Willkommen im Hotel Mama

Zurück nach Hause, zurück zur Mama: Es ist ein klassisches Komödienthema, dass der französische Regisseur Èric Lavaine in seinem Film "Willkomnmen im Hotel Mama" nur leicht variiert. Vor allem die Schauspiellegende Josiane Balasko überzeugt dabei und verleiht der ansonsten leichten Muße einige Tiefe.

Webseite: www.alamodefilm.de

OT: Retour chez ma mère
Frankreich 2015
Regie: Éric Lavaine
Buch: Éric Lavaine & Héctor Cabello Reyes
Darsteller: Josiane Balasko, Alexandra Lamy, Mathilde Seigner, Philippe Lefebbvre, Cécile Rebboah, Alexandra Campanacci, Nathan Dellemme
Länge: 97 Minuten
Verleih: Alamode Film
Kinostart: 11. August 2016
 

FILMKRITIK:

Eine letzte Runde dreht Stéphanie (Alexandra Lamy) noch in ihrem Sportwagen, dann gibt sie die Schlüssel ab. Ihre Ehe ist schon lange gescheitert, den gemeinsamen Sohn sieht sie nur einmal in der Woche und nun ist auch noch ihr Architekturbüro, das sie zusammen mit ihrer besten Freundin Charlotte (Cécile Rebboah) geführt hat, Pleite gegangen. So muss die 40jährige schweren Herzens zu ihrer Mutter Jacqueline (Josiane Balasko) zurückkehren, in die Wohnung ihrer Kindheit. Mitten in Aix in der Provence lebt Jacqueline, zusammen mit einer Katze und einem Liebhaber im selben Haus. Doch von dem dürfen weder Stéphanie, noch die beiden anderen Geschwister Nicolas (Philippe Lefebbvre) und Carole (Mathilde Seigner) etwas wissen, denn der Vater ist erst vor einem Jahr verstorben und die auch nicht mehr ganz jungen Kinder erweisen sich als konservativer, als die lebenslustige, umtriebige Mutter.

Weite Teile von "Willkommen im Hotel Mama" spielen in der Wohnung Jacquelines, rund um Wohnzimmer und Esstisch, was dem Treiben noch mehr als ohnehin einen theatralischen Anstrich verleiht. Wie in einer leichten Boulevardkomödie giften sich Mutter und Kinder an, werfen sich kaum verhohlene Spitzen an den Kopf, inszeniert Éric Lavaine Missverständnisse und Albernheiten.

Dieses Tempo legt er auch bei der späteren Auflösung der Konflikte an den Tag, was gerade am Ende ein wenig überhastet und allzu gefällig wirkt. Wie sich da binnen ein, zwei kurzen Szenen Stéphanies Probleme in Wohlgefallen auflösen und sämtliche Gräben auf einmal überwunden sind mutet ein wenig bemüht ab.

Zumal es Lavaine und seinem Co-Autor Héctor Cabello Reyes gerade im Mittelteil gelingt, dem leichten Treiben unerwartete Substanz zu verleihen. Vielfältige Probleme und unterdrückte Konflikte werden hier angedeutet, im Verhältnis der Geschwister untereinander, aber auch zu ihrer Mutter. So sympathisch die Figuren anfangs noch wirkten – Stéphanie, die Karrierefrau, Nicolas, der lässige Geschäftsmann und Carole, die jüngste, aber biestigste. Lange hat sich das Trio offenbar nicht gesehen, jeder lebte sein Leben, eine besondere Rolle hat die Familie nicht gespielt. Nun, da sie von der Mutter gedrängt wurden, sich am selben Tisch zu versammeln, brechen alte Wunden auf, kommt es schnell zu Vorwürfen und Anschuldigungen.

In diesen Szenen scheint Lavaine seine Komödie in dramatischere Gefilde entwickeln zu wollen, doch das sind nur Momente, die bald wieder von leichtere Muße verdrängt werden. Und von der wunderbaren Josiane Balasko, die als resolute, lebenslustige Mutter stets im Zentrum steht und auch manche boulevardesken, klamaukigen Szenen mit der Würde des Alters überspielt.
 
Michael Meyns