Man ist versucht, den Debütfilm Pavlo Ostrikovs als Allegorie auf die Einsamkeit der Covid-Ära zu lesen, schließlich spielt „U are the Universe“ fast ausschließlich in einer Raumstation, in der ein Mann alleine durchs All taumelt. Viel mehr jedoch erzählt der ukrainische Regisseur eine zeitlose Geschichte vom Verlangen nach Zweisamkeit, die seine geringen finanziellen Mittel mit großer Originalität kaschiert.
Über den Film
Originaltitel
U Are the Universe
Deutscher Titel
U Are the Universe
Produktionsland
UKR,BEL
Filmdauer
90 min
Produktionsjahr
2024
Produzent
Yatsenko, Volodymyr / Yatsenko, Anna
Regisseur
Ostrikov, Pavlo
Verleih
n.n.
Starttermin
04.09.2025
Andriy Melnyk (Volodymyr Kravchuk) hat seinen Traumjob gefunden: Als Weltraum-Trucker transportiert er Atommüll von der Erde zum Jupitermond Castillo, der als Endlager dient. Vier Jahre dauert die Tour, während der Andriy ganz allein durch das All reist. Viel mehr als eine kleine Küche und einen Fitnessraum hat die Raumstation nicht zu bieten, doch das kommt dem eigenbrötlerischen Mann sehr gelegen.
Selbst der Roboter Maxim, der ihm als Assistent dient und lahme Witze reißt, ist ihm oft zu viel, Andriy will seine Ruhe haben, spielt auf dem antiken Plattenspieler Opern ab und vertrödelt die Zeit.
Das ändert sich erst, als ihm Maxim eines Tages mitteilt, dass die Erde explodiert ist. Als einziger Mensch befindet sich Andriy nun in den Weiten des Universums wieder, die Vorräte auf der Raumstation werden unweigerlich zu Ende gehen, was also tun? Zumindest nicht Aufräumen, warum auch? Andriy lässt sich gehen, öffnet seine Geburtstagsüberraschung, auch wenn sein Geburtstag noch Monate entfernt ist, aber Regeln einzuhalten macht in dieser Situation nun wirklich keinen Sinn mehr.
Als Captain Galaxy schickt er Nachrichten in die Tiefen des Alls – und erhält plötzlich eine Antwort: Die französische Astronautin Catherine (gesprochen von Alexia Depicker) kreist für Wetterbeobachtungen um den Saturn, nicht ganz um die Ecke des Jupiters: Viele Millionen Kilometer trennen die Beiden, die sich nur hören, aber nicht sehen können und getrennt, aber doch zusammen, ihrem Ende entgegen reisen. Oder gibt es doch eine Möglichkeit für ein Rendevouz im All?
Etliche Male hat sich Hollywood in den letzten Jahren dem Konstrukt Allein im All angenommen, meist in teuren Produktionen wie Alfonso Cuaròns „Gravity“ oder Ridley Scotts „Der Marsianer.“ Mit deren spektakulären Bilder kann die kleine ukrainische Produktion „U are the Universe“ natürlich nicht mithalten, macht dieses nur scheinbare Manko jedoch mit einem originellen Ansatz mehr als wett.
Pavlo Ostrikovs Film spielt fast ausschließlich in einer Raumstation, die mit ihren analogen Schaltern und altmodischen Displays wie ein Relikt aus Ostzeiten wirkt. Selbst der sprechende Roboter Maxim bewegt sich nur an einer Aufhängung an der Decke durch die Räume, kann es jedoch durchaus mit seinem entfernten Verwandten, H.A.L. aus „2001“, aufnehmen, viel mehr sogar, als es anfangs den Anschein macht.
Fast komödiantisch beginnt „U are the Universe“, eine Animationssequenz erklärt Andriys Aufgabe, der trotz seiner an sich reichlich deprimierenden Lage meist seine stoische Ruhe bewahrt. Ganz unterschwellig entwickelt sich die Story jedoch zu einer emotionalen Liebesgeschichte, die trotzt der vielfachen Entfernung zwischen den Figuren erstaunliche Tiefe entwickelt.
Trotz mehr als beschränkter filmischer Mittel gelingt es Pavlo Ostrikovs mit Einfallsreichtum und Originalität eine Geschichte zu erzählen, die zwar auch vielfältige filmische Anspielungen aufzuweisen hat, vor allem aber durch ihre Universalität überzeugt.
Michael Meyns