To Rome With Love

Auf Woody Allen scheint Verlass. Ein Film pro Jahr liefert der New Yorker auch mit inzwischen weit über 70 ab. Nach Stationen in London, Barcelona und zuletzt Paris reiste der Oscar-Preisträger nun in die italienische Hauptstadt weiter. Mit im Gepäck befand sich ein gewohnt erstklassiger Cast (u.a. Alec Baldwin, Roberto Benigni, Penélope Cruz, Ellen Page) und reichlich mediterranes Lebensgefühl. Für Allen- und Rom-Liebhaber zweifellos unterhaltsam.

Webseite: www.toromewithlove.de

To Rome with Love
USA/Italien 2012
Regie & Drehbuch: Woody Allen
Darsteller: Roberto Benigni, Ellen Page, Jesse Eisenberg, Greta Gerwig, Alec Baldwin, Judy Davis, Woody Allen, Alessandra Mastronardi, Alessandro Tiberi, Flavio Parenti, Penélope Cruz, Alison Pill, Fabio Armiliato
Länge: 110 Min.
Kinostart: 30.8.2012
Verleih: Tobis

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Rom, die ewige Stadt und eine lebendige Metropole, deren Geschichte praktisch überall sichtbar ist. Die antiken Prachtbauten, der Vatikan, der Trevi-Brunnen und die spanische Treppe. Alles Touristenmotive, millionenfach fotografiert und abgefilmt. Und doch sind die Römer und die Menschen, die nach Rom kommen, scheinbar immer wieder aufs Neue in diese Stadt verliebt. Selbst einem Großstadtmenschen wie Woody Allen geht es da nicht viel anders. Auch er ist ihrer besonderen Anziehungskraft erlegen. Auf seiner Europatournee, die seinerzeit in London („Match Point“) begann und ihn über den Umweg Barcelona sowie einem kurzen Heimspiel nach Paris führte, ist er nun in der italienschen Hauptstadt angekommen. Hier präsentiert er mehrere Geschichten, die alle auf eine besondere Weise um den Leichtsinn in der Liebe, die Kunst der Verführung und das Streben nach Anerkennung kreisen.

Die erste der vier abwechselnd erzählten Episoden handelt von dem jungen Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg), der mit seiner Freundin Sally (Greta Gerwig) eigentlich eine glückliche Beziehung führt. Als beide jedoch Besuch von Sallys bester Freundin Monica (Ellen Page) Staaten bekommen, gerät Jacks Gefühlswelt plötzlich aus dem Gleichgewicht. Die offenherzige, sexuell höchst aufgeschlossene junge Frau übt auf ihn eine fast schon magische Anziehungskraft aus. Der ziemlich durchschnittliche, biedere Büroangestellte Leopoldo (Roberto Benigni) kämpft derweil mit ganz anderen Problemen. Über Nacht und völlig grundlos wird er zu einer nationalen Berühmtheit, welche fortan auf Schritt und Tritt von einer Meute Paparazzi und Reportern verfolgt wird. Die dritte Episode erfreut uns mit einem Woody Allen in seiner Paraderolle als an sich zweifelnder, rastloser Intellektueller, der seine Tochter (Alison Pill) und deren italienischen Verlobten besucht und dabei durch Zufall ein echtes Gesangstalent entdeckt.

Schließlich wären da noch Antonio (Alessandro Tiberi) und seine frisch angetraute Milly (Alessandra Mastronardi). Vor allem ihn zieht es aus der italienischen Provinz in die Großstadt. Dort angekommen findet er sich nach einer für ihn unerklärlichen Verwechslung im Bett mit der hübschen Anna (Penélope Cruz), einem stadtbekannten Callgirl, wieder. In dieses Chaos aus Personen, Verwicklungen und Affären, das sich natürlich an den schönsten Plätzen Roms abspielt, baute Allen seine typischen Kommentare über zwischenmenschliche Beziehungen und unsere heimliche Schwächen ein. Intellektueller Wortwitz, ironische Beobachtungen und manchmal auch echte Albernheiten gehören dabei weiterhin zum Repertoire des inzwischen 76-jährigen New Yorkers. Die vor einigen Jahren vollzogene „Flucht“ nach Europa mag auch dem Eingeständnis geschuldet sein, nicht länger an den immergleichen Orten die immergleichen Geschichten inszenieren zu wollen. Zumindest die Kulisse ist in „To Rome with Love“ dann auch eine andere. Bei der Auswahl seiner Themen vertraute er hingegen auf Altbewährtes.

Allen ist ohnehin längst ein Konservativer. Er bleibt sich und seinem Stil konsequent treu. Das beginnt bereits beim immergleichen Vorspann, geht weiter mit der gern gewählten Rolle eines beobachtenden Erzählers – in diesem Fall ist es ein römischer Verkehrspolizist, der auf die Stadt und die Figuren hinabblickt – und endet bei kleinen narrativen Spielereien wie in der Episode um Jack und dessen väterlicher Ratgeber John (Alec Baldwin). Diese Geschichte fordert zudem als einzige eine eigene Interpretation heraus. Neben den üblichen Gags über den Kunstbetrieb, über Krankheiten und Neurosen bleibt viel Raum, um die Schönheit Roms zu bewundern. Unterlegt von Klassikern wie „Volare“ und eingängigen Italo-Popschnulzen darf der Zuschauer zusammen mit den Darstellern echte Urlaubsgefühle entwickeln. Am Ende kokettiert Allen sogar mit einer Fortsetzung seines Italientrips, schließlich gebe es in dieser Stadt noch so viele Geschichten zu erzählen. „To Rome with Love“ ist für seinen Teil nett anzusehen, für Allen-Liebhaber zweifellos unterhaltsam und doch ein Beleg für künstlerischen Stillstand.

Marcus Wessel

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