Ein Waschbär und ein paar Haustiere, die in einem führerlosen Zug dahinrasen – das ist die Prämisse der französischen Actionkomödie „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“. Tiefberührendes, erzählerisch gewitztes Animationskino sollte man von diesem Familienfilm nicht erwarten. Allerhand Zitate und ein konstant hohes Tempo werden dem Publikum aber immerhin geboten
Über den Film
Originaltitel
Falcon Express
Deutscher Titel
Tierisch abgefahren – Rettet die Pets
Produktionsland
FRA
Filmdauer
86 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Daffis, Benoît / Tassy, Jean-Christian
Verleih
MFA
Starttermin
19.03.2026
Animationsunterhaltung made in Europe – dafür steht die französische Schmiede TAT Productions, die unter anderem Filme wie „Die wilden Mäuse“ und „Die Dschungelhelden – Das große Kinoabenteuer“ auf den Weg brachte. Aus demselben Haus kommt nun auch der turbulente Actionstreifen „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“, dessen nordamerikanischer Verleihtitel „Pets on a Train“ noch deutlicher betont, worum es geht: Haustiere an Bord einer (führerlosen) Eisenbahn, das ist die auf einen Bierdeckel passende Zusammenfassung der Handlung.
Hauptfigur des animierten Spaßes ist ein Waschbär, der eigentlich Maurice heißt, aber nur Falcon (zu Deutsch: Falke) genannt werden möchte. Warum das so ist, erfahren wir im Verlauf der Handlung, wenn seine leidlich lustige Vorgeschichte enthüllt wird. Schon bei seinem ersten Auftritt ist ersichtlich: Hier haben wir es mit einer Art tierischem Robin Hood zu tun. Wieselflink saust Falcon durch die Straßen und Parks von Bay City, plündert Mülleimer und erleichtert die Menschen um kleine Köstlichkeiten, die er dann an seine animalischen Freunde verteilt.
Zum anstehenden Weihnachtsfest möchte der kleine Gauner mit dem großen Herzen seiner Community ein üppiges Mahl spendieren und hat dafür einen besonderen Coup im Visier. Zusammen mit dem Dachs Hans will Falcon einen Personenzug voller Leckereien kapern. Der Waschbär erledigt die technische Vorarbeit, sodass sein Komplize per Fernsteuerung die Kontrolle über die Bahn übernehmen und mit einer falschen Durchsage alle Menschen zum Aussteigen animieren kann. Dann aber folgt die böse Überraschung. Hans setzt das Gefährt in Bewegung und offenbart seine wahren Absichten: Tatsächlich sinnt er auf Rache an dem im Zug sitzenden Polizeihund Rex, der ihn einst ins Tierheim brachte. Während die Bahn mit überhöhter Geschwindigkeit führerlos aus der Stadt prescht, überlegen Falcon und einige im hinteren Wagon verstaute Haustiere, wie sie ihren halsbrecherischen Trip stoppen können.
„Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“ ist eine Verneigung vor dem Actionkino der 1980er-Jahre, referenziert ganz offen den Reißer „Runaway Train“ mit Jon Voight in der Hauptrolle und arbeitet sich immer wieder an John McTiernans Genreklassiker „Stirb langsam“ ab. Genau wie in diesem Leinwandwerk spielt die Erzählung zur Weihnachtszeit, wobei die Animationskomödie keinen Wert darauflegt, eine besondere Festtagsstimmung zu erzeugen. Eine von mehreren Anspielungen auf den Kultfilm mit Bruce Willis betrifft auch den Namen des Antagonisten, der hier wie dort Hans lautet.
Erwachsene Zuschauer erwartet also eine Fülle an Zitaten, die jüngeren Kinogängern hingegen verborgen bleiben dürfte. Für sie bieten die Macher um das Regieduo Benoît Daffis und Jean-Christian Tassy allerhand Slapstick-Einlagen und Knalleffekte auf. Das Tempo bleibt, analog zum unbeirrt dahinrasenden Zug, konstant hoch. Denn immer neue Herausforderungen und Gefahrenmomente müssen Falcon und seine Mitstreiter überstehen.
Das erstaunlich üppige Figurenensemble kommt dabei zwangsläufig zu kurz. Weder unser Held noch die Nebencharaktere werden mit feinen Pinselstrichen gezeichnet. Eine Eigenschaft, eine Zuschreibung reicht dem Film in den meisten Fällen aus. Große emotionale Tiefe lässt sich so natürlich nicht herstellen. Pflichtschuldig klappert das Drehbuch die erwartbaren Stationen und Wendepunkte ab und bemüht sich um kleine Seitenhiebe, etwa auf die Sensationsgier und den Zynismus der Medien oder darauf, dass manche Menschen ihre Haustiere skrupellos als Maskottchen für ihre Social-Media-Aktivitäten missbrauchen. Kritik, die jedoch eher beliebig als mit Scharfsinn eingestreut wird.
Optisch spielt „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets!“ nicht in der obersten Liga. Angesichts eines kolportierten Budgets von 12,5 Millionen Euro ist das aber auch kein Wunder. Dass der Film insgesamt bloß mittelprächtige Unterhaltung bietet, liegt weniger an seiner visuellen Gestaltung, sondern an der fehlenden inhaltlichen Inspiration. Schade, denn schon im Eröffnungsteil gibt es einen erstaunlichen Meta-Akzent, als ein durch Bay City fahrender Zug aus den Schienen springt und von einer unvermittelt auftauchenden Hand wieder auf die Gleise gesetzt wird. Spielt die Animationssause etwa in einer gigantischen Spielzeuglandschaft? Eine Antwort auf diese Frage erhalten wir bis über den Abspann hinaus leider nicht.
Christopher Diekhaus







