The Girl with all the Gifts

Nicht totzukriegen sind die Zombies, auch wenn sie wie in Colm McCarthys Bestselleradaption „The Girl with all the Gifts“ als Hungries bezeichnet werden. Über weite Strecken läuft der überlange Film dabei etwas konventionell, wenn auch sehr schön ausgestattet ab, bis er zum Ende doch noch eine Dimension erreicht, die ihn zur spannenden Weiterentwicklung des Genres werden lässt.

Webseite: www.thegirlwithallthegifts-film.de

Großbritannien 2016
Regie: Colm McCarthy
Buch: Mike Carey, nach seinem Roman
Darsteller: Sennia Nanua, Gemma Arterton, Glenn Close, Paddy Considine, Anamaria Marinca
Länge: 111 Minuten
Verleih: Universum
Kinostart: 9. Februar 2017

FILMKRITIK:

In nicht allzu ferner Zukunft steht die Menschheit vor der Vernichtung: Eine unbekannte Pilzinfektion hat fast die gesamte Menschheit in blutrünstige Hungries verwandelt. Die wenigen normalen Menschen haben sich in schwer bewaffnete Zonen zurückgezogen, wo das Militär die Macht hat. Hier forscht die Wissenschaftlerin Dr. Caldwell (Glenn Close) mit zunehmender Verzweiflung an einem Gegengift, dass die Plage biblischen Ausmaßes beenden und die Menschheit, in der Form, die bislang die Erde beherrschte, retten soll.
 
Denn neben den Menschen und den Hungries existiert noch eine dritte Spezies: Kinder, die zwar mit dem Virus infiziert sind, bei denen es aber noch nicht ausgebrochen ist. Wie ganz normale Jugendliche wirken diese Wesen, doch wären sie nicht wie schwerkriminelle gefesselt, würden sie beim bloßen Geruch menschlicher Haut zu kannibalischen Wesen mutieren. Gleichzeitig zeichnen sich diese Wesen durch bemerkenswerte Intelligenz aus, besonders Melanie (Sennia Nanua), die ihre Wärter und besonders die Lehrerin Helen Justineau (Gemma Arterton) mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt.
 
In Melanie sieht Dr. Caldwell die beste Chance, eine Lösung für das Problem zu finden, doch gerade als sie zur Gehirnoperation ansetzt, wird das Lager von Hungries überrannt. Zusammen mit dem Soldaten Parks (Paddy Considine) können Caldwell, Justineau und Melanie fliehen und machen sich auf eine lange Irrfahrt durch menschenleere Landschaften und verfallene Städte. Ihr Ziel ist eine der letzten von Menschen beherrschten Zonen, doch auf dem Weg dorthin stellt sich immer stärker die Frage, ob die Menschheit noch eine Zukunft hat. – Zumindest in der Form wie sie bislang auf der Erde lebte.
 
Lange Zeit variiert Colm McCarthy bekannte und bewährte Motive des Zombie-Films, lässt seine Helden auf Horden von Untoten treffen, zeigt Momente der Verzweiflung und der Hoffnung, verlässt die ausgetretenen Pfade des Genres jedoch kaum. Vor allem die erstaunlichen Drehorte überzeugen in dieser Phase, verfallene Stadtlandschaften, die von der Natur zurückerobert wurden, von Moos und Bäumen überwucherte Häuser und Autos, die vergessen lassen, dass man es hier mit einer kleinen englischen Produktion und nicht einem teuren Hollywood-Film zu tun hat.
 
Ganz langsam rückt schließlich auch der interessante Dreh in den Mittelpunkt, durch den „The Girl with all the Gifts“ zu einer konsequenten Weiterentwicklung des Genres wird. Zum einen sind es die Kinder, die hier besonders im Mittelpunkt stehen, die im wahrsten Sinne des Wortes die Zukunft sind. Allerdings nicht unbedingt der Menschen, sondern einer sich neu formierenden Spezies. Das Ende der Menschheit wird hier nicht zu einer traumatischen Katastrophe, sondern zu einer weiteren Stufe der Evolution. Warum sollte der Mensch, der erst seit wenigen zehntausend Jahren den Planeten bevölkert und ihn in den letzten hundert stärker verändert hat, als jedes andere Wesen, auch der Endpunkt der Entwicklung sein? Spannende Fragen werden mit diesem Dreh aufgeworfen, durch die sich eine lange Zeit nur solide Genrevariation doch noch zu einer interessanten Weiterentwicklung des Zombiefilms mausert.
 
Michael Meyns