The Forbidden Girl

Zwischen Liebesfilm, gotischem Horror und esoterischem Verwirrspiel ist „The Forbidden Girl“ angesiedelt, Till Hastreiters beachtenswerter Versuch, deutsches Genrekino zu inszenieren. Trotz geringster Mittel sind dem Regisseur und seinen Mitstreitern dabei beeindruckende Bilder gelungen, die manch wirren Moment vergessen lassen.

Webseite: www.farbfilm-verleih.de

Deutschland 2012
Regie: Till Hastreiter
Buch: Till Hastreiter, Philipp Wolf, Maximilian Vogel
Darsteller: Jeanette Hain, Jytte-Merle Böhrnsen, Peter Gadiot, Klaus Tange, Marc Bischoff, Roger Tebb
Länge: 95 Minuten
Verleih: farbfilm Verleih
Kinostart: 7. Februar 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Zwischen einem Berliner Hinterhof und dem Thüringerischen Jagdschloss Hummelshain entstand in jahrelanger Arbeit ein erstaunlicher Film. Erstaunlich weniger, weil er rundum gelungen ist, sondern weil es ihn überhaupt gibt. Was Till Hastreiter und seine Mitstreiter mit „The Forbidden Girl“ gelungen ist, sieht man im deutschen Kino zumindest visuell nicht oft. Es dauert zwar eine Weile, bis der Film nach einem Intro, in dem von „66 Mondzyklen“ und einer „Brücke zur Unsterblichkeit“ die Rede ist und ein merkwürdiger Priester seinem Sohn die Liebe verbietet, Fahrt aufnimmt. Doch wenn der junge Toby McClift (Peter Gadiot) nach Jahren in der Psychiatrie entlassen wird und auf dem abgelegenen Familiensitz der Wallaces einen Job als Hauslehrer antritt, geraten die augenscheinlichen Schwächen der Produktion zunehmend in den Hintergrund.

Auf dem Schloss lebt Lady Wallace (Jeanette Hain), anfangs noch eine greise Frau, die sich nach und nach auf mysteriöse Weise verjüngt und ihr Butler und Liebhaber Mortimer (Klaus Tange). Doch Tobys Interesse gilt Laura (Jytte-Merle Böhrnsen), die in einem abgeschlossenen Raum festgehalten wird. In ihr erkennt er seine große Liebe, die ihm einst aus den Händen gerissen wurde. Ausgerechnet auf einem Friedhof hatte sich das Liebespaar getroffen, doch den ersehnten Kuss verhinderte Tobys manischer Vater, der in seinem Sohn einen Auserwählten sah. Wie Recht er damit hatte, erweist sich im Lauf der Geschichte, die mit allerlei Versatzstücken aus satanischen Ritualen, gotischen Horrorfilmen und romantischen Liebesgeschichten bisweilen zwar bizarr wirkt, aber stets fesselt.

Dass „The Forbidden Girl“ auf englisch gedreht wurde und in Deutschland in einer oft wenig gelungenen Nachsynchronisation ins Kino kommt, ist zwar eine Schwäche, die jedoch zunehmend in den Hintergrund tritt. Ob beabsichtigt oder nicht, trägt dies im Gegenteil zur unwirklichen Atmosphäre des Films bei: Die meisten Schauspieler sind unübersehbar Deutsche, die Schauplätze unverkennbar deutsch. Doch der Schauplatz der Geschichte scheint eher im religiös fundamentalistischen Amerika zu liegen, während Namen wie McClift, Mortimer und vor allem Wallace an englische Gruselgeschichten anspielen. Gerade diese Unbestimmtheit von Zeit und Ort tragen zur überzeugenden Atmosphäre des Films bei, dessen bemerkenswerteste Qualität aber seine Bilder sind.
Was der ungarische Kameramann Tamás Keménffy hier geleistet hat ist gerade angesichts der geringen Produktionsmittel erstaunlich: Teils fast monochrome, überaus stimmungsvolle Bilder, perfekt ausgeleuchtete Aufnahmen verfallener Räume und vor allem ein 3D-Effekt, der zum Besten zählt, was in dieser Technik bislang entstanden ist.

Was auch immer man alles an „The Forbidden Girl“ kritisieren und bemängeln könnte: Im Kern ist Till Hastreiters Film ein engagiertes, ambitioniertes Stück Genre-Kino aus Deutschland, dem man viele Zuschauer und nicht zuletzt Nachahmer wünscht.

Michael Meyns

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