Wickie und die starken Männer

Nach Western, Weltraumsagen und Weihnachtsschnulzen nimmt sich Regisseur und Komiker Michael Bully Herbig diesmal eine der beliebtesten Zeichentrickserien der 1970er Jahre zur Brust. Entstanden ist ein zauberhaftes Abenteuer für Jung und Alt. Etablierte Darsteller wie Günther Kaufmann, Christoph Maria Herbst oder Jürgen Vogel sind darin nur Randerscheinungen. Im Mittelpunkt stehen dafür „Wickie“-Darsteller Jonas Hämmerle sowie sechs starke Männer, die Bully zuvor im Rahmen einer TV-Show zusammensuchte. Bullys munterer Streifen ist ein rundum gelungenes Vergnügen für alle jungen und jung gebliebenen „Wickie“-Fans. Ein wirklich schöner Familienfilm.

Webseite: www.wickie.film.de

Deutschland 2009
Regie: Michael Bully Herbig
Drehbuch: Michael Bully Herbig, Alfons Biedermann
nach den Kinderbüchern von Runer Jonsson
Darsteller: Jonas Hämmerle, Günther Kaufmann, Christoph Maria Herbst, Jürgen Vogel
Verleih: Constantin Film
85 Minuten
Kinostart: 09.09.2009

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Wickie (Jonas Hämmerle) lebt mit seinen Eltern Halvar und Ylvar in Flake, einem beschaulichen Wikingerdorf an der nordischen Küste. Er ist ein pfiffiger Bursche. Trotzdem hat er ein mächtiges Problem. Für einen echten Wikinger schlottern ihm viel zu oft die Knie. Das muss anders werden! Als der schreckliche Sven (Günther Kaufmann) in Flake einfällt und fast alle Kinder raubt, sieht Wickie endlich seine Chance gekommen. Gemeinsam mit seinem Vater und sechs starken Männern segelt er dem Bösewicht hinterher. Und dank seiner blitzgescheiten Ideen kommen die Wikinger dem Entführer schnell auf die Schliche.

Gar keine Frage, über den Humor von Michael Bully Herbig kann mächtig gestritten werden. Doch eines muss man dem bayerischen Regisseur, Drehbuchautor und Komiker lassen: An kreativen Ideen mangelt es ihm nicht. Vor allem, wenn es um Neuinterpretationen beliebter Spielfilme und Fernsehserien geht. Seine Karl-May-Parodie „Der Schuh des Manitu“ lockte beinahe 12 Mio. Zuschauer in die Kinos. Bei seinem Star-Trek-Klon „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ klopften sich nahezu 10 Mio. Fans vor Lachen auf die Schenkel. Und aus dem Weihnachtsdauerbrenner „Sissi“ den Animationsfilm „Lissi und der wilde Kaiser“ zu zaubern, war zumindest ein brillanter Clou.

In „Wickie und die starken Männer“ geht Bully nun den umgekehrten Weg. Aus der berühmten, 78-teiligen TV-Zeichentrickserie formte er einen aufwendigen Realfilm für die ganze Familie. Laut Eigenaussage hat die Produktion einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. Dieser finanzielle Aufwand schimmert in dem Streifen eindrucksvoll durch. Der Zuschauer fühlt sich tatsächlich in die Zeit der Wikinger zurückversetzt. Flake wirkt wie ein echtes Wikingerdorf und die starken Männer sehen aus, als seien sie direkt der Trickfilmvorlage entsprungen.

Dass Bully einen Großteil seiner Hauptdarsteller im vergangenen Jahr im Rahmen einer TV-Show castete, erweist sich in diesem Zusammenhang als Vorteil. Der Zuschauer hat dadurch das Gefühl, es tatsächlich mit Snorre, Gorm, Ulme & Co. zu tun zu haben. Und doch kommen einem die Darsteller bereits irgendwie bekannt vor. Echte Stars findet das Publikum hingegen nur in den Nebenrollen. Hier gibt es unter anderem Kurzauftritte von Herbert Feuerstein und Nora Tschirner zu bewundern. Zudem sind Christoph Maria Herbst, Jürgen Vogel und Günther Kaufmann in etwas größeren Funktionen zu sehen. Doch sie drängen sich nicht in den Mittelpunkt, der zweifelsfrei dem grandiosen „Wickie“-Darsteller Jonas Hämmerle gehört.

Mit „Wickie und die starken Männer“ ist Bully fantastisches Unterhaltungskino gelungen. Der Abenteuerfilm ist witzig und überaus detailverliebt. Wobei die Ausstattung weniger Wert auf historische Genauigkeit legt, als auf ihre Nähe zur Fernsehserie. Das spiegelt sich auch inhaltlich wieder. So erkennt der kundige Zuschauer viele Szenen, Wendungen und Ideen aus der Originalserie wieder. Daneben gibt es zahlreiche Anspielungen auf Filme wie „Der Herr der Ringe“ oder „Der weiße Hai“ zu erspähen. Und wenn Wickies Schatten in einer gewittrigen Szene durch den Türspalt fällt, kommt einem sogleich das Asterix-Titelblatt von „Der Seher“ in den Sinn.

Bullys munterer Streifen ist ein rundum gelungenes Vergnügen für alle jungen und jung gebliebenen „Wickie“-Fans. Alle an die Ruder!

Oliver Zimmermann