Vierzehn

Schwanger mit vierzehn Jahren. Das ist das Thema von Cornelia Grünbergs Dokumentation, in der vier junge Mädchen von ihren Erfahrungen mit der ungewollten Schwangerschaft, den Reaktionen ihres Umfeldes und den ersten Monaten als Mütter berichten. Ohne zu werten beobachtet Grünberg die Mädchen, die mal unfassbar naiv, dann erstaunlich reif wirken.

Webseite: www.farbfilm-verleih.de

Deutschland 2012 – Dokumentation
Regie, Buch: Cornelia Grünberg
Länge: 90 Minuten
Verleih: farbfilm Verleih
Kinostart: 23. Mai 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Fabienne, Steffi, Lisa und Laura heißen sie, die vier Protagonistinnen von Cornelia Grünbergs Dokumentation. Vier Mädchen, die zwei Dinge verbinden: Sie sind vierzehn und sie sind schwanger. Ob sie mehr verbindet, ob ihre Familienverhältnisse vergleichbar oder völlig unterschiedlich sind, erfährt man dagegen nicht. Der Verzicht auf Hintergrundinformationen, eine Einordnung in gesellschaftliche, soziale Milieus ist offensichtlich bewusst vermieden, was einerseits für eine möglichst objektive, vorurteilslose Herangehensweise an das Thema sorgt, andererseits auch zu Problemen führt.

Gelegentlich zeigt Grünberg die Mädchen in ihrem Umfeld, mit Freunden, bei Ärzten, doch das Gros des Films besteht aus Gesprächen, in denen die Mädchen ohne Scheu über ihr Leben, ihre Träume und vor allem ihre Schwangerschaft berichten. Erschreckend naiv und unbedarft, bisweilen geradezu dumm hört sich das oft an: Die Pille wurde nicht genommen, weil sie dick macht, Kondome nicht benutzt, weil bei einem Mal ja schon nichts passieren wird. Gerne hätte man hier etwas über die Lebensumstände der vier Protagonistinnen erfahren, über ihre Herkunft, ihre Eltern, in denen solche Vorstellungen entstanden sind. Doch in ihrem Bemühen nicht in Klischees zu verfallen, nicht über Verhaltensweisen zu berichten, die für die ein oder andere gesellschaftliche Schicht möglicherweise typisch sind, verzichtet Grünberg gleich auf jeglichen Kontext.

Angesichts der wenigen Momente, in denen die Eltern auftreten, kann man nur ahnen, dass die Mädchen wohl aus halbwegs geordneten Verhältnissen stammen, zumindest jedoch nicht aus zerrütteten Familien, in denen sie mit ihrer Schwangerschaft allein gelassen werden. Im Gegenteil: In der Welt von „Vierzehn“ ist es weitestgehend unproblematisch, dass Kinder selbst Kinder bekommen. Weder die Eltern, noch die Freunde, noch die Väter (sofern sie denn zu Wort kommen), scheinen es besonders merkwürdig zu finden, dass ein junges Mädchen mit 14 Jahren Mutter wird. Dass das nicht der gesellschaftliche Normalzustand ist dürfte auf der Hand liegen. Doch Situationen, in denen ein schwangeres Mädchen an ihrem Schicksal leidet, von den Eltern verstoßen wird, oder sich einfach nur vollkommen überfordert fühlt, zeigt Grünberg nicht.

Einerseits ist ihr nicht wertender Blick, der ohne jedes Vorurteil, ohne Stigmatisierung oder boulevardeske Hysterie auf Teenager-Schwangerschaften blickt, zwar sehr angenehm. Gerade der Wandel von oft naiv wirkenden Mädchen zu Müttern, die erstaunlich souverän mit der Situation umgehen, ist bemerkenswert. Dennoch fragt man sich ein ums andere Mal, ob „Vierzehn“ nicht ein allzu rosiges Bild malt. Exemplarisch ist Cornelia Grünbergs Film sicherlich nicht, dafür sind ihre vier Protagonisten zu homogen ausgewählt. Als Porträt einer Gruppe von Mädchen, die das Glück haben mit ihrer ungewollten Schwangerschaft nicht allein gelassen zu werden, ist „Vierzehn“ aber gelungen.

Michael Meyns

Lisa, Laura, Steffi und Fabienne sind 14 Jahre alt. Sie gehen zur Schule, tun das, was andere Mädchen in diesem Alter auch tun: miteinander quatschen, über Jungs reden, zicken, lernen, sich freuen und vieles andere mehr.

Eine Besonderheit ist ihnen dennoch eigen. So jung sie sind, sie sind bereits schwanger. Das Kind kriegen? Abtreiben? Was sagen die Eltern dazu? Was reden die Leute? Schön, dass alle vier beschließen, ihr Kind zu bekommen. Die damit verbundene äußere und psychische Belastung lässt die Mädchen reifen. Man bekommt es auf der Leinwand mit. Rund zwei Jahre umfasst die beobachtete Zeit.

Laura richtet sich mit ihrem Freund ein. Ein wenig überfordert ist sie schon.

Lisa, eine Mestizin, bringt die Sache am besten über die Bühne. Vom Vater des Kleinen ist bald nichts mehr zu sehen. Sie hat fürs erste von den Männern die Schnauze voll. Doch sie lebt in einer Großfamilie.

Steffi wollte erst unbedingt abtreiben – besann sich dann aber doch. Sie hat ihr Baby. Er heißt Jason. Doch wie wird ihr zukünftiges Leben aussehen?

Fabienne hatte große Sorgen. Ihr Söhnchen kam per Kaiserschnitt zu früh mit einer offenen Bauchdecke zur Welt. Mehrfach musste das Kind operiert werden. Doch jetzt ist sie mit ihrem Freund glücklich, und Valentin geht es gut. Fabienne, die Schönste der vier, will noch mehr Kinder haben.

Ein Dokumentarfilm. Keiner mit erhobenem Zeigefinger und schon gar kein „Aufklärungsfilm“. Eher einer, der in der heutigen Zeit, in der die jungen Menschen mit dem Sex keine Zeit verlieren, die jungen Mädchen daran erinnern kann, dass sie es mit der Verhütung ernst nehmen, dass sie ihre Zukunft nicht allzu früh verbauen sollten, dass sie wahrscheinlich ein besseres Leben haben werden, wenn ihre Jugend und ihre Pubertät richtig ausgeformt sind.
Im Verlauf des Geschehens bildet sich Sympathie mit den Mädchen. Menschlich geht da was. Filmisch geht es wenig sensationell, brav, aber professionell zu.

Natürlich gibt es in der Realität genügend Fälle, die viel dramatischer oder schlimmer ausfallen, dessen muss man sich bewusst sein. Insofern ist eine Einschränkung nötig. Solche Anklänge fehlen hier völlig.

Ein menschlich anrührender Film, der vor allem bei jungen Menschen Interesse finden sollte.

Thomas Engel