Wie Brüder im Wind

Eine Art Tier-Dokumentation mit fiktiven Momenten ist Otmar Penker und Gerardo Olivares „Wie Brüder im Wind“, der die majestätische Bergwelt der Alpen zu mystischer Höhe verklärt und dabei von der Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Adler erzählt. Das Ergebnis ist erzählerisch überaus holprig, stilistisch dafür oft atemberaubend und kraftvoll.

Webseite: www.facebook.com/WieBruederimWind

Österreich 2016
Regie: Otmar Penker, Gerardo Olivares
Buch: Joanne Rey
Darsteller: Jean Reno, Tobias Moretti, Manuel Camacho
Länge: 95 Minuten
Verleih: Warner
Kinostart: 28. Janaur 2016
 

FILMKRITIK:

Seit dem Unfalltod der Mutter ist Lukas (Manuel Camacho) verstummt. Allein mit seinem Vater (Tobias Moretti) wächst er in den 60er Jahren in den Alpen auf, in einem abgelegenen Tal, in dem der Förster Danzer (Jean Reno) das einzige andere menschliche Wesen ist. Viel zahlreicher ist die Tierwelt, von Füchsen und Wölfen über Schneehasen und Erdhörnchen bis hin zu mächtigen Adlern. Mit einem, der von seinem Bruder aus dem Nest geworfen wurde, freundet sich Lukas an, nennt ihn Abel und erlebt zahlreiche Abenteuer mit seinem fliegenden Freund.

Offiziell ist „Wie Brüder im Wind“ ein Spielfilm, doch im Kern ist das ambitionierte Projekt von Otmar Penker und Gerardo Olivares ein Hybrid zwischen Spielfilm und Dokumentation. Dass die Regisseure bislang in erster Linie als Dokumentarfilmer in Erscheinung getreten sind und praktisch keine Erfahrungen mit  inszenierten Szenen haben, merkt man ihrem Film oft schmerzlich an. Interaktion zwischen den Schauspielern findet kaum statt, bisweilen verschwindet die ein oder andere Figur auch für zehn, zwanzig Minuten, nur um wieder aufzutauchen, wenn das Drehbuch eine neue Wendung benötigt.

Der eigentliche Mittelpunkt des Films sind jedoch nicht die Menschen, sondern die Tiere und die atemberaubende Natur der Alpen. Schon Jahre vor den eigentlichen Dreharbeiten mit den drei Schauspielern begann Otmar Penker mit der Beobachtung der Greifvögel, drehte mit modernster Technik stundenlanges Material, um das herum dann ein Drehbuch geschrieben wurde. Dementsprechend wirken manche Passagen der Geschichte wie Stückwerk, fügen sich  Aufnahmen von der Jagd eines Adlers oder einer eindrucksvollen Lawine nur schwerlich in den Fluss einer Geschichte, die die dokumentarischen Versatzstücke in eine runde Form zu bringen versucht.

Als Spielfilm ist „Wie Brüder im Wind“  insofern nur bedingt gelungen, als Naturfilm dagegen umso mehr. Voller Kraft und Pathos sind die Bilder der majestätischen Alpen, von Gipfeln und steilen Berghängen, schneebedeckten Landschaften und malerischer Bergseen, über die die Adler voller Eleganz schweben. Eindrucksvolle Aufnahmen sind den Machern gelungen, vom Füttern des Nachwuchs, über den Kampf in den Lüften, bis hin zu einer spektakulären Szene, in der ein Adler Jagd auf eine Bergziege macht, die, mit dem im Fell festgekrallten Adler auf dem Rücken, einen steilen Berg runterspringt.

So rund in ihrer Mischung aus Fiktion und Dokumentation, wie es etwa die Naturfilme Jean-Jacques Annauds oft sind, ist „Wie Brüder im Wind“ zwar nicht geworden. Doch gerade die atemberaubenden Natur- und Tieraufnahmen machen den Film – trotz seiner holprigen Erzählweise – dennoch sehenswert.
 
Michael Meyns