Verlobung auf Umwegen

Nirgendwo geht es rauer, ursprünglicher und irischer zu als auf den Aran-Inseln. Nicht zuletzt davon profitiert die romantische Komödie „Verlobung auf Umwegen“. Denn der Mix aus Road Movie und bewährtem „Fish-out-of-Water“-Szenario besticht vor allem durch die teilweise atemberaubende Kulisse. Die Präsenz der beiden sympathischen Hollywood-Jungstars Amy Adams und Matthew Goode macht die Geschichte um die kontrollsüchtige Wohlstandsamerikanerin Anna, die endlich ihren Traummann heiraten will, kurzweilig und komisch. Selbst wenn das Happy-End vorhersehbar ist.

Webseite: www.kinowelt.de

LEAP YEAR
USA / Irland 2010
Regie: Anand Tucker
Kamera: Newton Thomas Sigle
Darsteller: Amy Adams, Matthew Goode, Adam Scott, John Lithgow, Kaitlin Olson, Peter O’Meara, Michael J. Reynolds, Flaminia Cinque, Catherine Walker, Brian Milligan
Länge: 100 Minuten
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 18. März 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Nach altem irischen Brauch ist der 29. Februar der Tag, an dem die Frauen den Männern einen Heiratsantrag machen dürfen. „The Lady’s Privilege“ nennen die Iren den Schalttag. Für Anna (Amy Adams) scheinbar die letzte Chance. Denn die statusorientierte Yuppiefrau aus Boston wartet seit Jahren darauf, dass ihr Lebenspartner Jeremy (Adam Scott) ein erfolgreicher Kardiologe, ihr endlich einen Heiratsantrag macht. Als der viel beschäftigte Arzt zu einem Kongress nach Dublin fliegt, beschließt sie ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Zielstrebig steigt sie in den nächsten Flieger. Doch statt in Irlands Fair City strandet die eigensinnige Ostküstenlady aufgrund stürmischen Wetters im Nirgendwo, an der Küste gegenüber von Wales. Patschnass schleppt Anna sich und ihren sündteuren Louis Vuitton-Koffer zum nächsten irischen Pub. Dort angekommen, landet die verwöhnte Wohlstandsamerikanerin buchstäblich in einer anderen Welt. Volltrunken fällt ihr der erste Ire vor die Füße. Einen Bus nach Dublin gibt es schon lange nicht mehr, der nächste Bahnhof ist weit und Taxis rar.

Die Perfektionistin, die stets alles unter Kontrolle halten will, gibt freilich nicht auf. Widerwillig bietet ihr der mürrische, verschuldete Pub-Besitzer Declan (Matthew Goode) an für 500 Dollar mit seinem klapprigen Renault in die Hauptstadt zu fahren. Eine turbulente Reise mit Missgeschicken und Hindernissen, auf der beide ihre skurrilen Grabenkämpfe austragen, beginnt. Annas Mission, ihren Freund in den heiligen Hafen der Ehe zu dirigieren droht zu scheitern. Nicht zuletzt der desillusionierte Declan, dessen Verlobte gerade mit seinem besten Freund durchbrannte, findet ihre romantische Anwandlung lächerlich. Doch ihr gemeinsamer Trip verändert einiges.

Die Geschichte wirkt zwar voraussehbar. Denn schließlich muss es trotz allem zwischen dem lässigen Typ in der wollenen Cabanjacke und der hochnäsigen Großstadtpflanze in High Heels irgendwann funken. Das manchmal nicht ganz klischeefreie romantische Abenteuer gewinnt jedoch vor allem durch Amy Adams. Ohne mit der Wimper zu zucken mimt sie die kontrollsüchtige, energische Hauptfigur. Ob sie vor dem höchst amüsierten Declan mit dem Absatz im Kuhfladen stecken bleibt und trotzdem Haltung bewahrt, sein Auto auf einsamer Straße die Böschung hinunterrollen lässt, von einer Burgruine hilflos durch den Schlamm schlittert, oder als Zufallsgast einer Hochzeit beim irischen Tanz der Braut ausgelassen ihre Pumps an die Stirn schleudert. Adams überzeugt in allen noch so absurden Situationen mit linkischen Charme und Tiefgang.

Egal, ob quietschbunte Disney-Prinzessin, unerfahrene Nonne in dem Kirchendrama „Glaubensfrage“ oder White-Trash-Girl. Die 35jährige meistert ihre Rollenwechsel immer mit Bravour. Nach Jahren im provinziellen Dinner-Theater, kaum beachteten TV-Engagements und einer winzigen Nebenrolle in Steven Spielbergs „Catch Me If You Can“ zählt die einstige „Indie-Queen“ aus „Junebug“ inzwischen zu den vielseitigsten Schauspielerinnen Hollywoods. Zudem schuf sie einen neuen Typus der grundoptimistischen Naiven, die bei aller Exaltiertheit immer auch Intelligenz und Charakterfacetten erahnen lässt. Teilweise erinnert ihr Talent an erstklassige Screwball-Komödiantinnen der 30er wie Carole Lombard oder Jean Arthur.

Zum heimlichen Star des Films avanciert zweifellos die Textur der überragenden Naturkulisse. Nicht von ungefähr gelten die Aran Islands, in der Mitte der Bucht von Galway, als das letzte Refugium des keltischen Irlands. Wohl nirgendwo sonst auf der Insel ist die Landschaft so spektakulär, vielseitig und geheimnisvoll. Von der rauen Schönheit vor der Westküste der Grünen Insel, die auf Schritt und Tritt den Eindruck längst vergangener Traditionen vermittelt, profitiert die stimulierende Authentizität des romantischen Roadmovies beträchtlich. Hier scheint die Zeit tatsächlich stehen geblieben zu sein. Die emotionale Reise des ungleichen Paars spiegelt sich so auch in der Motivwahl wider. Eine der Einstellungen am Ende des Films an den schroffen Klippen über dem Atlantik ist schier atemberaubend.

Luitgard Koch

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