Zusammen ist man weniger allein

Basierend auf dem internationalen Erfolgsroman von Anna Gavalda inszeniert Claude Berri einen anrührenden Liebesfilm. Zusammen ist man weniger allein überzeugt weniger durch die konventionelle Handlung, die weitestgehend frei von Überraschungen abläuft, als durch eine außerordentlich souveräne Regie, mit der Berri seinen sympathischen Darstellern viel Raum für ihre Eigenheiten lässt.

Webseite: www.zusammen-ist-man-weniger-allein.de

Ensemble, c’est tout. 
F 2006.
Regie: Claude Berri
Buch: Claude Berri, nach dem Roman von Anna Gavalda
Kamera: Agnès Godard
Schnitt: Francois Gédigier
Musik: Frédéric Botton
Darsteller: Audrey Tautou, Guillame Canet, Laurent Stocker, Francoise Bertin, Alain Sachs, Firmine Richard
97 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: Prokino
Kinostart: 16. August 2007

PRESSESTIMMEN:

 

Claude Berri hat die liebenswerte Vorlage leicht und charmant in einen Film verwandelt, für dessen Hauptrolle die unglaublich rehäugige Audrey "Amelie" Tautou geradezu zwingend wirkt.
Brigitte

"Zusammen ist man weniger allein" singt ein Hohelied auf die Wohngemeinschaft und ihre Kraft, Menschen aus ihrer Einsamkeit zu befreien und die Grenzen zwischen den Generationen zu überwinden. … mit durch und durch sympathischer Verve lässt Berri nichts unversucht, den Singles dieser Welt Mut zu machen.
Der Spiegel

Von Zeit zu Zeit erscheint ein Film auf den Leinwänden, der anders ist als die anderen und dessen Einzigartigkeit in etwas zu bestehen scheint, das aus der Mode gekommen ist: Nämlich darin, dass er glücklich macht…
Le Parisien

Pressestimmen auf film-zeit.de hier…

FILMKRITIK:

Es ist schon eine sehr französische Riege an Figuren, die der französische Regie-Altmeister Claude Berri hier auffährt: Mit ihren kurzen, schwarzen Haaren und einem beängstigend dürren Körper bemüht sich Audrey Tautou endlich den langen Schatten Amelies abzuwerfen. Sie spielt die Putzfrau Camille, die in einem finsteren Kabuff unter dem Dach wohnt und als Folge einer offenbar latent gestörten Mutter selbst an akuter Bindungsangst leidet. Erst der fröhliche Philibert (Laurent Stocker) holt Camille aus ihrer Einsamkeit und in seine riesige Wohnung. Philbert ist verhinderter Historiker und Schauspieler und wirkt mit seinem altmodischen Anzug samt Fliege, seiner unbeholfen, schüchternen Art und seinem aus seiner Ängstlichkeit resultierendem Stottern so schwul, dass er wohl nur in einem französischen Film dann doch nicht schwul ist. Aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen beherbergt er in seiner Wohnung auch den schwermütigen Koch Franck (Guillaume Canet), der seine angestaute Wut über viel zu viel Arbeit und zu wenig Leben mit lauter Musik und bedeutungslosen Affären betäubt. Und schließlich die greise Paulette (Francoise Bertin), Francks Großmutter, die nach einem Schlaganfall aus ihrem Haus ausziehen muss, wo sie ihre geliebten Katzen zurücklässt.

Und so kommt es wie es kommen muss: Trotz anfänglicher Apathie kommen sich Franck und Camille langsam näher, verbunden durch die Nähe zu Paulette und einer gemeinsamen Unzufriedenheit mit ihrem Leben. Dankenswerterweise kommt ihnen Philibert nicht in die Quere, denn der findet ebenfalls eine Frau, die ihm auch noch dabei hilft sein Stottern zu überwinden. Es wird also alles gut und man wundert sich schon, dass sich der Film – trotz all der dramaturgischen Klischees, die Berri auffährt –dennoch nicht schmierig und verlogen anfühlt. In erster Linie ist das der großen Erfahrungen Berris zu verdanken, bei dem man merkt, dass er einfach weiß, wie er eine Szene inszenieren muss, damit die Emotionen nicht aufgesetzt wirken, sondern sich ganz einfach aus einer subtilen mise-en-scène entwickeln. Keine stilistischen Mätzchen muss er bemühen, keine bombastische Musik einsetzen, einfach nur genaue Beobachtungen und vor allem exzellente Schauspieler vor der Kamera. Nie hat man bei Audrey Tautos Anblick so wenig an Amelie gedacht wie hier; Guillaume Canet – inzwischen auch ein mit dem César geehrter Regisseur – erweist sich immer mehr als ausgesprochen charmantes Multitalent; Laurent Stocker ist gleichermaßen verängstigt wie verletzlich und bewahrt doch immer seine würdevolle Haltung und über die große Schauspielerin Francois Bertin, die schon vor 45 Jahren mit Alain Resnais und Luis Bunuel dreht, muss man nicht viele Worte verlieren. Ein Film, dem es auf fast wunderliche Weise gelingt über seine Klischees hinauszuwachsen und zu einer feinen Komödie über die Liebe und die Anonymität der Moderne zu werden.

Michael Meyns

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Philibert, Franck, Camille und Paulette bilden eine zusammen gewürfelte, sonderbare, aber schließlich doch verschworene Gemeinschaft. Philibert hat von einer Verwandten in Paris eine riesige, alte, stilvoll eingerichtete Wohnung bis zu deren Verkauf zur Verfügung. Er nimmt Franck zu sich, bis der, der als Gourmet-Koch arbeitet, selbst etwas Passendes findet. Eine neue Bewohnerin kommt noch hinzu: Camille, die von Philibert geholt wird, weil sie, die zwar eine begabte Zeichnerin, aber als Putzfrau tätig ist, in ihrer kalten Kammer unter dem Dach desselben Hauses fast erfriert. Und dann ist da noch Paulette, Francks Großmutter, eine resolute, aber sonst patente Oma.

Viel passiert nicht. Der Zufall oder das Schicksal haben die vier zusammengeführt: Sie leben miteinander, sie gehen sich auf die Nerven, sie helfen sich gegenseitig, sie lieben sich schließlich auch.

Ein künstlerisch beachtenswert, höchst erfrischend und ungekünstelt gezeigtes Stück menschlichen Lebens. Die Regieleistung Claude Berris – er ist seit 2004 Präsident der Cinémathèque Francaise – besteht vor allem auch darin, dass alles vollkommen natürlich wirkt.

Laurent Stocker von der Comédie Francaise gibt herrlich den durch sein Stottern belasteten Schauspieleleven und treusorgenden Freund. Audrey Tautou, überall bekannt aus der „fabelhaften Welt der Amélie“, ist die zurückhaltende, noble Camille. Hierzulande weniger bekannt ist Guillaume Canet, der den Franck spielt. Er ist äußerlich ein ruppiger Macho, der viel arbeitet, sich ab und zu eine „Tänzerin“ gönnt oder dem Alkohol zuspricht, aber insbesondere gegenüber seiner Großmutter, doch letzten Endes auch gegenüber Camille, einen weichen Kern besitzt. Die ihr Haus und ihre Tiere liebende, auf das Lebensende zugehende Oma wird durch Francoise Bertin überzeugend verkörpert. 

Ein ebenso liebenswertes wie gekonntes Stück Kino.

Thomas Engel