Violette

Im Porträt der von Simone de Beauvoir geförderten Schriftstellerin Violette Leduc glänzen gleich zwei französische Darstellerinnen: Emmanuelle Devos als die erst im Alter von 56 Jahren von einer breiteren Leserschaft wahrgenommene Leduc, und Sandrine Kiberlain als deren berühmte Mentorin. Martin Provost hat seinen von Traurigkeit und innerem Schmerz geprägten Film über die Beziehung der beiden Frauen zueinander als ein sehnsüchtiges Streben nach Liebe und Anerkennung angelegt.

Webseite: www.violette-film.de

Frankreich, Belgien 2013
Regie: Martin Provost
Darsteller: Emmanuelle Devos, Sandrine Kiberlain, Olivier Gourmet, Catherine Hiegel, Jacques Bonaffé, Olivier Py
139 Minuten
Verleih: KOOL Filmdistribution
Kinostart neu: 26. Juni 2014

PRESSESTIMMEN:

"Ein hinreißender Film über Violette Leduc und Simone de Beauvoir!"
New York Times

Emmanuelle Devos triumphiert als bahnbrechende feministische Autorin – ein Film von hypnotischer, sinnlicher Sogwirkung!"
Variety

FILMKRITIK:

Schon einmal hat der 1957 in Brest geborene Regisseur und Schauspieler Martin Provost mit dem Porträt (einer hierzulande) nahezu unbekannten Künstlerin einen Coup gelandet. Sieben Césars kassierte sein 2008 entstander „Séraphine“ mit der grandiosen Yolande Moreau in der Rolle der Malerin Séraphine Senlis. In „Violette“, der Geschichte der von Simone de Beauvoir geförderten Schriftstellerin Violette Leduc, der im November 2013 im Rahmen der Französischen Filmtage Tübingen/Stuttgart seine Deutschlandpremiere feiern durfte, sind es nun gleich zwei Darstellerinnen, die dazu einladen, eine Autorin zu entdecken, die anfangs übersehen, später dann aber regelrecht vergöttert wurde – in Frankreich zumindest. Ihren schriftstellerischen Durchbruch erlebte Leduc jedenfalls erst 1965 im Alter von 56 Jahren mit ihrem autobiografischen Roman „Der Bastard“. Provost Film setzt rund 20 Jahre früher an.

Unterteilt ist „Violette“ in sieben Kapitel, benannt nach Personen oder Orten, die im Leben der 1907 im nördlichen französischen Departement Pas de Calais geborenen Leduc eine wichtige Rolle spielten. So, wie die Jahre der Filmhandlung auch geschichtlich eine düstere und dunkle Zeitperiode markierten, sind auch, ganz dem Gemüt der Hauptdarstellerin, die Szenen nur spärlich ausgeleuchtet, der Schatten auf dem Herzen dieser sich stets minderwertig und ungeliebt fühlenden, trotzdem aber von Poesie und Leidenschaft erfüllten Frau immer spürbar. Die Filmmusik von Arvo Pärt unterstreicht diese Stimmung exzellent.

Emmanuelle Devos – auch sie in Deutschland bislang noch wenig bekannt, zuletzt sah man sie 2010 in Alain Resnais’ „Vorsicht Sehnsucht“ – neigt in ihrer Rolle der mitunter störrischen und eigensinnigen Violette Leduc, einer unehelich geborenen Frau aus einfachen Verhältnissen, manchmal auch zu verbaler Aggressivität. Fasziniert von einem Buch von Simone de Beauvoir sucht sie kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Paris auf schüchtern verstohlene Weise den Kontakt zu ihrem Idol. Beauvoir ermutigt die lange Zeit mit Lebensmitteln auf dem Tauschmarkt handelnde Violette (einmal schenkt sie de Beauvoir Foie Gras und Camembert), ihre Gefühle zu Papier zu bringen, stellt den Kontakt zu Größen wie Albert Camus, Jean Genet und Jean-Paul Sartre her. Einen weiteren Förderer findet Leduc aber im homosexuellen Industriellen Jacques Guérin (Olivier Gourmet). Groß ist die Enttäuschung bei Leduc, als die selbstbewusst von Sandrine Kiberlain gespielte Simone de Beauvoir sie weniger als ihre Freundin bezeichnet, sondern vielmehr als „eine Aufgabe“, die es um der Literatur willen zu fördern gelte. Leduc hingegen hatte Simone de Beauvoir nicht nur als feministische Schriftstellerin und wegen ihres Intellekts bewundert, sondern sie auch in sexueller Hinsicht angehimmelt.

Wie de Beauvoir war auch Leduc eine Pionierin, die unverhohlen über persönliche und intime Erlebnisse und Gefühle schrieb. Mit dem Unterschied allerdings, dass es ihr nie gelang, den Blick auf sich selbst zu ändern. Martin Provost skizziert nicht nur nach das entbehrungsreiche Leben seiner von Armut und persönlicher Unzufriedenheit getriebenen Protagonistin nach, er findet auch einen Ausweg aus der das Leiden bebildernden Tristesse. Indem er den Spuren seiner Hauptfigur folgt, landet er zwangsläufig in der Provence, wo zum Ende hin die Sonne scheint – auch für Leduc und ihr autobiografisches Buch „Der Bastard“.

Thomas Volkmann