The Liverpool Goalie

Jo ist 13, gut in der Schule und dadurch eher der Außenseiter seiner Klasse. Erst das Auftauchen der neuen Schülerin Mari bewegt Jo dazu, aus sich heraus zu gehen… Auf dem Papier eine eher konventionelle Geschichte, wird „The Liverpool Goalie“ – es geht um das Sammeln von Fußball-Bildern – durch eine gelungene Mischung aus schwarzem Humor und nachdenklichen Momenten zu einem überaus sehenswerten Jugendfilm.

Webseite: www.the-liverpool-goalie.de

Norwegen 2010
Regie: Arild Andresen
Buch: Lars Gudmestad
Darsteller: Ask van der Hagen, Susanne Boucher, Mathis Asker, Andrine Saether, Jostein Sranes Brox
Länge: 85 Minuten
Verleih: drei-freunde Filmverleih
Kinostart: 15. März 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Auch in diesem Sommer werden anlässlich der Fußball-Europameisterschaft wieder jüngere und ältere Kinder Sammeltüten aufreißen und hoffen, ihr Album vollkleben zu können. Und wie stets werden bestimmte Karten auf nachgerade mysteriöse Weise fehlen. In Arild Andresen Film ist diese Karte der titelgebende Torwart des FC Liverpool, der allen Kindern zur Vervollständigung ihrer Sammlung fehlt. Auch der 13jährige Jo sammelt Fußballbilder, zum selbst Spielen fehlt ihm allerdings der Mut. Wie zu so vielem.

Zwar ist Jo ein pfiffiger Junge, gehört zu den besten in seiner Klasse, doch neben manch anderem ist er vor allem mit einer etwas übertrieben blühenden Phantasie ausgestattet. Immer wieder, besonders wenn Jo vor einer wichtigen, möglicherweise den Gang seines noch jungen Lebens verändernden Entscheidung steht, imaginiert er, was passieren könnte: Und wie er sich die Konsequenzen ausmalt, ist alles grundsätzlich mit dramatischen Folgen verbunden. Beim Fußballspielen mit verhedderten Schnürsenkeln rumzustolpern zählt da noch zu den harmloseren Zukunftsvisionen. Wenn es um die hübsche Mari geht, die neu in Jos Klasse ist, lässt seine Phantasie dem missglückten Ansprechen schon mal eine Drogenkarriere folgen. Kurz gesagt: Jo neigt zur Feigheit, gerade gegenüber dem Klassenrüpel Tom Erik, der sich von Jo seine Hausarbeiten schreiben und zur Problemlösung gerne seine Fäuste sprechen lässt.

Erst mit dem Auftauchen Maris beginnt sich Jos Leben zu ändern. So recht traut er sich zwar nicht, sie anzusprechen, doch nicht zuletzt die gemeinsame Begeisterung für komplizierte Matherätsel machen Jo und Mari bald zu Partnern. Doch bis sich Jo endgültig dazu entschlossen hat, sich endlich von seinen Träumen zu lösen und in der Realität zu leben, muss er einiges durchstehen.

„The Liverpool Goalie“ ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wie man mit bissigem Humor und visueller Originalität aus einem typischen Kinderfilmsujet einen überaus sehenswerten Film machen kann. Ist die Geschichte vom Außenseiter, der über die Zuneigung zu einem Mädchen zu Selbstvertrauen, findet noch arg konventionell, lässt sich gleiches über die Figurenzeichnung und den Stil dieses Films in keiner Weise behaupten. Wobei die schon angesprochenen düsteren Zukunftsvisionen Jos nicht nur komische eingeschobene Momente sind, losgelöst vom Rest des Films, sondern wichtiger Bestandteil der Charakterisierung. Kommentare wie „Fußball ist nicht gerade die sicherste Sportart. Es sterben Menschen auf norwegischen Fußballfeldern!“, die in anderem Kontext allzu sarkastisch wirken könnten, bekommen hier durch die zurückhaltende Ausstrahlung Jos den passenden Klang. Gleichermaßen cleverer als seine Altersgenossen und doch schüchterner steht in „The Liverpool Goalie“ eine Figur im Zentrum der Geschichte, wie man sie in ihrer Vielschichtigkeit eher aus sehr guten Jugendbüchern kennt. In Verbindung mit dem spielerischen Charme, mit dem die beiden Hauptdarsteller ihre zarten Bande knüpfen, gelang den Machern ein Film, der mit seinem Humor und seiner Originalität Kinder und Erwachsene erfreuen dürfte.

Michael Meyns

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