Die Regisseurinnen Isa Willinger (No Mercy), Louise Unmack Kjeldsen (Mein neues altes Ich), Julia Roesler (Luisa) und die Verleiherin Jutta Feit für jip film & verleih mit Cotton Queen waren die Gäste einer gut besuchten Veranstaltung der Kinofrauen im Rahmen der AG Kino – Gilde Screenings in den Hackeschen Höfen am Montag.
Durch das Programm führten Katrin Bohm-Berg und Valeska Hanel. In konzentrierten Gesprächen ging es nicht nur um Inhalte, sondern auch um Entstehungsgeschichten, Produktionsbedingungen und persönliche Motivationen hinter den Filmen.
Die sehr unterschiedlichen Filme zeigen einerseits verschiedene Perspektiven auf das Spannungsfeld zwischen den Protagonistinnen und Systemen, die sie in ihrer Individualität beschneiden, traditionell kleinhalten, Verletzung ermöglichen, in Taburäume drängen. Andererseits zeigen die Filme auch die Entschlossenheit, sich diesen Strukturen entgegenzustellen.
In No Mercy stellt Isa Willinger die Frage, ob Frauen „härtere“ Filme machen – und was „Härte“ überhaupt bedeutet. Ist es die Radikalität der Bilder? Die Unbequemlichkeit eines Themas? Die Konsequenz einer Haltung? Oder vielleicht sogar ein Marketing-Etikett? Der Film versammelt Pionierinnen des feministischen Kinos – Regisseurinnen, die bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren mit radikalen, stereotype-brechenden Bildern gearbeitet haben und filmische Räume eröffneten, die heute selbstverständlich erscheinen. Ihre Arbeiten fordern, irritieren, verstören – und erweitern zugleich den Blick darauf, was filmische Stärke sein kann.
Kinostart: 05.03.2026
Mein neues altes Ich widmet sich einem zutiefst persönlichen und zugleich universellen Thema: den Wechseljahren, der Menopause. Eine Lebensphase, die 50 Prozent der Menschheit direkt betrifft – und dennoch gesellschaftlich wie medizinisch lange marginalisiert wurde. Der Film spricht offen über Symptome, körperliche Veränderungen und biografische Brüche. Er bricht mit Tabus, befragt Frauen weltweit und macht sichtbar, wie wenig Forschung und Aufmerksamkeit dieser Phase bislang gewidmet wurden.
Kinostart: 12.03.2026
Mit Luisa erzählt Julia Roesler eine Geschichte über Missbrauch in einer Institution für Menschen mit Behinderung. Frauen mit Behinderung sind statistisch noch häufiger von Übergriffen betroffen – ein bedrückender Kontext, den der Film nicht ausspart. Doch Luisa ist mehr als ein Film über Gewalt. Er erzählt von einer lebensfrohen, sinnlichen Frau, die durch traumatische Erfahrungen erschüttert wird – und dennoch einen sehr eigenen, emotionalen Weg zurück ins Leben findet.
Kinostart: 23.04.2026
Cotton Queen führt in ein sudanesisches Baumwollanbaugebiet – abseits der unmittelbaren Frontlinien des aktuellen Bürgerkriegs, aber nicht losgelöst von dessen Folgen. Der Film erzählt vom Einbruch globaler wirtschaftlicher Interessen in traditionelle Strukturen und zugleich von der Frauwerdung einer jungen Protagonistin zwischen Tradition und Moderne. In poetischen, bildstarken Sequenzen verschränken sich Traum, Erinnerung und Gegenwart. Trotz aller politischen Spannungen zeigt der Film auch weibliche Gemeinschaft, Solidarität und die Schönheit des Landes.
Kinostart: 23.04.2026
Gerade rund um den Internationalen Frauentag laden diese Filme dazu ein, weibliche Perspektiven, Körperpolitiken und Machtverhältnisse neu zu betrachten – und gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen. Previews sind ausdrücklich erwünscht.
No Mercy und Luisa
Real Fiction Filmverleih, Joachim Kühn
https://www.realfictionfilme.de
Mein neues altes Ich
Rise and Shine Cinema, Stefan Kloos
https://riseandshine-cinema.de
Cotton Queen
jip film & verleih, Jutta Feit
https://www.jip-film.de






