Was weg is, is weg

Aus dem Umfeld des bayerischen Vielfilmers Marcus Rosenmüller kommt dieser schöne Heimatfilm. Angesiedelt im Tschernobyl-Jahr 1986 erzählt Christian Lerch in seinem Debütfilm „Was weg is, is weg“ von drei Brüdern, Umweltaktivisten, Familienstreitigkeiten und allerlei anderem in einer gelungenen Mischung aus Witz und Nostalgie.

Webseite: www.senator.de

Deutschland 2011
Regie, Buch: Christian Lerch
Darsteller: Florian Brückner, Maximilian Brückner, Mathias Kellner, Johanna Bittenbinder, Nina Proll
Länge: 88 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart: 22. März 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Bayern 1968. Auf dem Hof der Familie Baumgarten ist einmal mehr viel los: Bauer Johann verteidigt den Einsatz von Kunstdünger, die drei Brüder Lukas, Hansi und Paul toben herum und Onkel Sepp steht vor der Einweihung seiner neuesten Erfindung: Lange bevor das Thema auch für den Rest der Welt (von der bayerischen ganz zu schweigen) relevant wird, hat er eine Maschine zur alternativen Energiegewinnung entwickelt. Doch beim Versuch, das Wunderwerk einzuschalten, kommt es zum Kurzschluss, Sepp fällt von der Leiter und bleibt bewusstlos liegen.

Ein Zahlendreher später: Bayern 1986. Auf dem Hof der Familie Baumgarten ist nicht mehr sehr viel los. Sepp liegt im Koma und wird von seiner Schwester Erika (Johanna Bittenbinder) gepflegt. Deren Mann Johann (Heinz-Josef Braun) hält den Hof zwar noch am Leben, befürchtet aber vor allem, dass demnächst der Russe einmarschiert. Die drei Söhne wiederum gehen eigene Wege: Paul (Mathias Kellner), ist sehr beleibt, leicht wunderlich und arbeitet beim örtlichen Gastwirt und Metzger Much (Jürgen Tronkel) und der Wirtin Gini (Nina Proll). Während Hansi (Maximilian Brückner) sich als Versicherungsmakler versucht und mit Vokuhila-Frisur durchs Dorf rast, hat Lukas (Florian Brückner) hehrere Ziele: Er will zu Greenpeace auf ein Schiff, die Welt retten. An dem schönen Morgen, als die Geschichte beginnt, findet er allerdings die hübsche Luisa (Marie Leuenberger) in seinem Bad vor, die nach seiner Abschiedsparty zurückgeblieben ist.

Dieses große Aufgebot an Figuren schickt Christian Lerch durch ein Wust an Verwicklungen, das abgeschnittene Arme, umfallende Strommasten, sich anbahnende Beziehungen und einige Wunder beinhaltet, dabei aber doch immer das eigentliche Thema im Auge behält: Die Familie. Besonders die Söhne Hansi und Lukas sind zu Beginn des Films sowohl emotional als auch geographisch weit von ihren Eltern und dem Hof, auf dem sie aufgewachsen sind, entfernt. In immer engeren Kreisen führen die Haken der absurden, aber nie albernen Geschichte sie näher an den Hof heran. Es kommt zu wütenden Aussprachen, leisem Nachdenken über die eingeschlagenen Lebenswege und der schleichenden Erkenntnis, dass man auch in der Heimat die Welt verändern kann. Nicht alles wird am Ende gut, dafür hat Christian Lerch bei seinen Auftritten in Rosenmüller-Filmen offensichtlich zu gut aufgepasst.

Nicht nur Kameramann, Szenen- und Kostümbildner – und natürlich viele Schauspieler – borgte sich Lerch vom momentanen Ideal für bayerische, eigentlich muss man sagen deutsche Heimatfilme, auch die Mischung aus grotesk angehauchtem Humor und melancholischer Nachdenklichkeit ist hier zu finden. Und so ist „Was weg is, is weg“ erneut ein sehr schöner Film aus und über Bayern, der zwar einerseits typisch bayrisch ist (inklusive markantem Dialekt, der allerdings nur in ganz wenigen Szenen so extrem ist, das er für nicht Muttersprachler unverständlich wird), andererseits aber eine universelle Geschichte über Familie und Heimat erzählt.

Michael Meyns

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