Die deutschen Kinoverbände schlagen Alarm und warnen vor einem Kinosterben in Stadt und Land. Zwar zeigten sich die Kinos in einem rauen Marktumfeld erstaunlich resilient, sie sehen sich aber auch angesichts globaler Monopolisierungstendenzen mit einem massiven Modernisierungsdruck konfrontiert, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Der Investitionsstau wächst – doch die Erlösstruktur der Kinos reicht nicht aus, diesen aus eigener Kraft zu bewältigen. Die Verbände fordern daher die Fortsetzung des erfolgreichen Zukunftsprogramm Kino: 30 Mio. EUR jährlich von 2027 bis 2030 sind zwingend notwendig.
Die gewonnene Klarheit bei den standortpolitischen Komponenten ist ein wichtiger Schritt, doch ohne starke Kinos verpufft die Wirkung der Filmreform, mit der die deutsche Filmwirtschaft nachhaltig gestärkt werden soll. Wie die gesamte Wertschöpfungskette brauchen auch Kinos Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Förderung. Eine Studie der Filmförderungsanstalt zeigt, dass der jährliche Investitionsbedarf der deutschen Kinos bei über 100 Mio. Euro liegt: für den Erhalt der Häuser, digitale und technologische Modernisierung, ökologische Sanierung und die Verbesserung des Kinoerlebnisses. Doch viele Kinos wirtschaften strukturell am Limit, Rücklage sind kaum vorhanden. In diesem Zusammenhang erinnern die Kinoverbände an den Koalitionsvertrag, der verspricht, die Kinos durch verlässliche Förderprogramme für Investitionen und kulturelle Vielfalt in Stadt und Land stärken zu wollen. Dieses Vorhaben umzusetzen, ist dringlicher denn je.
Nach Auskunft der Verbände sind 30 Mio. EUR jährlich für das Zukunftsprogramm Kino erforderlich, damit Kinos in Stadt und Land in ihre Häuser, Programmarbeit und Publikumsentwicklung investieren können. Übergangslösungen und jährliche Unsicherheit machen mehrjährige Investitionen unmöglich. Das Zukunftsprogramm Kino war mitentscheidend dafür, dass ein breites Kinosterben im Zuge der Pandemie ausblieb. Doch jetzt besteht die Gefahr, das Erreichte zu verspielen. Kinos sterben langsam – und es beginnt, wenn sie nicht mehr investieren können.
Unverändert spielen die Kinos eine herausragende filmwirtschaftliche, kulturelle und soziale Rolle. Gerade für den deutschen, europäischen und unabhängigen Film ist die Kinoauswertung die entscheidende Voraussetzung für Sichtbarkeit, gesellschaftliche Wirkung und wirtschaftlichen Erfolg. Aktuell beobachten wir, wie das Publikum zurückkehrt, besonders das jüngere. Als Marktplätze freier Ideen und Orte gesellschaftlichen Zusammenkommens und Austauschs sind Kinos ein wichtiger Bestandteil im sozialen Gefüge unserer Gesellschaft – in der Stadt wie auf dem Land.
Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino – Gilde:
„Die besten Filme bleiben wirkungslos, wenn sie ihr Publikum nicht erreichen. Die Kinos sind mit ihrer Arbeit der Schlüssel dazu. Verlieren wir den Kulturort Kino, verlieren wir nicht nur die Lokomotive der deutschen Filmwirtschaft, sondern auch einen der wenigen verbliebenen kollektiven Räume in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierung und Vereinsamung. Die Kinos brauchen endlich Verlässlichkeit statt jährlicher Zitterpartien. Wer heute bei der Kinoförderung spart, verspielt morgen Deutschlands filmkulturelle Souveränität.“
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF KINO:
„Das Zukunftsprogramm Kino hat gezeigt, wie wirkungsvoll eine gezielte Hilfe zur Selbsthilfe sein kann: Modernisierte Standorte erreichen bis zu dreißig Prozent mehr Besucher und halbieren durch nachhaltige Sanierung gleichzeitig ihre Energiekosten. Schon im zweiten Jahr liegt diese Unterstützung brach und hat den Aufschwung der Branche empfindlich geschwächt. Wir appellieren mit Nachdruck an Staatsminister Weimer: Lösen Sie das Koalitionsversprechen einer verlässlichen Kinoinvestitionsförderung im Haushalt 2027 ein, bevor es spät ist. Kinos sterben langsam und es beginnt, wenn sie nicht mehr investieren können.“
Andreas Heidenreich, Vorsitzender des BkF:
„Die Erneuerung der Filmförderung kann nur funktionieren, wenn von Produktion über Vertrieb und Marketing bis zum Abspiel alle Bereiche mitgedacht werden. Mit neuen Mitteln geförderte Filme müssen in Kinos kommen, die dann schon auf dem neuesten Stand sind. Nur das sichert ihnen einen Erfolg quer durch alle Auswertungsstufen. Als bestes (nicht einziges) Mittel zur Förderung der Kinos aller Arten auf Bundesebene hat sich das Zukunftsprogramm Kino erwiesen. Sollen die zusätzlichen Mittel für die Filmproduktion nicht wirkungslos verpuffen, muss das Zukunftsprogramm Kino zeitnah wieder aufgenommen werden.“
Zum Zukunftsprogramm Kino
Seit 2020 ist das Zukunftsprogramm Kino die wichtigste Investitionsförderung für Kinos in Deutschland. Das Programm wurde bereits vor der Covid-Pandemie auf den Weg gebracht. Hintergrund der Förderung ist der hohe Investitionsdruck der Kinos, den die Filmförderungsanstalt auf über 100 Mio. Euro jährlich beziffert. Die bereitgestellten Mittel waren in der Vergangenheit bei weitem nicht ausreichend und regelmäßig binnen Sekunden ausgeschöpft. Das BKM-Programm wird von den Bundesländern kofinanziert, deren Beiträge durch den gewonnen Synergieeffekt deutlich gestiegen sind.






