The Photograph

Am Anfang war das Bild. In einem Schließfach findet die junge Heldin Mae ein Foto ihrer überraschend verstorbenen Mutter, zu der sie nie ein gutes Verhältnis hatte. Für die Tochter ist dieser Tod ein Anlass zur Spurensuche. Der attraktive Journalist Michael interessiert sich gleichfalls für die Verstorbene, galt diese doch als bedeutende Künstlerin. Kaum kreuzen sich die Wege von Mae und Michael, ist es schon gleich um sie geschehen. Single-Leben adieu, nun heißt es alles auf Liebe. Ohne Konflikte und Entwicklung köchelt die Dramaturgie geruhsam vor sich hin, eine Lovestory im Niedergarverfahren. Serviert werden die Kitschkalorien mit sirupsüßer Werbeästhetik-Glasur. Hübsche Menschen mit hübschen Problemchen. Eine klassische Valentinstag-Eintagsfliege – als perfekter Dating-Film immerhin bestens zu empfehlen.

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USA 2020
Regie: Stella Meghie
Darsteller: Issa Rae, Lakeith Stanfield, Chanté Adams, Y’lan Noel, Lil Rel Howery
Filmlänge: 106 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 27. August 2020

FILMKRITIK:

„Ich wünschte, ich wäre in der Liebe so gut wie bei der Arbeit!“, so das klagende Geständnis gleich zu Beginn. Erzählt wird in dieser doppelten Lovestory vom Schicksal zweier Frauen. Zum einen jenes der jungen Mae, die sich nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter auf Spurensuche in der Vergangenheit begibt und sich dabei heftigst in den ehrgeizigen Journalisten Michael verliebt. Zum anderen erfährt man in Rückblenden, dass es mit dem Liebesleben der Verstorbenen, einer erfolgreichen Fotografin, kaum zum Besten gestanden hat. Bei seinen Recherchen trifft der Reporter auf einen knorrigen Krabbenfischer, den einstigen Partner der Künstlerin, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt.

Kaum kreuzen sich die Wege von Mae und Michael, lodert die Leidenschaft alsbald in hellen Flammen. Das Schicksal beschert den attraktiven Singles endlich die Liebe ihres Lebens. Auch hübsche Menschen haben freilich so ihre Problemchen. Der Schreiber will aus Karrieregründen nach London. „Warum genießen wir die Zeit nicht hier gemeinsam?“ gibt die Herzensdame zu bedenken. Damit wäre das Konfliktpotenzial in diesem Drama auch schon so gut wie ausgeschöpft. Die Turteltäubchen turteln gern, viel mehr hat die Lovestory dramaturgisch kaum zu bieten. Wie der jazzige Soundtrack plätschert die Geschichte so vor sich hin. Im Unterschied zur Musik fehlt dem Film jedoch jedes Gespür von Rhythmus und Tempo. Den Figuren fehlen Tiefe und Entwicklung gleichermaßen. Die typische Szene sieht so aus: Draußen klatscht der nächtliche Regen an die Scheiben der vornehmen Wohnung. Drinnen belanglose Plaudern der dezent ausgeleuchteten Liebenden. Ähnlich werbeästhetisch gerät das (Ferrero-)Küsschen in der gemütlichen Holzhütte, wo die Sonnenstrahlen durch die Ritzen des Gebälks leuchten und für romantische Stimmung sorgen sollen.

Zwischendurch immer wieder die Spurensuche der entfremdeten Tochter nach ihrer berühmten Mutter sowie der eigenen Kindheit. Auch dieser Konflikt entpuppt sich als Problemchen aus der Seifenopern-Kiste. Mama hat ihre große Liebe einst für die Karriere geopfert. Nun steht die Tochter vor demselben Dilemma. Happy End-Alarm? Die Frage lässt einen mangels Glaubwürdigkeit und emotionaler Substanz erstaunlich kalt. Selbst die Chemie zwischen den hübschen Darstellern wirkt wenig überzeugend. Als Hochglanz-Fotoroman eine klassische Valentinstag-Eintagsfliege. Als Dating-Film immerhin bestens zu empfehlen.

Dieter Oßwald