Wenn wir zusammen sind

Auch in Deutschland ist Marc Levy ein Erfolgsautor der leichten Unterhaltungsliteratur. Seine Schwester Lorraine – Drehbuchautorin leichter Unterhaltungsfilme – inszenierte nun die Filmversion von „Wenn wir zusammen sind“, die, wie könnte es anders sein, ein leichter Unterhaltungsfilm geworden ist, nicht mehr und nicht weniger. Es ist die Geschichte zweier alleinerziehender Väter, die im französischen Viertel von London eine Wohngemeinschaft gründen.

Webseite: www.arsenalfilm.de

OT: Mes amis, mes amours
Frankreich 2008, 99 Minuten
Regie: Lorraine Lévy
Drehbuch: Lorraine Lévy, Marc Levy, Philippe Guez
Kamera: Emmanuel Soyer
Schnitt: Sophie Reine
Musik: Sébastien Chauchois
Darsteller: Vincent Lindon, Pascal Elbé, Virginie Ledoyen, Florence Foresti, Bernadette Lafont, Mar Sodupe
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kinostart: 19. November 2009
 

PRESSESTIMMEN:

"Männerwirtschaft" auf Französisch: so erfrischend und leicht wie ein kühler Weißwein.
Cinema

FILMKRITIK:

Die Kunst der romantischen Komödie (wie aller klassischen Genres) liegt in keinem Fall darin, besonders originell zu sein oder gar von den zu erwartenden Mustern abzuweichen. Die füreinander Bestimmten kommen am Ende nicht zusammen? Undenkbar! Die zahlreichen Hindernisse, die im Lauf der Erzählung das Zusammenkommen hinauszögern, verhindern eben dieses? Unvorstellbar! Jeder halbwegs aufnahmefähige Besucher einer klassischen romantischen Komödie weiß nach spätestens 20 Minuten, welcher Mann bzw. welche Frau der oder die richtige für den Helden oder die Heldin ist. Die Frage ist also nicht ob, sondern wie dieses designierte Paar zueinander findet. Die Kunst von Autor und Regisseur liegt wiederum darin, diese Strukturen einzuhalten, die Erwatungen zu erfüllen, sie aber gleichzeitig genug zu variieren, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Was also machen die Geschwister Levy in diesem Film?

Die Ausgangssituation ist zunächst einmal nicht schlecht: Die beiden allein erziehenden Väter Mathias und Antoine sind seit Jahren die besten Freunde. Antoine lebt inzwischen in London und bietet Mathias an, mit ihm zusammenzuziehen, um endlich über die gescheiterte Ehe hinwegzukommen. Den passenden Job hat er auch gleich parat: Matias kann ein fremdsprachiges Buchgeschäft übernehmen. Und so kommt es auch. Die beiden Kinder – natürlich ein Junge und ein Mädchen – verstehen sich blendend, die Männer harmonieren (zunächst) und auch die Nachbarn sind eine Freude. Denn hier verschenkt der Film gleich die Möglichkeit eines potentiell interessanten Nebenschauplatzes: Matias und Antoine wohnen zwar in London, doch mit der Realität der britischen Metropole hat die dargestellte Filmwelt rein gar nichts zu tun. Die Straße, in der fast der gesamte Film spielt, ist eine fiktive Parallelwelt, ein Viertel Londons dominiert von Exil-Franzosen, die keinen Kontakt mit den Einheimischen haben. Womit auch jede komödiantische Möglichkeit des Aufeinanderpralls der Kulturen verschenkt wird. Stattdessen trifft Matias auf die Journalistin Audrey, mit der er am Ende des Films ebenso wie Antoine mit einer Frau, die ihm schon viel zu lange nicht aufgefallen ist, die notwendigen neuen Paare bilden wird.

Das größte Hindernis, dass der Film der neuen Liebe entgegensetzt (also die Variation des Bekannten) sind in diesem Fall die Regeln, die die männliche Hausgemeinschaft beschlossen hat. Und da heißt es zum Beispiel auch „Keine Frau im Haus.“ Selbst für eine romantische Komödie ist das ein etwas flaues Konzept und dementsprechend plätschert die Geschichte dann doch etwas sehr ihrem Ende entgegen. Das ist alles nett und hübsch, die Schauspieler bemühen sich redlich, bisweilen gelingt auch mal eine recht überraschende Pointe, am Ende bleibt „Wenn wir zusammen sind“ aber ein sehr leichter Unterhaltungsfilm. Womit er die Intentionen der Geschwister Levy allerdings auch erfüllen dürfte.

Michael Meyns

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