The Housemaid – Wenn sie wüsste

Ein attraktives, junges Hausmädchen, das das Leben einer Familie durcheinanderbringt: Noch vor zehn Jahren hätte man ziemlich genau gewusst, in welche Richtung so ein Ansatz führen würde. Doch Mitte der 2020er Jahre haben sich die Zeiten geändert und so entwickelt sich Paul Feigs „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ in eine ungewöhnliche, sehr zeitgeistige Richtung.

 

Über den Film

Originaltitel

The Housemaid

Deutscher Titel

The Housemaid – Wenn sie wüsste

Produktionsland

USA

Filmdauer

133 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Feig, Paul

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

15.01.2025

 

Millie Calloway (Sydney Sweeney) braucht dringend einen Job. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, lebt die Endzwanzigerin in ihrem Auto und spürt ihre Bewährungshelferin im Nacken. Doch dann kommt der erlösende Anruf von Nina Winchester (Amanda Seyfried), die Millie als Hausmädchen der Familie einstellt.

Millie bekommt ein Zimmer unter dem Dach zugewiesen und lernt schnell den Rest der Familie kennen: Ninas Mann Andrew (Brandon Sklenar) wirkt zwar etwas überrascht davon, dass seine Frau eine Unbekannte ins Haus geholt hat, findet aber schnell Gefallen an der attraktiven Millie. Die Dritte im Bunde ist Tochter Cece (Indiana Elle), die gegenüber Millie ein Maß an Misstrauen zeigt, das seltsam wirkt.

Ohnehin ist das Leben in der Luxusresidenz für Millie alles andere als ein Vergnügen, denn Nina erweist sich als unberechenbare Chefin. Mal lässt sie Millie Cece abholen, auch wenn diese bei Freunden übernachten soll, mal beschuldigt sie ihre Angestellte, wichtige Unterlagen bewusst weggeworfen zu haben.

Doch Millie ist praktisch in ihrem Job gefangen, denn würde sie ihn verlieren, könnte sie gegen ihre Bewährungsauflagen verstoßen. So macht sie gute Miene zum bösen Spiel – und kommt dabei Andrew gefährlich nahe. Eine gemeinsam verbrachte Nacht macht Millies Situation nicht gerade unkomplizierter und so kommt es wie es kommen muss, oder vielleicht doch nicht?

Anfangs erinnert Paul Feigs „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ – die Verfilmung des Bestsellers von Freida McFadden – an 90er Jahre Thriller wie „Die Hand an der Wiege“ oder „Single White Female“, in denen anfangs sympathisch wirkende Frauen sich als Freundinnen bzw. Kindermädchen aus der Hölle erweisen. Wenn dann unweigerlich eine Affäre zwischen Millie und Andrew beginnt, meint man zu ahnen, dass so etwas wie „Eine verhängnisvolle Affäre“ beginnt.

Doch wir schreiben das Jahr 2026, was bedeutet, dass die Dinge heute auch und grade zumindest im progressiven Teil des Kinos anders ablaufen. Mit welchen überraschenden Volten Paul Feig aufwartet, soll natürlich nicht verraten werden, es sei nur gesagt: Sie sind pointiert und mehr als gelungen.

Geschickt spielt Feig mit den Erzählperspektiven, inszeniert den Film anfangs praktisch komplett aus der Sicht von Millie, die des öfteren sogar in einem Voice Over Kommentar aus ihrem Tagebuch vorliest, in dem sie ihre Eindrücke vom zunehmend seltsamen Verhalten Ninas festhält. Das geht so lange, bis die Perspektive sich verschiebt und auf einmal Nina als Erzählerin agiert und ihre Sicht auf die Ereignisse schildert.

Ein wenig erinnert das an Gillian Flynns Roman „Gone Girl“, der ebenfalls mit immer neuen Wendungen aufwartete. Despektierlich wird diese Art von Roman oft als „Frauenliteratur“ beschrieben, was dann die Verfilmung eines solchen Romans zu so etwas wie einem „Frauenfilm“ machen würde. Doch damit würde man Paul Feigs Film nicht gerecht werden, denn „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ funktioniert für alle, zumindest wenn man Vergnügen an einem cleveren, überdrehten, überraschenden Kampf der Geschlechter hat.

 

Michael Meyns

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