Väter und Töchter – Ein ganzes Leben

Was fürs Herz: Es geht um Familienbande im Guten und im Schlechten, ums Festhalten und Loslassen, und das mit einer tollen Starbesetzung – Russel Crowe spielt einen liebevollen Vater, der bereit ist, für seine Tochter Katie buchstäblich alles zu riskieren, und Amanda Seyfried spielt die Katie 25 Jahre später als familiengeschädigte Nymphomanin, die sich dann doch unsterblich verliebt. Zur Starbesetzung des Melodrams gehören außerdem Diane Kruger als böse Tante, Aaron Paul als Katies große Liebe sowie Jane Fonda als Literaturagentin. Sie alle zu sehen, ist durchaus ein Vergnügen, doch auch die prominenten Darsteller können kaum über die letztlich triviale und ziemlich unglaubwürdige Geschichte hinwegtrösten, die wohl eher das weibliche Publikum ansprechen soll.

Webseite: http://vaeterundtoechter-derfilm.com

Originaltitel: Fathers & Daughters
USA 2015
Regie: Gabriele Muccino
Drehbuch: Brad Desch
Darsteller: Russell Crowe, Amanda Seyfried, Aaron Paul, Diane Kruger, Quvenzhane Wallis, Bruce Greenwood, Janet McTeer, Kylie Rogers, Jane Fonda
116 Minuten
Verleih: Spot on Distribution
Kinostart: 30. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Der erfolgreiche Autor Jake Davis hat seine Frau bei einem Verkehrsunfall verloren, bei dem er selbst schwer verletzt wurde. Die kleine Tochter Katie saß ebenfalls mit im Auto. Vater und Tochter versuchen nun, alleine klarzukommen, doch Jake wird nicht nur von gesundheitlichen Spätfolgen geplagt, sondern auch von Schuldgefühlen: Er fühlt sich für den Tod seiner Frau verantwortlich und geht deshalb in eine psychiatrische Klinik, während Katie bei ihrer Tante untergebracht wird. Das schicke Heim von Tante Elizabeth, Onkel William und den beiden Cousins ist so ganz anders als der lockere Künstlerhaushalt, der für Katie bisher das Zuhause war. Als Jake, halbwegs geheilt, aus der Klinik entlassen wird und Katie abholt, eröffnen ihm Elizabeth und William, dass sie beabsichtigen, Katie zu adoptieren. Von nun an muss Jake um Katie kämpfen. Das gemeinsame Leben wird nicht nur von dem innigen Verhältnis zwischen Vater und Tochter bestimmt, sondern auch von Geldschwierigkeiten, beruflichen Problemen – Jakes neues Buch verkauft sich nicht – und vom juristischen Gezerre um Katie. Doch Jake lässt sich nicht unterkriegen und schreibt Tag und Nacht wie ein Besessener an einem autobiographischen Roman: „Väter und Töchter“ über sein gemeinsames Leben mit Katie, die er liebevoll „Potato Chip“ nennt.
 
Diese Geschichte wird in Rückblenden erzählt, und zwar aus Sicht der mittlerweile erwachsenen Katie, eine erfolgreiche Psychologin mit einem desaströsen Privatleben, das im Wesentlichen aus durchgesoffenen Nächten und One-Night-Stands besteht. Katie verführt jeden Kerl und lässt ihn am nächsten Morgen fallen wie eine heiße Kartoffel. Doch da ist Cameron, ein junger Schriftsteller, der sich rührend um Katie bemüht. Er weiß, dass sie die „Potato Chip“ aus seinem Lieblingsbuch „Väter und Töchter“ ist, mit dem Jake einen riesigen Erfolg hatte, den er allerdings nicht mehr selbst erleben durfte.
 
Wie in solchen Geschichten üblich, geht auch hier alles ein bisschen over the top. Die Story kann es inhaltlich mühelos mit jedem Heftchenroman aufnehmen, die Rückblenden als Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind vermutlich als cineastisches Highlight für das emotional bewegte weibliche Publikum gedacht, sie bringen aber mehr Verwirrung als Klarheit und können kaum für die teilweise unglaubwürdige Geschichte entschädigen: ein modernes Melodram mit sehr viel Herz-Schmerz.
 
Es gibt sehr schöne Momente in dem rührenden Verhältnis zwischen Vater und Tochter, zum Beispiel, wenn Russell Crowe der kleinen Katie (Kylie Rogers) das Fahrradfahren beibringt. Und plötzlich erkennt man, dass Russell Crowe ein toller Schauspieler ist, der mit wenigen Mitteln große Emotionen wecken kann. Amanda Seyfried spielt die erwachsene Katie mit sehr viel Ernsthaftigkeit und dennoch wenig glaubwürdig, was sich sowohl auf ihre Rolle als Psychologin als auch auf ihre Nymphomanie erstreckt. Erst wenn sie sich, vollkommen verständlich, in den hinreißenden Cameron (Aaron Paul) verliebt, blüht sie auch schauspielerisch auf. Diane Kruger spielt dagegen ziemlich überzeugend die Rolle der bösen Hexe, und dieser Hauch von Gemeinheit tut dem ganzen Film gut. Wer großes Starkino mit viel Gefühl sucht, ist hier richtig – aber Taschentücher nicht vergessen!
 
Gaby Sikorski