Ein Mann sucht seit neun Jahren nach seiner Tochter. Sie wurde nicht entführt, nein, ihre Mutter, die sich von ihrem Mann getrennt hat, ist mit der Tochter einfach verschwunden. Dass sie noch lebt, weiß er nur, weil die monatlichen Alimente von seinem Lohn abgezogen werden. „A Missing Part“ ist ein Drama mit einem Romain Duris in Höchstform, der die Frustration und den Schmerz eines Elternteils, dem der Kontakt zum eigenen Kind verwehrt wird, spürbar werden lässt.
Über den Film
Originaltitel
Une part manquante
Deutscher Titel
A Missing Part
Produktionsland
FRA,BEL,JAP
Filmdauer
89 min
Produktionsjahr
2024
Produzent
Bronckart, Jacques-Henr / Thion, David
Regisseur
Senez, Guillaume
Verleih
Film Kino Text – Jürgen Lütz
Starttermin
13.11.2025
Jay (Romain Duris) arbeitet als Taxifahrer. Meistens in der Nachtschicht, weil er seine Tage in der 40-Millionen-Menschen-Metropole Tokio nutzt, um nach seiner Tochter zu suchen. Seit seine Frau sich vor neun Jahren von ihm trennte, hat er sie nicht mehr gesehen. Er ist bereit, aufzugeben und nach Frankreich zurückzukehren, als er zufällig seine Tochter transportiert. Erst erkennt er sie nicht, dann werden diese täglichen Fahrten zum Highlight seines Lebens, aber er weiß nicht, wie er seiner Tochter sagen soll, wer er ist.
In Japan laufen die Uhren etwas anders. Das Sorgerecht hat, bei wem das Kind gerade ist. Dass Jays Frau mit dem Kind verschwindet, bricht kein Gesetz. Er ist, wie so viele Ausländer, aber auch Einheimische, alleingelassen mit einer emotional vernichtenden Situation. Der Frust, der dadurch entsteht, darf in einem auf Contenance bedachten Land nie gezeigt werden.
Das weiß Jay, das sagt er auch einer Freundin, die ein ähnliches Problem wie er hat, und doch wird der Moment kommen, da der Frust wie eine Flutwelle über ihn hereinbricht. Es ist ein starker, ein emotional mitnehmender Moment, der ebenso wirkungsvoll ist wie die wenigen Momente des Glücks, die der Hauptfigur vergönnt sind.
Mögen die Traditionen in Japan auch anders sein, ist der Film doch universell gültig. Zu oft wird einem Elternteil der Umgang mit dem Kind durch den ehemaligen Partner verboten. Die Gründe mögen mannigfaltig sein, es ist jedoch ein Kampf, der immer auch auf den Schultern des Kindes ausgetragen wird, das ein Recht auf beide Eltern hat. „A Missing Part“ ist kein leichter Film, schon gar nicht für Menschen, die die Situation nicht nur nachempfinden können, sondern in leicht variierender Form erleb(t)en.
Ein Film darüber, wie das Leben ist, wenn ein wichtiger Teil fehlt. Weil das Leben dann eben nicht einfach weitergeht, sondern in der Warteschleife festhängt, wohlwissend, dass mit jedem weiteren Tag, der verstreicht, die Hoffnung auf ein Happyend schwindet.
Peter Osteried







