Vive la France – Gesprengt wird später

Den Eiffelturm sprengen, um endlich bekannt zu werden. Das ist der groteske Plan des Herrschers von Taboulistan, den Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Michelle Youn in seinem Film „Vive la France – Gesprengt wird später“ durchspielt. Oft purer, alberner Klamauk, gelingt es Youn doch auch, sich auf pointierte Weise über die Eigenheiten der Franzosen lustig zu machen, so dass am Ende eine bunte, amüsante Ode an französische Lebensart herauskommt.

Webseite: www.vivelanfrance-derfilm.de

Frankreich 2012
Regie: Michael Youn
Buch: Michael Youn, Dominique Gauriaud, Jurij Prette
Darsteller: José Garcia, Michael Youn, Isabelle Funaro, Ary Abittan, Jérôme Commandeur, Vincent Moscato
Länge: 95 Minuten, FSK: ab 12 J.
Verleih: polyband Medien, Vertrieb: 24 Bilder
Kinostart: 31. Oktober 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Taboulistan, irgendwo zwischen Afghanistan, Kirgisistan und Tadschikistan gelegen, aber so klein und unbedeutend, dass niemand es kennt. Die Traditionen sind rustikal (und beinhalten oft das Ohrfeigen von Frauen), die Landschaft karg und selbst das Rezept für das Nationalgericht Taboulé haben die Libanesen gestohlen. Da kommt der Sohn des Diktators Adadat Ouechmagül auf eine geniale Idee: Ein Terroranschlag soll das Land bekannt machen und als Ziel soll der Eiffelturm herhalten.

Mit den beiden Ziegenhirten Muzafar (José Garcia) und Feruz (Michelle Youn) sind schnell zwei „Freiwillige“ gefunden, die sich nach einiger Überredung für die Mission bereit erklären. Mit dem Expressbus Kabul-Istanbul kommen sie in der türkischen Hauptstadt an, besteigen einen Flug nach Paris – und landen in Korsika. Ein Streik verhinderte den Flug nach Paris und so müssen sich die beiden unfreiwilligen Helden mit den Eigenheiten der stolzen Korsen herumschlagen. Empört weisen diese zurück, für Franzosen gehalten werden, doch immerhin helfen ein paar korsische Separatisten Muzafar und Feruz aufs Festland.

Dort trifft das Duo bald auf die Fernsehjournalistin Marianne (Isabelle Funaro), die als leibgewordene Repräsentantin der Grande Nation eine Art Reise- und vor allem Lebensführerin wird: Auf einer kleinen Tour de France kommen die verhinderten Terroristen an wunderbaren Landschaften und malerischen Orten vorbei, treffen trinkfreudige Ärzte, wütende Fußballfans und lernen die ganze Vielfalt französischer Lebensart kennen: trinken, tanzen, Zeche prellen, den 14. Juli und die Ménage á trois.

Anfangs wirkt „Vive la France“ wie ein etwas billiger „Borat“-Verschnitt, muten die überzeichnet tumben Einwohner Taboulistans wie eine unglückliche Karikatur zentralasiatischer Klischees an. Doch spätestens wenn die beiden Helden sich mit den jeweiligen Besonderheiten französischer Regionen auseinandersetzen müssen, beginnt Michellen Youns Film, Qualitäten zu entwickeln. Der Terrorplot ist nur noch loser Hintergrund, der am Ende auf originelle Weise aufgelöst wird (keine Sorge: Der Eiffelturm bleibt stehen!), doch der Schwerpunkt liegt fortan auf den liebevollen dargestellten Eigenarten Frankreichs.

Passenderweise fällt die Reise des Duos auch noch in die Tage um den Nationalfeiertag, was natürlich besonders guter Anlass ist, Muzafar und Feruz mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten zu verwöhnen und sie von Vielfalt des französischen Weins probieren zu lassen. Ganz nebenbei gelingen Youn hübsche Spitzen gegen die Ausländerpolitik Frankreichs, die Lust der Nation an Streiks und anderen Macken und Besonderheiten. Das Ergebnis ist ein sehr amüsanter Clash der Kulturen, der auf selbstironische Weise die Grande Nation feiert.

Michael Meyns