The Secret Man

Man kennt ihn besser als „Deep Throat“: Mark Felt, jenen Mann, der zwei Journalisten der Washington Post Informationen zusteckte und somit den „Watergate“-Skandal aufzuklären half. Dies ist seine Geschichte, erzählt aus seiner Sicht, präsentiert als Machtkampf innerhalb des FBI, aber auch als moralischer Konflikt um Machtmissbrauch und Rechtschaffenheit.

Webseite: www.wildbunch-germany.de

OT: Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House
USA 2017
Regie: Peter Landesman
Darsteller: Liam Neeson, Diane Lane, Marton Csokas
Länge: 103 Min.
Verleih: Wild Bunch
Kinostart: 2.11.2017

FILMKRITIK:

Watergate – das ist auch heute noch, nach 45 Jahren, der Inbegriff des Amtsmissbrauchs, aber auch gleichzeitig der Stärke der Demokratie und der Kraft der Presse. Denn es waren zwei Journalisten der Washington Post, Carl Bernstein und Bob Woodward, die den Skandal ans Tageslicht zerrten und Präsident Nixon zum Rücktritt zwangen. Wer Alan J. Pakulas „Die Unbestechlichen“ (1976), eine filmische Aufarbeitung von Watergate, kennt, erinnert sich bestimmt, wie Robert Redford sich in der Rolle des Bob Woodward in einer Tiefgarage mit seinem Informanten, „Deep Throat“ genannt, trifft. Erst 2005 wurde die Identität des Whistleblowers enthüllt: Mark Felt. Aus seiner Sicht ist dieser Film von Peter Landesman erzählt.
 
Es ist der Sommer 1972, Proteste gegen den Vietnam-Krieg und die Bürgerrechtsbewegung bestimmen das politische Klima in den USA, das durch „Watergate“ zusätzlich aufgeheizt wird. Was war passiert? Mehrere Männer waren während des Wahlkampfs in die Zentrale der Demokraten im Watergate-Hotel eingebrochen, doch über das Wie und Warum ist noch nichts bekannt. Einer weiß jedoch mehr: Mark Felt (Liam  Neeson), Vize-Chef des FBI, bei dem die Ermittlungen über Watergate zusammen laufen. Felt, immerhin schon seit 30 Jahren beim FBI, ist angefressen: Als sein Chef John Edgar Hoover stirbt, wird nicht er, sondern Patrick Gray (Marton Csokas), ein Außenseiter ohne FBI-Meriten, dessen Nachfolger – auf Geheiß von Nixon. Gray will Watergate rasch ad acta legen. Aber warum? Felt wird misstrauisch. Und dann kontaktiert er Bob Woodard (Julian Morris), den Redakteur der Washington Post, und versorgt ihn häppchenweise mit kleinen Hinweisen, die den Reporter zu weiteren Recherchen veranlassen. Und schon bald wundert sich ganz Washington, von wem Woodard seine Informationen hat.
 
Mit der Verschiebung der Perspektive auf den Watergate-Skandal, weg von den Journalisten hin zum FBI, verschiebt sich auch das Interesse des Regisseurs. Landesman ging es vor allem um die Beschreibung des FBI als unabhängige Institution, die aber nach dem Tod Hoovers in Machtkämpfe verstrickt wird und vom US-Präsidenten missbraucht wird. Die Intrigen hinter geschlossenen Türen sind dabei nicht immer dramatisch, vieles bleibt dem Zuschauer verborgen. Darum ist die Spannung eher unterschwellig und teilt sich nicht so sehr über die Bilder, sondern über die Dialoge mit. Zentrum, des Film ist die darstellerische Leistung von Liam Neeson, der zuletzt vor allem als Actionheld Erfolg hatte. Hier nimmt er sich mimisch fast völlig zurück und interpretiert Felt als moralisch integren Helden, der zwischen seiner Loyalität zum FBI und seinem Verständnis von Recht und Moral hin- und hergerissen ist. Zudem pocht er auf die Gewaltenteilung, die es der US-Regierung verbietet, dem FBI Instruktionen zu erteilen, und zusätzlich die Presse als Vierte Macht im Staat etabliert. In Zeiten wie diesen, in denen Whistleblower wie Chelsea Mannings und Edward Snowden in Misskredit geraten sind und Journalisten als Lügenpresse verunglimpft werden, ist das gar nicht hoch genug zu bewerten.
 
Michael Ranze