Wir kaufen einen Zoo

Cameron Crowe kennt sich aus mit der Inszenierung von Geschichten, die das Leben schrieb. So gefühlvoll, kenntnisreich und witzig wie „Almost Famous“, mit dem er der eigenen Jugend als Musikkritiker ein filmisches Denkmal setzte, ist seine neue Arbeit „Wir kaufen einen Zoo“ allerdings nicht geraten. Aus der wahren Geschichte des Journalisten Benjamin Mee, der 2007 mit seiner Familie den Dartmoor Wildlife Park in der Nähe des englischen Plymouth erwarb, macht Crowe eine klassische Hollywood-Erzählung und eine etwas unausgegorene Mischung aus Familiendrama, einer Prise „fish out of water“-Komödie und einer guten Portion Sentimentalität.

Webseite: www.wirkaufeneinenzoo.de

USA 2011
Regie: Cameron Crowe
Buch: Aline Brosh McKenna, Cameron Crowe
Darsteller: Matt Damon, Scarlett Johansson, Thomas Haden Church, Maggie Elizabeth Jones, Colin Ford
Filmlänge: 124 Minuten
Verleih: 20th Century Fox
Kinostart: 03. Mai 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Über der Familie Mee liegt noch die Katastrophe: Nach dem Tod seiner Frau wächst Benjamin (Matt Damon) alles über den Kopf, zwischen der Erziehung der Kinder, der Haushaltsführung und seinem Beruf verzettelt er sich ein ums andere Mal. Schon in diesen ersten Minuten zeigt sich eine der Stärken des Films – die Souveränität, mit der Crowe einen hektischen, ungeordneten Alltag szenisch orchestriert, ohne daraus hektische, ungeordnete Szenen zu machen. „Heute war hier viel zu tun“ sagt Benjamins kleine Tochter Rosie (Maggie Elizabeth Jones) seelenruhig zu ihrem Vater, bevor sie sich in einer vollgestellten, unaufgeräumten Küche das selbst geschmierte Marmeladenbrot zuklappt. Die Liebe der Mitglieder dieser Familie zueinander, so scheint es, hält alles gerade noch zusammen – auch wenn Benjamin sich zunehmend von seinem älteren Sohn Dylan (Colin Ford) entfremdet.

Also entschließt sich der Vater zu einem Neuanfang, schmeißt hin, was von seinem Job noch übrig war und sucht nach einem neuen Haus. Und Rosie verliebt sich unsterblich in ein Anwesen auf einem riesigen Grundstück – nur, dass außer den Mees hier noch Tiger, Bären, Pfauen und einige andere Tiere in einem stillgelegten Zoo leben. Verkauf oder Neueröffnung? Im amerikanischen Kino ist solch eine Frage schon von vorneherein beantwortet. Und auch wenn die mahnenden Worte seines in Finanzangelegenheiten erfahrenen Bruders (Thomas Haden Church) Benjamin ab und zu noch in den Ohren klingen mögen, so entscheidet er sich natürlich für Rosies Wunsch – und für den von Kelly Foster (Scarlett Johansson), der inoffiziellen Sprecherin der wenigen verbliebenen Angestellten des Parks. Thomas Haden Church sorgt dabei für die darstellerischen Höhepunkte des Films, wenn er dem großen, kräftig gebauten, manchmal nahezu grobschlächtig wirkenden Bruder Duncan einen Hauch des Dandyhaften gibt, der in komische Verzweiflung zu kippen scheint, wenn der unvernünftige Benjamin mal wieder alle guten Ratschläge in den Wind schlägt.

Doch nach einem sehr sorgfältig erzählten Beginn drückt Crowe seinen Film immer tiefer in Klischees hinein. Die erste Zeit der Mees im neuen Leben ist immer noch bestimmt von den innerfamiliären Konflikten, von den Vorwürfen Duncans, der sich so weit weg von seinem sozialen Umfeld kein bisschen wohlfühlt, und von Benjamins Kampf mit einem Haufen gänzlich neuer Aufgaben – organisatorisch, sozial, handwerklich (der echte Benjamin Mee hatte übrigens eine Heimwerker-Kolumne im „Guardian“). Kaum Postkartenbildchen von glücklichen Tieren gibt es da zu sehen, und auch keine Totalen eines potenziellen Schlaraffenlandes für Jung und Alt. Denn der Zoo ist zunächst freilich nicht mehr als ein Flickwerk aus morschen Zäunen und rostigen Gehegen, das in Windeseile an die Ansprüche des arg karikaturhaft gezeichneten Anlageninspektors Ferris (John Michael Higgins) angepasst werden muss.

Doch je stärker Crowe die anfangs stärker an Charakterzeichnung denn an Tempo und Spannung orientierte Handlung in die gewöhnlichen dramaturgischen Bahnen zwingt, desto schablonenhafter wird damit sein Film. Am Ende steht, dann schon nicht mehr überraschend, die totale Versöhnung, der totale Erfolg und eine neue Liebe. Und der Sonnenschein als total originelle Allegorie.

Tim Slagman

Benjamin Mee hat vor noch nicht langer Zeit seine Frau verloren; er und seine beiden Kinder trauern sehr um sie. Um auf andere Gedanken zu kommen wäre wohl ein Tapetenwechsel am besten.

Die drei suchen und werden fündig. Von außen schaut alles gut aus – aber dass sie als neues Zuhause einen ganzen Zoo gekauft haben merken sie erst, nachdem der Kauf schon abgeschlossen ist. Was tun?

Der Zoo ist in schlechtem Zustand, den Tieren geht es nicht besonders gut. Und doch entschließt sich Benjamin – schon um seiner kleinen Tochter willen -, den Schritt zu wagen, den Zoo neu aufzubauen. Die hohen Kosten, die strengen behördlichen Kontrollen, all das ist kein Zuckerschlecken. Zum Glück sind ein paar gute Mitarbeiter zur Stelle, zum Beispiel die alles andere als hässliche Tierpflegerin Kelly.

Mit seinem halbwüchsigen Sohn hat Benjamin einige Mühe. Und auch sonst schaut es manchmal schlimm aus – wie etwa wenn alle um das Leben eines Tigers bangen müssen. Die Fristen sind knapp, das nötige Geld kommt in letzter Minute, am Eröffnungstag regnet es in Strömen. Wie kann das alles gut gehen?

Keine Angst, denn es handelt sich um einen amerikanischen Familienfilm mit Stehaufmentalität, mit Optimismus, mit Durchhaltevermögen – da kann es keinen negativen Ausgang geben.

Ein wenig zu erfreulich und sehr nahe an Herz-Schmerz. Inszeniert allerdings ist das angenehm und gut. Der Erfolg wird auch nicht ausbleiben, denn Matt Damon als tapferer Benjamin sowie die attraktive Scarlett Johansson als Tierpflegerin Kelly und wahrscheinliches Liebesobjekt Benjamins sind dabei und spielen (genauso wie die beiden Kinder) natürlich wie immer gut.

Angenehmer, wenn auch anspruchsloser amerikanischer Familienfilm.

Thomas Engel