The Promise – Die Erinnerung bleibt

Die besten Absichten hat „The Promise“ ein Film über den armenischen Genozid, jenen Massenmord also, den die Türkei auch 100 Jahre später noch abstreitet. Aufklärerisch möchte Terry Georges Film sein, zu diesem Zweck wurden Stars engagiert und viel Geld in Massenszenen und opulente Sets gesteckt, doch das Ergebnis lässt kalt und ist viel zu sehr darauf bedacht, gut gemeint zu sein als ein guter Film.

Webseite: capelight.de

Spanien/ USA 2016
Regie: Terry George
Buch: Terry George & Robin Swicord
Darsteller: Oscar Isaacs, Christian Bale, Charlotte Le Bon, Tom Hollander, Angela Sarafyan, Numan Acar, Marwen Kenzari, Jean Reno
Länge: 133 Minuten
Verleih: Capelight
Kinostart: 17. August 2017

FILMKRITIK:

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs ist das Leben in Konstantinopel, der Hauptstadt des Osmanischen Reichs von Wohlstand und Dekadenz geprägt. Der aus der anatolischen Provinz stammende Medizinstudent Mikael (Oscar Isaacs) verbringt seine Tage im Hörsaal und seine Nächte in Bars, wo er mit seinem türkischen Freund Emre (Marwen Kenzari) und dem amerikanischen Journalisten Chris (Christian Bale) Absinth trinkt, Opium raucht und die schöne Ana (Charlotte Le Bon) bewundert, die noch mit Chris zusammen ist.
 
Doch die ausgelassene Stimmung ist bald vorbei, denn schlagartig ändert sich die Situation für die armenische Bevölkerung: Erst werden die Intellektuellen verhaftet, dann bald sämtliche Armenier erst aus Konstantinopel, dann auch aus den Dörfern ihrer Heimat vertrieben. Ein Exodus beginnt, der bald zum ersten Genozid des 20. Jahrhunderts wird.
 
Während Chris und Ana alles mögliche tun, um Waisenkinder vor den türkischen Horden zu retten, ist Mikael aus der zwischenzeitlichen Zwangsarbeit geflohen und in sein Heimatdorf zurückgekehrt, wo er versucht, seine Familie zu retten. Doch er findet nur Tod und Verwüstung, dem türkischen Vormarsch können nur wenige entkommen.
 
In der Türkei wurde der von Terry George inszenierte „The Promise“ als Propaganda beschimpft, was wenig überrascht und im Kern auch stimmt, denn auch wenn „The Promise“ auf eine unbestreitbare historische Tatsache aufmerksam machen will – und den Genozid an den Armeniern bestreiten nur noch ewig gestrige wie Erdogan oder Trump – bleibt er doch ein  Stück Propaganda. Finanziert wurde er vom vor zwei Jahren verstorbenen amerikanischen Milliardär Kirk Kerkorian, der selbst armenischer Abstammung ist. Selbst der komplette finanzielle Misserfolg des Films beim Start in Amerika wurde mit der Begründung hingenommen, dass es in erster Linie darum ging, Aufmerksamkeit für die Sache der Armenier zu generieren. Ein ehrbares Anliegen mag das gewiss sein, was aber kaum die oft erschreckend sentimentale, konventionelle Machart von „The Promise“ entschuldigt.
 
Ein Liebesdreieck vor den Wirren eines historischen Ereignis, diesem Muster folgten schon Hollywood-Filme wie „Pearl Harbor“ oder deutsche Event-Fernsehfilme wie „Dresden“, doch allzu viel Gespür für emotionale Momente beweist Terry George nicht. Sein Star-Trio bemüht sich redlich, doch der Funke springt nie über, zumal George dann doch erfreulich genau die historische Realität abbildet. Viele Szenen seines Films sind penibel realen Situationen nachgebildet oder zitieren direkt Fotos, die etwa im Genozid-Museum der armenischen Hauptstadt Eriwan ausgestellt sind. Ein Besuch dort ist dann auch wesentlich erschütternder als dieser Film, der aus dramaturgischen Gründen eine ähnliche Wahl trifft, wie einst Steven Spielberg bei seinem „Schindlers Liste“: Um die versuchte Vernichtung eines ganzen Volkes geht es in beiden Filmen, erzählt wird jedoch jeweils eine der wenigen Episoden, in denen einige tausend Juden, bzw. Armenier überlebten. Etwas Hoffnung soll dadurch am Ende die vorher erzählten Schrecken von „The Promise“ abmildern, was jedoch um den Preis eines wirklich dramatischen Films geschieht, der als eigenständiges Werk funktioniert und nicht nur gut gemeint ist.
 
Michael Meyns