Vater Morgana

Das Wortspiel im Titel gibt die Richtung vor: Till Endemann nähert sich seinem Sujet von der komischen Seite – was beim Thema Alzheimer eine ziemliche Herausforderung ist. Es wird durch die slapstickhafte Krimi-Handlung, in die „Vater Morgana“ eingebettet ist, allerdings an den Rand gedrängt. Alzheimer ist in Endemanns Film nicht mehr als eine Chiffre für Vergesslichkeit, die er als Schmiermittel für die Geschichte benutzt, was im Ergebnis weder erhellend noch besonders komisch ist. Immerhin mit Michael Gwisdek und Christian Ulmen als Vater und Sohn gut besetzt.

Webseite: www.vatermorgana-derfilm..de

D 2010
Regie: Till Endemann
Buch: Daniel Schwarz, Till Endemann
Kamera: Lars Liebold
Darsteller: Christian Ulmen, Michael Gwisdek, Felicitas Woll, Marc Hosemann, Heinz Hoenig
Filmlänge: 90 Minuten
Verleih: Warner Bros
Kinostart: 16. Dezember 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Als der Sohn den Vater während einer Betriebsfeier entdeckt, trifft ihn fast der Schlag. Er traut seinen Augen nicht. Plötzlich steht der Vater da und ist gleich wieder verschwunden – wie eine Fata Morgana. Im Verschwinden war er schon immer groß. Nie sei er da gewesen, wenn er ihn gebraucht habe, sagt der Sohn. Aus dieser Einführung des Vaters hätte etwas werden können. Schließlich steht Alzheimer für das Verschwinden eines Menschen, dessen Persönlichkeit sich mit seinem Gedächtnis langsam auflöst. Im Film führt diese hübsche Metapher aber ins Nirwana, untergepflügt von einer Handlung, die um einen Juwelenraub kreist, nach dem der Vater vergisst, wo er die Beute versteckte. Der Sohn wird wider seinen Willen in den Überfall hineingezogen, und schon ist das Chaos perfekt. Gejagt von der Polizei, können sie nur zusammen unbeschadet aus der Sache rauskommen.

Nach leisem Beginn wird „Vater Morgana“ zu einer lärmenden Angelegenheit, einer Krimi-Klamotte, die mit grobem Keil und einfältigem Witz arbeitet und konfus auf ein vorhersehbares Ende zusteuert. Es wirkt so, als sei die Geschichte der schwierigen Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater, dessen Welt „langsam einschneit“, wie er sagt, im Produktionsprozess umgekrempelt worden – aus Furcht, das ernste Thema könnte das Publikum verschrecken. Und Douglas Welbat, Produzent der „7 Zwerge“-Filme weiß, wie man das verhindert.

Michael Gwisdek, der den Vater spielt, kann immerhin ein paar leise Zwischentöne unterbringen. Ab und an blitzt die Tragik eines alternden Hasardeurs auf, der weiß, dass seine Zeit abläuft und der, bevor es so weit ist, das verkorkste Verhältnis zu seinem Sohn in Ordnung bringen will. Christian Ulmen als Sohn gibt wieder einmal den etwas trotteligen, aber gutmütigen Kerl, der, wenn es darauf ankommt, sein Herz sprechen lässt. Etwa wenn er seinem Vater Textzeilen von „My Way“ souffliert, der Glanznummer des verlöschenden Charmeurs. Als Ulmens Freundin tritt Felicitas Woll auf, wie gewohnt als kulleräugige gute Seele. Dass die beiden ein Paar sind, glaubt man so wenig wie vieles andere in dem Film, der alles zu einem guten Ende zusammen zwingt. Da geht’s dann wieder ums Verschwinden und ums Wiederfinden. Vergessen ist ja manchmal auch ganz schön.

Volker Mazassek

Lutz arbeitet als Disponent bei der Werttransportfirma Securinox und will bald die Polizeibeamtin Annette, die Tochter seines Chefs Günther heiraten. Mehrmals lässt der etwas linkische und eher scheue Lutz die Gelegenheit zum Heiratsantrag verstreichen. Aber jetzt beim nächsten Securinox-Betriebsfest soll es geschehen.

Da taucht nach elf Jahren Lutz’ Vater Walther auf, ein Schwerenöter, ein Halbkrimineller, ein Nomade, der sich nie um Lutz gekümmert hat. Nun will er sich mit seinem Jungen versöhnen. Aus dem Heiratsantrag wird wieder nichts.

Lutz ist sauer. Er hat für seinen Vater gefühlsmäßig nichts mehr übrig. Umso mehr als Walther Lutz zu einem Raubüberfall und Diamantendiebstahl überreden will. Walther kann dann zwar mit den von ihm geraubten Edelsteinen mehrmals fliehen, doch Lutz ist inzwischen wegen seiner vermeintlichen Straftat in größter Bedrängnis. Auch Annette nimmt Abstand.

Was die Sache noch verschlimmert: Walther leidet an Alzheimer. Oder tut er nur so? Im Altersheim betrügt er die Insassen, dreht ihnen teure Abonnements und falsche Botticellis an. Er sucht sich immer wieder herauszureden, sagt, er habe sein Notizbuch verloren, in dem stehe, wo die gestohlenen Diamanten versteckt seien.

Wie wird das mit Walther, mit den Diamanten, mit dem Notizbuch, mit Annettes vorübergehend verschwundenem Verlobungsring enden?

Wenigstens mit dem Heiratsantrag hatte es in der Zwischenzeit geklappt.

Eine ganz originell erfundene Vater-Sohn-Dramödie, bei der – anders als meist üblich – die Probleme nicht durch den Nachwuchs sondern durch den Alten verursacht werden. Formal geht der Film in Ordnung. Der Witz fehlt durchaus nicht.

Interessant ist die Chose nicht zuletzt durch die beiden Hauptdarsteller. Christian Ulmen als Lutz trifft durchgehend den richtigen Ton, und Michael Gwisdek (als Walther) ist sowieso jedes Mal eine Klasse für sich.

Gefällige Unterhaltung, von zwei ausgezeichneten Akteuren dargeboten.

Thomas Engel