Manche Dinge sind überall auf der Welt gleich, unabhängig von Kulturen und Ländern. Die Geburt gehört dazu, ein natürliches Ereignis, das jeder Mensch erlebte und dem sich die österreichische Regisseurin Nicole Scherg nun in ihrem Dokumentarfilm „Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen“ nähert, der bewusst Ähnlichkeiten der Vorgehensweisen in den Mittelpunkt stellt.
Über den Film
Originaltitel
Wise Women
Deutscher Titel
Wise Women
Produktionsland
AUT
Filmdauer
88 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Nicole Scherg
Verleih
mindjazz pictures UG
Starttermin
09.07.2026
Etwas altmodisch mag der Titel des Dokumentarfilms anmuten: „Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen.“ Weise Frau, der an den Gedanken anspielt, das die Person, die einem Kind den Weg ins Leben bahnt, altes, auch magisches Wissen besitzt, eine Rolle, die in den meist patriarchalischen Gesellschaften bisweilen auch Probleme mit sich führte.
Doch die fünf Hebammen, die Nicole Scherg in ihrem Film porträtiert, sind keineswegs Schamaninnen, schon gar keine Hexen, die mit seltsamen Methoden und Pülverchen arbeiten: Im Gegenteil, auf den ersten Blick muten die Situationen erstaunlich gleichförmig an.
In einem städtischen Krankenhaus in Äthiopien arbeiten Genet Gebru, in einem von ihr selbst gegründeten und geleiteten Geburtshaus in Marokko Aïcha El Fathi. Ebenfalls in einer Großstadt in Brasilien geht Sheila Santos ihrem Beruf nach, während Kanchan Mala Shrestha in Nepal in einer kleinen ländlichen Gemeinde arbeitet. Und schließlich Gunda Gutscher aus Österreich, die dem wieder zunehmenden Wunsch nach Hausgeburten nachkommt.
Die Grundprinzipien der Arbeit sind in allen fünf Ländern und Kulturen gleich: Beratungsgespräche vor der Geburt, Untersuchungen mit moderner Technik, Sorgen und Hoffnungen werden besprochen, die Geburten verlaufen nicht einfach, aber meist unkompliziert. Auch danach unterscheiden sich die Kulturen kaum, per Handy werden Angehörige über das freudige Ereignis berichtet, allein das in Brasilien ein Abdruck von Plazenta und Nabelschnur gemacht und unterschrieben wird mutet überraschend an.
Bewusst hat Nicole Scherg Klischees vermieden, hat in Ländern des Globalen Südens nicht Situationen gesucht, in denen in einfachsten Umständen, fern von moderner medizinischer Versorgung geboren wird, hat umgekehrt auch im Westen, in Österreich, nicht ein hochmodernes Krankenhaus gewählt, sondern eine Hebamme ausgewählt, die Hausgeburten durchführt. Also in gewisser Weise wieder näher an den Geburten im Globalen Süden, manche würden sicher sagen ein Rückschritt weg von den Errungenschaften der modernen Medizin.
Bewertungen enthält sich der distanziert aber empathisch beobachtende Film dabei, lässt die Hebammen zu Wort kommen, beobachtet sie bei der Arbeit, die nicht zuletzt auch in Gesprächen über die Möglichkeiten der Verhütung besteht. Gerade in traditionelleren, oft konservativen Gesellschaften ein heikles Thema, das Mädchen im ländlichen Nepal ebenfalls länger zur Schule gehen können und sollten ist eine Erkenntnis, die sich erst langsam durchsetzt.
Unterschwellig deutet Nicole Scherg solche gesellschaftlichen Umstände an, die das Leben einer Frau bestimmt und oft einschränkt. Ganz bewusst kommen in „Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen“ kaum Männer vor, nicht als Ärzte, nur als Väter gelegentlich. Auch das Drehteam bestand ausschließlich aus Frauen, neben der Regisseurin waren in den besonders intimen Geburtssituationen nur noch Kamerafrau und Tonfrau dabei, was die große Nähe zu den Hebammen und Gebärenden ermöglichte und es Nicole Scherg ermöglichte, einen unaufgeregten, informativen Film über einen essentiellen Beruf zu drehen.
Michael Meyns







