The Nice Guys

Pure Nostalgie, und doch ganz zeitgemäß, das ist The Nice Guys, ein selbstironisches Buddy Movie, in dem Russell Crowe und Ryan Gosling sich durch das Los Angeles der spaeten 70er Jahre scherzen und prügeln. So unterhaltsam die brillante Oberfläche auch ist, unter ihr verbirgt Shane Black interessante selbstreflexive Subtexte.

Webseite: www.theniceguys-film.de

USA 2016
Regie: Shane Black
Buch: Shane Black & Anthony Bagarozzi
Darsteller: Ryan Gosling, Russell Crowe, Matt Bomer, Kim Basinger, Ty Simpkins, Sandra Rosko
Länge: 116 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 2. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Los Angeles. Holland March (Ryan Gosling) ist Privatdetektiv und arbeitet an einem neuen Fall: Er soll Amelia finden, die in einem Pornofilm mitgespielt hat. Genau dies will Jackson Healy (Russell Crowe) verhindern, ein raubeiniger Mann, der für Geld seine Fäuste vermietet und Probleme auf die rustikale Weise löst. Als Jackson fast Opfer von zwei Killern wird, beginnt er an seinem Auftrag zu Zweifeln und tut sich mit Holland zusammen.

Gemeinsam ermittelt das Duo in der Unterwelt Los Angeles, gerät an Filmproduzenten, Umweltaktivisten und frühreife Jugendliche, die sich allzu gut mit der Pornoindustrie auskennen. Immer komplizierter wird der Fall, doch der Zufall spielt denn beiden netten Jungs immer wieder in die Karten.

In seiner dritten Regiearbeit nach „Kiss Kiss Bang Bang“ und „Iron Man 3“ erzählt Shane Black eine Geschichte, die auch heute spielen könnte. Der Schauplatz ist jedoch das Los Angeles der späten Siebziger Jahre, was zunächst einmal ausschließlich ästhetische Gründe zu haben scheint. Kunstlederjacken, Schlaghosen, grellbunte Wohnungseinrichtungen und vor allem wunderbare Autos: Produktionsdesigner und Kostümbildner haben ganze Arbeit geleistet und eine brillante Retro-Oberfläche entstehen lassen. In dieser Welt variiert Black das Genre, das er in seinen Drehbüchern immer wieder variiert hat: Das Buddy-Movie.

Mit Mitte 20 schrieb er das Drehbuch zu „Lethal Weapon“ und begründete eine ganze Welle von Buddy-Movies, in denen unterschiedliche Charaktere widerwillig zusammengeworfen werden, sich anfangs nicht ausstehen können, nur um sich bald zusammen zu raufen. Blacks Drehbücher waren für ihre oft zynische Brutalität und ihren Nihilismus bekannt, aber auch für ihren trockenen Humor. Nachdem er Mitte der 90er Jahre den Arnold Schwarzenegger-Flop „The Last Action Hero“ geschrieben hatte wurde es still um Black, der mit diesem selbstironischen Werk seiner Zeit vielleicht voraus war. Denn nun, 20 Jahre später ist das Hollywood-Mainstreamkino geprägt von Nostalgie, dreht Remake auf Remake und lässt vergangene Zeiten wieder aufleben.
In gewisser Weise macht Black in „The Nice Guys“ genau das, ist aber doch clever genug, nicht einfach nur in 70er Jahre Nostalgie zu schwelgen. Früher war alles besser heißt es ja oft, bei Black ist man eher geneigt zu denken: Früher war es auch nicht viel anderes als heute. Gerade das zahlreiche Motive der Geschichte exakt so auch in die Gegenwart passen wurden deutet an, wie wenig sich in der Welt verändert hat: Von Korruption der Großkonzerne ist die Rede, vom Ausnutzen der Marktmacht, aber auch von der ubiquitären Präsenz der Pornoindustrie, die fragwürdigen Einfluss auf das Sexualverhalten hat. Immer wieder ist man in solchen Moment geneigt, an die Gegenwart zu denken, an exhibitionistische Instagramm-Profile, an sexualisierte Werbung, an die regelmäßig wieder aufflammenden Debatten über den Schutz der Jugend.

„The Nice Guys“ funktioniert insofern auf zwei Weisen: Als brillant ausgestattete, souverän inszenierte Hommage an die 70er Jahre, die die momentan vorherrschende Lust an Nostalgie befriedigt. Gleichzeitig ist Shanes Blacks Film aber auch Hinterfragung dieser Strukturen und deutet an, wie wenig sich an filmischen Formeln, aber auch in der Gesellschaft im Kern geändert hat.

Michael Meyns