What Happiness is – Auf der Suche nach dem Glück

Im asiatischen Kleinstaat Bhutan ist Glück ein Nationalziel, was das Land zu einem Vorbild für den Rest der Welt machen könnte. Der österreichische Regisseur Harald Friedl begleitet in seiner Dokumentation „What Happiness Is“ Empiriker, die in abgelegenen Bergdörfern Antworten auf die Frage suchen, was die Einwohner Bhutans glücklich macht. Ein Ergebnis finden sie zwar nicht, aufschlussreich ist ihre Suche dennoch.

Webseite: www.whathappinessis.de

Österreich 2012 – Dokumentation
Regie, Buch: Harald Friedl
Länge: 87 Minuten
Verleih: Kinostar
Kinostart: 1. August 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Hoch im Himalaya, eingequetscht zwischen Indien und China, liegt das Königreich Bhutan. Lange von der Außenwelt abgeschottet, hat sich das Land in den letzten Jahren etwas mehr dem Ausland geöffnet, demokratische Strukturen eingeführt und vor allem durch eine Besonderheit der Verfassung Aufmerksamkeit erregt: Das so genannte Bruttonationalglück ist als nationales Ziel festgeschrieben. Zwar ist das Streben nach Glück oder Zufriedenheit, seit es in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung als eines der unverbrüchlichen Menschenrechte bezeichnet wurde, Teil vieler Verfassungen, doch Papier ist bekanntermaßen geduldig. Einklagbar war Glück nie und kann es aus nachvollziehbaren Gründen auch kaum sein. Denn Glück ist ein subjektives Empfinden, das von vielen Faktoren abhängig ist.

Wenn da etwa eine Frau, die in einem abgelegenen Dorf im Himalaya lebt auf die Frage, was sie glücklich macht antwortet: „Der Handymast, der uns den Kontakt zur Außenwelt ermöglicht“, dann darf man davon ausgehen, dass kein Mensch in Deutschland diese Antwort teilen würde. Und das ist letztlich auch die Krux beim Bemühen, mit soziologischen, empirischen Methoden das Glücksgefühl der Bevölkerung festzustellen.
Genau dies aber passiert in Bhutan, was dem Staat zunehmende Aufmerksamkeit beschert. Allein im letzten Jahr wurde das bhutanische Bruttonationalglück in Dokumentationen wie „Die Ökonomie des Glücks“ oder „Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ erwähnt und als beispielhafte Lebenseinstellung bezeichnet. Der Österreicher Harald Friedl stellt Bhutan nun in den Mittelpunkt seiner Dokumentation und begleitet einheimische Empiriker in Dörfer und Berge, wo ausgewählte Bewohner interviewt werden. Ziel der Untersuchung ist festzustellen, wie glücklich die Menschen sind und vor allem, was sie glücklich macht, um damit die politischen Entscheidungen auf das Wohlbefinden der Bevölkerung abzustimmen. Anhand der vier Säulen „Konstante und gerechte Wirtschaft“, „Umweltschutz“, eine „gute Regierung“ und „Schutz und Unterstützung kultureller Werte“ soll die „Gross National Happiness“ (GNH) gemessen werden.

Doch was im Ansatz wie ein großartiger Gedanke wirkt, erscheint bei genauerem Hinsehen als kaum durchführbar. Denn was kommt nach dem Handymast? Ein modernes Handy, dann ein Smartphone, dann ein iPhone 5 und dann? Auf der einen Seite ist es wohl das Glück Bhutans, das es so lange von der Außenwelt abgeschottet, relativ frei von der westlichen Moderne war. Vermutlich gibt es weltweit nicht mehr viele Hauptstädte, in denen man wie in Bhutans Thimpu weder Starbucks noch McDonalds findet, doch diese Zeit wird wohl bald vorbei sein.

Wie alle Gesellschaften wird sich auch die bhutanische kaum von dem urmenschlichen Trieb nach Wachstum, nach Neuem, nach „mehr“, frei machen können, wird sich auch hier „Glück“ zunehmend nach materiellen Dingen richten. So ist Harald Friedls „What Happiness Is“ nicht nur die Suche nach einer Antwort auf eine Frage, die nicht zu beantworten ist, sondern auch die Momentaufnahme einer fast schon utopisch wirkenden Gesellschaft. Gerade das macht sie für einen des Kapitalismus müden Westler so faszinierend, doch gerade dieses Interesse des Westlers wird wohl unweigerlich dazu beitragen, dass sich auch Bhutan verändert und sehr bald auch ein Bhutaner nicht mehr über einen Handymast glücklich ist.

Michael Meyns

Jahrhundertelang glaubten die Europäer, sie seien das Zentrum der Welt. Das war ein Irrtum. Denn Hochkulturen gab es in allen Erdteilen und zu allen Zeiten. Im Zeitalter der Kommunikation erkennt man das immer mehr. Ist nicht beispielsweise der Buddhismus religionsgeschichtlich mit dem Europa prägenden Christentum vergleichbar?

In Bhutan etwa, einem kleinen Himalaya-Staat zwischen Indien und China. Dort sucht man zu vermehren, was man Glück nennt. Es gibt in der Verfassung den Begriff des Bruttonationalglücks. Und in der Regierung des Landes ein Ministerium, das sich damit befasst. 7000 Menschen wurden durch Beamte über das Glück befragt. Hunderte von Fragen, Tausende von Antworten.

Das ging vom Tabak bis zur Waschmaschine, von der Gesundheit bis zum Einkommen, vom Ehebruch bis zu den Ratten, vom Wohlbefinden bis zur Toilette, vom Lügen bis zu den Kondomen, vom Wohlbefinden bis zu den Wellblechdächern, von den Geistern bis zum Aberglauben, von den Dämonen bis zum Tod, von der Monatsblutung bis zur Astrologie, von den Ärzten bis zum Handy, von den fehlenden Straßen bis zum Internet.

Die Interviewer gingen dabei ganz schön hartnäckig vor.

Der Zweck des Ganzen: Das Land soll nicht von oben her regiert werden, sondern der erwünschte Glückszustand der Bewohner soll von vornherein die Richtung und die behördlichen Methoden angeben.

Die Hälfte des gebirgigen Landes steht unter Naturschutz. Hotelketten sind nicht erlaubt.

Die Arbeit der Regierung wird im Wesentlichen als gut beurteilt. 41 Prozent der Menschen schätzen sich glücklich, die Männer glücklicher als die Frauen, die Jungen glücklicher als die Alten, die Singles glücklicher als die Verheirateten, die Gebildeten glücklicher als die Ungebildeten.

Dazwischen in dem Film immer wieder auflockernde Naturaufnahmen und alltägliche Lebenssituationen. Bhutan wie es leibt und lebt.

Ein interessanter Kasus dieser Film. Eine Angelegenheit, aus der man psychologisch und materiell einiges ziehen kann. Natürlich ist „Glück“ eine relative Sache. Aber Bhutan geht zur möglichen Existenzverbesserung eben diesen Weg. Vielleicht sogar zur Nachahmung empfohlen.

Thomas Engel