Kulturabend Kino bei Bundespräsident Steinmeier

Am Mittwochabend ludt Bundespräsident Frank Walter Steinmeier ins Schloss Bellevue, um das Kino, aber auch die Kinobetreibenden zu würdigen. 130 von ihnen aus ganz unterschiedlichen Betrieben und Orten waren stellvertretend nach Berlin gekommen. 130 Jahre Kino und 75 Jahre HDF Kino gaben einen Anlass. 70 Jahre internationaler Kinoverband CICAE und 25 Jahre Filmkunstmesse könnte man in diesem an Jubiläen reichen Jahr noch hinzufügen.

Steinmeier schlug in seiner Rede einen großen historischen Bogen von den Anfängen des Kinos bis in unsere Zeit. Das Entstehen einer Gemeinschaft von Zuschauerinnen und Zuschauern zur selben miteinander geteilten Zeit sei für ihn die Grundlage der Kinokultur. Und dass es diese zu bewahren gilt, machten alle Festredner, Wim Wenders, Maria Schrader, Ílker Çatak und Doris Dörrie mehr als deutlich. Deren Beiträge gingen weit über die übliche Beschwörung der Magie des dunklen Raums und des gemeinsamen Geschichtenerzählens hinaus. Es waren ganz persönliche Liebeserklärungen an das Kino, die aber auch viel politisches aufscheinen ließen. Ílker Çatak verwies auf die integrative Kraft des Kinos, die die Vielfalt unserer Gesellschaft weit mehr repräsentiert, als so manche politische Institution. Doris Dörrie bedauerte den Rückzug der Menschen ins Private und sieht das Kino als einen Ort der Freiheit an dem wir uns bewusst anderen aussetzen und die Kontrolle abgeben, um uns für einen Moment fallen zu lassen und uns als Teil einer Gesellschaft wahrzunehmen. Und Wim Wenders brachte es auf den Punkt: „Wenn es das Kino nicht schon gäbe, es müsste neu erfunden werden.“

Im anschließenden Gespräch brachten die Kinobetreibenden Anne Kellner (Rostock), Katharina Repp (Schwarzenberg), Stefanie Schulte Strathaus (Berlin) und Gregory Theile (Darmstadt) ihre Erfahrungen mit dem Kino ein.

Dass auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fast den ganzen Abend zu Gast war, gab der Veranstaltung vielleicht noch einen zweiten tiefen Sinn. Denn sicher konnte er so erfahren, was das Kino so vielen Menschen bedeutet, und dass es als gesellschaftlicher und kultureller Ort für die Demokratie wichtig und schützenswert ist.

Bild: Vorstand der AG Kino – Gilde beim Bundespräsidenten: v.l. Christopher Bausch, Felix Bruder, Frank Walter Steinmeier, Christian Bräuer, Christian Pfeil, Anne Kellner

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