Where’s the Beer and when do we get paid?

„I’m the Indian of the group“ war der Satz, mit dem Jimmy Carl Black sich vorstellte. Doch das ist lange her, seine beste Zeit, als der Drummer mit Frank Zappa spielte und berühmt wurde, lange vorbei. Wie und warum der Musiker seinen Lebensabend in Bayern verbrachte erzählt das Regie-Duo Sigrun Köhler und Wiltrud Baier in einer Dokumentation, die meist angenehm unaufgeregt mäandert und vor allem für Fans des Musikers viel Interessantes bereithält.

Webseite: www.wheresthebeer.de

Deutschland 2012 – Dokumentation
Regie, Buch: Sigrun Köhler & Wiltrud Baier
Länge: 86 Minuten
Verleih: Böller & Brot
Kinostart: 29. August 2013

PRESSESTIMMEN:

"Ein rührendes, oft witziges Porträt eines Musikers, der es nie ganz ins Rampenlicht schaffte und dennoch zufrieden auf ein spannendes Leben zurückblickte."
Der Spiegel

"Ein lustig-melancholisches Roadmovie über das Leben als Mucker."
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Er ist zwar nicht so berühmt wie Ringo Starr, Keith Moon, Charlie Watts oder Lars Ulrich, doch in bestimmten Kreisen hat Jimmy Carl Black einen legendären Ruf. In erster Linie wegen der fünf Jahre, die er zwischen 1964 und 1969 als Drummer der Mothers of Invention agierte, jener Band, die den Weltruhm von Frank Zappa begründete. Relative Berühmtheit hat Black zwar errungen, reich hat ihn die Musik aber nicht gemacht. Auch deswegen verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens in der bayerischen Provinz, im tiefsten Südosten der Republik, in einem kleinen Nest namens Siegsdorf. Dort lebt er seit zehn Jahren mit seiner deutschen Frau, die er ganz stilecht nach einem Konzert kennen lernte, wie vermutlich unzählige Groupies zuvor mitnahm und dann – und hier wird es ungewöhnlich – heiratete.

So fährt Black nun mit der deutschen Bahn zu den Konzerten in winzigen Clubs, die er auch mit fast 70 noch spielte, spielen musste, denn reich ist er wie gesagt nicht geworden. Die letzten zwei Jahre seines Lebens (Black starb 2008, kurz nach Beendigung der Dreharbeiten zu diesem Film) wurde er immer wieder vom Regieduo Sigrun Köhler und Wiltrud Baier begleitet, die dem Musiker nun die schön betitelte Dokumentation „Where’s the Beer and when do we get paid?“ widmen.

Schon der Kontrast zwischen einem amerikanischen Musiker, der zu seinen besten Zeiten in typischer Rock n Roll Manier um die Welt tourte und dem beschaulichen, eindrucksvollen Panorama der bayerischen Alpen ist sehenswert. Bisweilen wirkt Jimmy Carl Black in dieser Kulisse wie ein Außerirdischer, betonen die Regisseurinnen die Absurdität dieser ungewöhnlichen Paarung. Einheimische Musiker, vor allem natürlich Schlagzeuger werden nach ihrer Meinung zu Frank Zappa und den Mothers of Invention befragt, doch der intendierte Gegensatz bleibt im Ansatz stecken. Ebenso wie manche anderen der vielen Aspekte, die Köhler und Baier anreißen, aber nicht weiterführen: Kurz erfährt man etwas über Blacks Karriere nach den Mothers, aber auch nicht wirklich viel, mal berichten ehemalige Bandkollegen Interessantes über das schwierige Verhältnis zu Frank Zappa, doch bevor es wirklich aufschlussreich wird, schneiden die Regisseurinnen weg.

So wirkt „Where’s the Beer and when do we get paid?“ oft etwas unfokussiert und ziellos, ist der Film im Ergebnis zum teil biographischer Film, ungewöhnlicher Heimatfilm, Film über die eher dunklen Seiten des Musikgeschäfts und immer wieder Hommage an einen unerschütterlichen Musiker. Für Fans der Mothers of Invention im Allgemeinen und Jimmy Carl Black im Besonderen ist Sigrun Köhlers und Wiltrud Baiers Dokumentation allerdings ohne Frage ein gefundenes Fressen: Gerade die Aufnahmen von Blacks letzter Tour in Amerika, Interviews mit ehemaligen Bandkollegen und Vignetten von Blacks Leben in Bayern verleihen „Where’s the Beer and when do we get paid?“ genügend interessante Momente, die das Fanherz höher schlagen lassen.

Michael Meyns

Jimmy Carl Black – ist er tatsächlich indianischen Ursprungs, wie alle sagen? Auf jeden Fall ist (oder war) er ein erratischer Block im bayerischen Höpfling und einer der bekanntesten und angesehensten Schlagzeuger der Welt.

Ganz jung ist er nun nicht mehr, seit zehn Jahren mit „Moni“ verheiratet und Absolvierer von Chemotherapie.

Beim legendären Frank Zappa, berühmt und berüchtigt durch seine Musik und zweifelhaften Texte, war er jahrelang Schlagzeuger. Tourneen gingen um die halbe Welt.
„Kommt zu mir, ich mach euch berühmt und reich“, sagte Zappa zu Jimmy und seinen Mitmusikern. Berühmt sind sie geworden, reich nicht. Im Gegenteil. Im Wesentlichen aus finanziellen Gründen gab Zappa auf. Ob alles mit rechten Dingen zuging, weiß man nicht.

„Wo ist das Bier, und wann werden wir bezahlt?“ Der Spruch wird Jimmy Black zugeschrieben. Er würde schon lange gerne in Rente gehen, aber er muss Geld verdienen. Also jetzt noch Konzerte. Beispielsweise in den USA: eine 39-Konzerte-Tour in 16 Staaten. Zuviel für Jimmy Black. „Ein mieser Job.“ Alle Hotelzimmer gleich.

Er trifft auf frühere Kollegen, Erinnerungen und Sprüche werden ausgetauscht. „Kunst ist Diebstahl“, sagen sie – weil einer vom andern kopiert.

Dann bayerische Szenen: das herrliche, mit der Kamera schön eingefangene Voralpenland. Da wohnen Menschen, die mit Frank Zappa nicht viel zu tun haben. Ein Kind will nicht die „Mothers of Invention“, sondern „S’Mühlradl“ hören. Jimmy liebt die Berge, „aber von unten“, sagt seine Frau Moni.

Einen Anzug will er sich nur fürs Grab kaufen, meint der Schlagzeuger. Auch eine bayerische Lederhose.

Es kam nicht mehr dazu. Jimmy Carl Black ist vor noch nicht langer Zeit an Lungenkrebs gestorben.

Über seine erste Frau Husta spricht er nicht. Ein zu wunder Punkt in seinem Leben.
Rock, Pop, Soul auf der einen, Trachtenmusik auf der anderen Seite – so die Musik des Films.

Die beiden Regisseurinnen haben den musikalisch und menschlich außergewöhnlichen Mann überallhin begleitet. Sie lieferten einen formal einfachen, aber sympathischen Film über einen noch sympathischeren Kerl ab.

Thomas Engel