Vier minus Drei

Eine extreme, sehr öffentliche Form der Trauerarbeit beschreibt Adrian Goiginger in seinem neuen Film „Vier Minus Drei“ in dem Valerie Pachner brilliert Als Grundlage des Films diente das gleichnamige Memoir von Barbara Pachl-Eberhart, das 2010 erschien, in Österreich viel Aufmerksamkeit erhielt und nun zu einem bewegenden Drama wird.

 

Über den Film

Originaltitel

Vier minus Drei

Deutscher Titel

Vier minus Drei

Produktionsland

AUT,DEU

Filmdauer

120 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Goiginger, Adrian

Verleih

Alamode Filmdistribution oHG

Starttermin

16.04.2026

 

Aus heiterem Himmel verändert sich das Leben von Barbara Pachl-Eberhart (Valerie Pachner), als sie im Auto von einem Unfall hört, der sich unweit von ihrem Wohnort in der österreichischen Provinz zugetragen hat. Auch wenn sie es nicht genau weiß, spürt sie doch, dass ihr Mann Heli (Robert Stadlober) in den Unfall verwickelt ist. Doch nicht nur das, auch die beiden Kinder Fini und Thimo sind betroffen. Im Krankenhaus gibt es zwar noch Hoffnung, dass eins aus dem Koma erwacht, doch bald steht fest: Von der vierköpfigen Familie bleibt nur Barbara übrig.

Alleine ist Barbara mit ihrer Trauer allerdings nicht, Heli konservative Eltern wünschen sich eine gesittete Trauerfeier, doch da haben sie die Rechnung ohne Barbara und die gemeinsamen Freunde und Kollegen des Paares gemacht. Denn das Duo hat als Clown gearbeitet, ist anfangs auf der Straße aufgetreten, später, vor allem um Geld zu verdienen, auch als Krankenhaus-Clown, wo sie vor allem Kindern einen Moment Freude bereitet haben. Dementsprechend bunt und lustig geht es daher auch bei der Beerdigung zu, doch so leicht wird es Barbara nicht fallen, den Tod von Mann und Kindern zu überwinden.

Schon nach ein paar Tagen meldet sie sich zwar wieder bei der Arbeit, doch angesichts ihrer öffentlichen Persona kann sie nicht mehr als Krankenhaus-Clown auftreten. So stürzt sie sich ins Leben, tanzt, versucht mit sexuellen Begegnungen ihre Trauer zu überwinden, zur Sorge ihre besten Freundin Sabine (Stefanie Reinsperger), die Barbara bald mit einem neuen Mann verkuppeln möchte.

Jeder trauert auf seine ganz persönliche Weise, ein für alle Menschen funktionierenden Weg, mit einem schweren Verlust umzugehen, gibt es nicht. Wie es ihr gelang, mit dem Tod von Mann und Kindern umzugehen, hat die Österreicherin Barbara Pachl-Eberhart in ihrem 2010 erschienen Buch beschrieben, das viel Aufmerksamkeit erhielt und zu einem Bestseller wurde.

Dementsprechend war schnell von einer Verfilmung die Rede, es dauerte jedoch eine ganze Weile, bis sich ein Autor/ Regie-Duo fand, dass den schweren und schwierigen Stoff angemessen zu adaptieren wusste.

Der dramaturgische Dreh, den sich Drehbuchautor Senad Halilbasic einfallen ließ ist nun, dass sich die Geschichte nicht nur linear vom Tod Helis und der Kinder entwickelt, sondern in Rückblenden auch die Vorgeschichte erzählt wird. Und diese besteht nicht nur aus rosigen Momenten des Kennenlernens, der ersten Verliebtheit, sondern auch aus Konflikten, vor allem was die Basis des gemeinsamen Lebens angeht. Während Heli – passend besetzt mit Robert Stadlober – seinen Kopf oft etwas in den Wolken trägt, agiert Barbara rationaler, betrachtet das Clownsein weniger als Berufung denn als Beruf. Doch gerade die Möglichkeit, hinter der Maske des Clowns zu verschwinden, ermöglicht es Barbara am Ende in der Manege, nach einer langen Phase der Trauerarbeit, mit sich und ihrem Schicksal ins Reine zu kommen.

Fast droht „Vier Minus Drei“ in diesen Momenten in Kitsch abzudriften, droht Goigninger das Bild des trauernden, weinenden Clowns ein wenig überzustrapazieren. Doch dank Valerie Pachners herausragender Darstellung werden auch solche Momente umschifft. In praktisch jeder Szene ist Pachner zu sehen und verkörpert mit Bravour die mit sich und ihrer Trauer ringende Frau und Mutter, die lange braucht, all die Emotionen zuzulassen, die sich in ihr aufgebaut haben. 

 

Michael Meyns

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