Unsere Film-Korrespondenten Kalle Somnitz und Anne Wotschke sind beim Filmfest in Rom unterwegs und hatten Gelegenheit Zach Woods und Susan Sarandon bei der Pressekonferenz zu sprechen. Hier ihr Bericht und Eindrücke zum Film THE ACCOMPANIST:
„Solch eine Rolle habe ich noch nie gespielt”, sagte Susan Sarandon auf der Pressekonferenz zum Film in Rom, und verwies darauf, dass sie am liebsten in Liebesgeschichten mitspielt. Gerade erst hat sie ihren 80. Geburtstag gefeiert.”In jungen Jahren war ich mir meiner Schönheit gar nicht so bewusst. Heute wundere ich mich manchmal selbst, dass ich so wenig Falten habe. Daher hätte ich mir von euch Journalisten schon die Frage gewünscht: “Wie 80. Geburtstag, Sie meinen sicher 70. Geburtstag’”.
Im weitesten Sinne ist THE ACCOMPANIST auch eine Love Story, wenn auch mit einem achtjährigen Mädchen. “Es war eine Begegnung auf Augenhöhe und bei den Dreharbeiten gab sich Emily-Darstellerin Everly Carganilla nicht viel anders als im Film”, so Regisseur Zach Woods. Kinder wollen wahr- und ernst genommen werden und so hat ihr Woods viel Spielraum gelassen. Sie musste sich nicht immer an das Drehbuch halten und durfte improvisieren. „Manchmal haben wir Szenen einfach ausprobiert und dann verbessert”, sagte Susan Sarandon. „Es war ein künstlerischer Prozess auf Augenhöhe, irgendwie so, als würden wir miteinander tanzen.”
„Schauspieler, die nicht so gerne mit Kindern spielen, haben meistens Angst vor ihrer Natürlichkeit und Ehrlichkeit.“ ergänzte Zach Wood, „Kinder verbiegen sich nicht, sondern spielen so wie sie in der Wirklichkeit täten, wenn sie in so eine Situation geraten würden.
Voll des Lobes war er auf Susan Sarandon. „Susan hat am Set ein Klima von Respekt und Sicherheit geschaffen, ist auf die Bedürfnisse ihrer jungen Kollegin eingegangen und hat so ihr Vertrauen gewonnen.“ Für ihn war dieser Film eine Herzensangelegenheit.
Nach Ansicht von Susan Sarandon kreist der Film um die stärksten emotionalen Themen, die es gibt, seien es Trauer, Ausgrenzung oder das Gefühl, irgendwelchen Idealen nicht zu entsprechen. “Die stärksten Emotionen treten immer dann auf, wenn du sie alleine durchmachst. Und genau das sei das Tolle am Film. “Da bist du nie alleine. Im Gegenteil, er signalisiert dir das Gegenteil. Das alte Sprichwort stimmt: „Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteiltes Glück ist doppeltes Glück!“
Dann wurde es politisch und Sarandon antwortet auf die Frage, warum sie immer wieder Partei ergreife. “Ich kann gar nicht anders. Ich wurde sogar aus der Academy geworfen, weil ich mich für einen Guantanamo-Häftling, der AIDS hatte, eingesetzt habe.” Im Irak-Krieg hat sie viele Hassmails mit Morddrohungen bekommen. Das habe sie noch ertragen können, doch jetzt bekommen ihre Kinder diese Mails und damit kann sie viel schlechter umgehen. “Du weißt nie, wie ernst du solche Mails nehmen musst“, erklärte sie und beklagte gleichzeitig die Stimmung in den USA, wie sie von der Regierung und den ICE-Schergen verbreitet wird. “Letztens haben die einen Mann im Rollstuhl erschossen. Ein Mann der sich nicht wehren konnte. Das Land verroht, seitdem diese Barbaren an der Macht sind. Das sähe man auch daran, dass das Fernsehen kein Problem damit hat, eine Exekution live zu zeigen. Das sei gänzlich unmoralisch und das einzig Gute daran sei das Wederaufflackern der Diskussion um die Todesstrafe. “In Amerika herrschen unzumutbare Zustände und ich weiß nicht, ob sie sich jemals wieder zurückdrehen lassen.“
Auch über das Thema Gaza fand sie klare Worte: „Wir können dieses Morden nicht erlauben und einfach geschehen lassen. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen und Partei ergreifen. Das gilt auch für die Presse!“ adressierte sie an die Anwesenden im Saal. „Ihr müsst jede Gelegenheit nutzen, um über Gaza zu berichten, da ist die Sicherheit deines Jobs zweitrangig“.
Und auch das Festival erfülle seine Pflicht, wenn es einem kleinen politischen Film ein Podium gibt und so die Probleme unserer Zeit zur Diskussion stellt.
Schließlich fand Zach Woods noch ein sehr schönes Schlusswort: „Wenn du Licht in eine Sache bringen willst, dann riskierst du, dass du dich verbrennst. Susan hat Licht in meinen Film und auch in mein Leben gebracht – und sie strahlt wirklich unglaublich hell.”
Bild: Susan Sarandon (c) Anne Wotschke






