Tini – Violettas Zukunft

Nach drei Jahren endete 2015 die erfolgreiche argentinische Telenovela Violetta. Deren Hauptdarstellerin Martina Stoessel ist ein weltweiter Teeniestar und spielt nun in ihrem ersten Kinofilm "Tini – Violettas Zukunft" eine Art Mischung von Violetta und sich selbst. Das Ergebnis ist durch und durch kitschig, von schlichten Lebensweisheiten geprägt, doch die Zielgruppe dürfte begeistert sein.

Webseite: www.facebook.com/TiniViolettasZukunft

OT: El gran cambio de Violetta
Argentinien/ Spanien 2016
Regie: Juan Pablo Buscarini
Buch: Ramon Salazar
Darsteller: Martina Stoessel, Jorge Blanco, Mercedes Lambre, Angela Molina, Adrian Salzedo, Clara Alonso, Diego Ramos
Länge: 95 Minuten
Verleih: Disney
Kinostart: 3. November 2016
 

FILMKRITIK:

Erschöpft kehrt die Sängerin Violetta (Martina Stoessel) von ihrer Welttournee zurück nach Argentinien. Medien und Fans lassen ihr keine Ruhe, denn das Gerücht geht um, dass ihr langjähriger Freund Leon (Jorge Blanco) sie für eine andere verlassen hat. Als das Gerücht sich zu bestätigen scheint verliert Violetta die Nerven und ihre Inspiration. Kurzentschlossen sagt sie die Produktion ihres neuen Albums ab und lässt sich von ihrem Vater zum Künstlerretreat einer alten Freundin der Familie schicken.
Auf Sizilien, in malerischer Landschaft lebt Isabella (Angela Molina) und beherbergt eine Gruppe junger Künstler, mit denen Violetta sich schnell anfreundet. Ebenso wie mit dem schmucken Kapitän Caio (Adrian Salzedo), der ganz eigene künstlerische Träume hegt: Er würde gern Tanzen, doch die Zitronenplantage seiner Familie hält ihn zurück.

Poppig bunt und von klaren Werten geprägt ist die Welt der Violetta, die von 2012 bis 2015 in einer international erfolgreichen Telenovela ausgebreitet wurde. Die Serie ist nun zu Ende, ihre Hauptdarstellerin Martina „Tini“ Stoessel 19 Jahre alt und ein großer Star in der Welt des Disney-Konzerns, wo schon Justin Timberlake oder Selena Gomez erste Schritte zum Weltruhm unternahmen.

Auf durchaus clevere Weise verknüpft der von Juan Pablo Buscarini inszenierte Film "Tini – Violettas Zukunft" nun die Persönlichkeiten von Violetta und Tini und bereitet die im Sinne des Disney-Konzerns hoffentlich fruchtvolle Zukunft seiner Hauptdarstellerin vor. Diese singt und tanzt sich durch ein luftiges Sommermärchen, dass auf den ersten Blick dramatische Ereignisse im Stile einer Bravo-Foto-Lovestory inszeniert. In groben Zügen erzählt, stets die offensichtlichste emotionale Reaktion wählend, wird nichts ausgelassen, was das Herz begehrt: Schon in der ersten Szene reitet ein Traumprinz am Strand entlang, während die Sonne malerisch untergeht und eine sanfte Brise die perfekten Haare um Violettas makelloses Gesicht wehen lassen.

Eine perfekte Welt wird gezeigt, in der jedes Problem zwar unglaublich dramatisch wirkt, sich aber in Windeseile in Wohlgefallen auflösen lässt. Mit der Realität hat "Tini – Violettas Zukunft" kaum noch etwas zu tun, doch Realismus steht traditionell ja auch nicht im Mittelpunkt der Disney-Welt. So wie die Vergnügungsparks und klassischen Animationsfilme eine verklärte, überzeichnete Version der Realität abliefern, in der Gut und Böse, schön und hässlich eindeutig verteilt sind, so funktioniert auch die Welt von Violetta. Die sich zudem geschickt an den Mustern der besonders im lateinamerikanischen Raum so beliebten Telenovelas bedient, in denen Herzschmerz auf besonders melodramatische Weise präsentiert werden. Dass die Weltsicht dieser Geschichte gelinde gesagt etwas reduziert ist, muss man wohl hinnehmen: Das jugendliche Zielpublikum wird es kaum stören.
 
Michael Meyns