. Nicht zuletzt durch seine Umgebung: Seine Mutter Alice (Melissa Leo) hat die Zügel in der Hand, raucht und säuft und schlägt sich mit insgesamt neun Kindern durchs Leben. Vor allem aber ist da Mickeys Halbbruder Dicky Eklund (Christian Bale), einst ein lokal erfolgreicher Boxer, der inzwischen Mickeys Trainer, vor allem aber cracksüchtig ist. Sie alle leben in einer Kleinstadt in Massachusetts, irgendwo zwischen Arbeitslosengeld, Verwahrlosung, Rangeleien mit der Polizei – und dem Boxen. Wobei die erste Hälfte des Films fast komplett außerhalb des Rings stattfindet, sich fast ausschließlich um die schwierige Wahl dreht, vor der Mickey zu stehen glaubt: Boxen oder Familie. Seine neue Freundin Charlene (Amy Adams) überzeugt Mickey von der Notwendigkeit, nicht mehr für die Familie zu leben, sondern an sich selbst, an seine Chance als Boxer zu denken. Letztlich aber wird dieser potentielle Konflikt einfach vergessen, was noch nicht einmal das größte Problem von „The Fighter“ ist. Viel entscheidender ist, dass der von Wahlberg gespielte Micky Ward eine reichlich uninteressante, höchst passive Figur ist, die bis zuletzt blass bleibt.

Zum Glück aber hat der Film Christian Bale vorzuweisen, der in seinem fast jährlichen Wechsel zwischen abgemagert und muskulös hier wieder einmal bei abgemagert angekommen ist. Gesund dürfte dieses Abmagern für eine Rolle zwar nicht sein, eindrucksvoll ist es aber ohne Frage, wenn man Bale mit eingefallenen Wangen, magerem Körper und glasigem Blick sieht, wie er zwischen Crack-Pfeife und Training changiert und trotz der schwächenden Drogensucht immer noch ein enormes Maß an oft fehlgeleiteter Energie aufweist. Gerade in der ersten Stunde ist „The Fighter“ eine packende Milieustudie, die bei allem dargestellten Elend nie die Hoffnung auf Besserung verliert. Dass diese Hoffnung sich in der zweiten Hälfte dann in einem arg konventionellen Abhaken der Boxfilm-Muster manifestiert, ist bedauerlich, denn so bleibt ein halb-guter Film, dessen Hauptdarstellerduo ebenfalls nur halb interessieren kann.

Michael Meyns

Der Film fußt auf einer wahren Geschichte, die sich in den 80er und 90er Jahren in Lowell (USA) abspielte. Micky Ward und sein Halbbruder Dicky Eklund sind Mitglieder einer großen Familie. Zentrales Gesprächsthema: boxen. Die Mutter, Alice, ist die (mittelmäßige) Managerin, die beiden Jungs versuchen professionell zu kämpfen. Dicky ist der berühmtere. Einst gewann er einen legendären Kampf. Ganz Lowell ehrte ihn dafür. Allerdings trinkt und kifft er jetzt lieber, als dass er boxt.

Immerhin will er seinen Bruder trainieren. Micky ist zwar vielleicht weniger begabt aber sehr willensstark und außerdem körperlich ungemein fit.

Wie gesagt ist die Mutter die Geschäftsführerin, aber eigentlich sind die ganzen Familiemitglieder – sieben Mädchen darunter – Trainingsspezialisten.

Micky bekommt einen großen Kampf – und wird gnadenlos verprügelt.

Er lernt Charlene kennen, eine rassige selbstbewusste Kellnerin. Bald bricht der Krieg aus: zwischen Charlene und den Frauen der Familie.

Auf Dicky ist kein Verlass. Er ist kaum da, wenn er gebraucht wird. Außerdem hat er sich einer Gruppe von Junkies angeschlossen. Immerhin will er Micky helfen, Geld zu beschaffen – mit Überfällen. Es kommt zum Handgemenge, zu Übergriffen gegen die Polizei. Resultat: Micky hat eine zerschlagene Hand, Dicky landet im Gefängnis.

Aber die Familie rappelt sich wieder auf. Der Streit mit Charlene wird beendet. Wieder steht für Micky ein großer Kampf bevor.

Lange sieht es nicht gut aus. Der Gegner ist nicht nur unheimlich stark, sondern auch voller Zorn. Erst gegen Ende, als Micki einige von Dicky gelernte Spezialschläge auspackt, wendet sich das Blatt. Der Kampf wird gewonnen, Freude und Jubel sind groß.

Vorhersehbar ist das gute Ende schon. Doch das ist in diesem Falle kein Nachteil, da es ja um eine reale Geschichte geht. Man kann zu diesem Film sogar voll des Lobes sein. Die Story, die Milieuzeichnung, die Psychologie, die Dramaturgie, der Rhythmus, die Kamera, die Ausstattung, alles ist von gutem Niveau.

Der Knüller: die beiden Hauptdarsteller Dicky und Micky. Wie Christian Bale diesen abgehalfterten, drogenabhängigen, trotzdem für seinen Bruder einspringenden, im Gefängnis duldsamen und sich doch wieder aufbäumenden und gesundenden Dicky verkörpert, das ist schon erste Klasse. Nicht umsonst erhielt er letzthin für diese Rolle den Oscar als bester Nebendarsteller.

Nicht minder gut Mark Wahlberg als Micky: kraftvoll, mit dem Rollencharakter identisch, sympathisch, schauspielerisch hochklassig.

Ähnliches gilt für die übrigen Mitwirkenden, insbesondere für Melissa Leo als Alice – Oscar als beste Nebendarstellerin – sowie für Amy Adams als Charlene.

Thomas Engel