Kinofamilie trauert um Marlies Kirchner

Die ehemalige langjährige Betreiberin des Theatiner Kinos in München, Marlies Kirchner ist verstorben. Sie war eine Pionierin der deutschen Filmkunsttheaterbewegung, die mit unerschütterlichem Engagement ihr Kino zu einer der bekanntesten Adressen des europäischen Programmkinos gemacht hat. Sie machte das Theatiner zu einem Ort der Begegnung, den nicht nur die Münchener wertschätzten. Über Jahrzehnte war sie Geschäftsfrau, Visionärin und die gute Seele ihres Kinos in dem sie auch im hohen Alter noch persönlich an der Kasse saß.

Bewundernswert war, wie sie, im bereits fortgeschrittenen Alter an die Digitalisierung glaubte und in das Kino investierte. Auch durch die Corona-Pandemie führte sie ihr Theatiner bis sie es schließlich 2023 an eine neue Generation übergab.

Marlies Kirchner kam aus Bochum und fand über die Liebe zum Film ihren Weg nach München. Seit 1957 leitete sie das Theatiner Filmkunsttheater, ab 1975 als alleinige Programmverantwortliche – und machte das Haus in den folgenden Jahrzehnten zu einer Institution weit über Bayern hinaus. Ihr Gespür für besondere Filme, für das europäische Autorenkino, für das Außergewöhnliche und Unbequeme, formte eine treue Cineasten-Gemeinschaft und setzte Maßstäbe für das, was ein Programmkino leisten kann. Besonders bekannt war und ist das Kino für seine Vielfalt an französischen Originalsprachen-Filmen. Dafür ehrte sie das französische Kulturministerium 2022 mit dem Ordre des Arts et des Lettres als Offizierin und das internationale Kinonetzwerk zeichnete sie 2018 mit dem Eruopa Cinemas Award aus.
Sie erhielt aber auch vielfache weitere Auszeichnungen: Den Kinoprogrammpreis der Landeshauptstadt München, den Filmpreis München, die Medaille „München leuchtet“ sowie die Berlinale Kamera im Jahr 2016 – einer der renommiertesten Anerkennungen für herausragende Verdienste um das Kino überhaupt.
Marlies Kirchner hat mehr als ein Kino geführt – sie hat eine Idee am Leben gehalten: dass Filmkunst einen Raum braucht, der sie schützt, zeigt und liebt. Dieser Raum trägt in München bis heute ihren Namen und ihr Vermächtnis.
Bild: Hier fühlte sie sich wohl: Marlies Kirchner an der Kasse ihres Kinos (c) Wolf Gaudlitz, 2017

Mehr lesen