Weapons – Die Stunde des Verschwindens

Einiges Aufsehen erregte der als Schauspieler bekannt gewordene, inzwischen aber auch als Filmemacher aktive Zach Cregger 2022 mit seinem unkonventionell erzählten Horrorthriller „Barbarian“. Ein beachtlicher Hype ist nun auch um sein nächstes Gruselprojekt entstanden, das hierzulande auf den umständlichen Titel „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ hört. Sein Gespür für packend-unheimliche Setups und sein inszenatorisches Talent stellt der US-Amerikaner darin erneut unter Beweis. Ähnliche Schwächen wie in seinem Vorgänger sind jedoch ebenfalls auszumachen.

 

Über den Film

Originaltitel

Weapons

Deutscher Titel

Weapons – Die Stunde des Verschwindens

Produktionsland

USA

Filmdauer

120 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Cregger, Zach

Verleih

Warner Bros. Entertainment GmbH

Starttermin

07.08.2025

 

„Wo sind all die Kinder hin?“, fragen sich die Bewohner der US-Kleinstadt Maybrook, die seit einer verhängnisvollen Nacht nicht mehr zur Ruhe kommt. Um exakt 2:17 Uhr verließen 17 Schüler derselben Klasse ihre Betten, gingen vor die Häuser und verschwanden spurlos in der Dunkelheit. Videos des mysteriösen Ereignisses, aufgenommen von manchen Türkameras, gehen seither um und zeigen junge Menschen, die wie in Trance mit erhobenen, ausgestreckten Armen auf irgendetwas zuzulaufen scheinen.

Die eigentliche Handlung setzt ein, als die vorübergehend geschlossene Grundschule ihre Pforten wieder öffnet. Eine Versammlung, auf der über das Geschehen diskutiert wird, nimmt schnell einen hitzigen Verlauf. Im Visier der elterlichen Wut: die junge Lehrerin Justine Gandy (Julia Garner), die eben jene Klasse betreute, die bis auf den kleinen Alex Lilly (Cary Christopher) wie vom Erdboden verschluckt ist. Vor allem Bauunternehmer Archer Graff (Josh Brolin) tut sich als Ankläger hervor. Justine habe mit dem Verschwinden zu tun und solle endlich verraten, was mit den Kindern passiert sei.

Wie der Mensch gestrickt ist, unterstreicht der Film pointiert am Verhalten der Betroffenen, die in ihrer Verzweiflung nach Antworten schreien, die irgendetwas suchen, woran sie sich festklammern können, womit das Unerklärliche zumindest ein bisschen Sinn bekommt. Gandy lässt die Anschuldigungen allerdings an sich abprallen – und erfährt deshalb erst recht Hass und Gegenwind.

Soweit die Ausgangslage von „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“, die Zach Cregger dann aber nicht nur nutzt, um von einer Hetzjagd auf die Lehrerin zu erzählen. Ähnlich wie in seiner vorangegangenen Regiearbeit „Barbarian“, die das Publikum mit einigen drastischen Perspektivwechseln überrascht, bricht der Filmemacher die klassische Hollywood-Dramaturgie auf. Unterteilt ist seine neue Schauermär in verschiedene Kapitel, die jeweils den Blickwinkel einer anderen Figur einnehmen und manche bereits bekannte Szenen noch einmal aus leicht veränderter Sicht zeigen.

Das Reizvolle an der puzzleartigen, von Paul Thomas Andersons Episodenfilm „Magnolia“ inspirierten Struktur: Nach und nach setzt sich ein kleinstädtisches Panorama zusammen, in dem immer mehr Lügen und toxische Verhaltensweisen zu Tage treten. Streifenpolizist Paul Morgan (Alden Ehrenreich) etwa belügt Justine über seinen aktuellen Beziehungsstatus und bringt sie dadurch in Schwierigkeiten. Archers vermisster Sohn Matthew (Luke Speakman) wiederum setzte seinem Klassenkameraden Alex in der Schule früher regelmäßig zu.

Schon das Geheimnis im Zentrum der Geschichte sorgt für eine unbehagliche Grundstimmung, die der Regisseur geschickt anzufachen versteht. Ab und an lässt er sich allerdings zu einem Griff in die Klischeekiste verleiten. Knallige Geisterbahnschocks, die bevorzugt in Albträumen einzelner Charaktere auftauchen, braucht es eigentlich nicht, um die Zuschauer in Unruhe zu versetzen. Viel gruseliger als die altbekannten Buh-Effekte ist zum Beispiel der Anblick der in die Nacht entschwindenden 17 Kinder.

Creggers inszenatorisches Können zeigt sich auch in einigen ungemein druckvollen Konfrontationen und Verfolgungsjagden, die nicht zuletzt von einer unnachgiebig wummernden Musikuntermalung profitieren. „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ baut phasenweise eine enorme Intensität auf.

Probleme kriegt der Film ab dem Moment, wo er langsam auf die nicht übermäßig originelle Auflösung des zentralen Rätsels zusteuert. Packende Sequenzen gibt es zwar weiterhin. Mit dem Auftreten einer betont exzentrisch gezeichneten Figur kippt das Ganze aber mehr und mehr in Richtung absurder, blutgetränkter Eskalationen. Humor und Schrecken sind dabei nicht immer optimal aufeinander abgestimmt. Was man Cregger außerdem vorwerfen kann: Sein Film reißt viele Themen und Gedanken an, hat am Ende aber nur wenig Handfestes zu sagen. Nichtsdestotrotz sollte man den weiteren Werdegang dieses experimentierfreudigen, mutigen Horrorliebhabers genauer im Auge behalten. Überraschungen dürften garantiert sein!

 

Christopher Diekhaus

Mehr lesen

Neuste Filmkritiken

ℹ️ Die Inhalte von programmkino.de sind nur für die persönliche Information bestimmt. Weitergabe und gewerbliche Nutzung sind untersagt. Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Filmkritiken dürfen ausschließlich von Mitgliedern der AG Kino-Gilde für ihre Publikationen verwendet werden.